Samstag, 16.02.2019

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Rummel unter dichten Wolken

Die Kirchweih startet im Dauerregen — Schausteller klagen über Einbußen - 03.10.2005

Ohne guten Regenschutz ging am Samstag gar nichts auf der Kirchweih, auf der es erst im Lauf des Sonntags allmählich voller wurde. Angesichts des Gänsehautwetters schürte Franz Grauberger (rechtes Bild) in seinem „Südtiroler Bergdorf“ gleich den Bollerofen an. Fotos: Thomas Scherer © -


Dauerregen und Kälte: Schausteller und Kirchweihbesucher waren am Samstag nicht zu beneiden. Zumindest am Sonntag blieb es hin und wieder trocken. Echte Kärwa-Stammgäste wie der 67-jährige Horst Ruland lassen sich vom Wetter sowieso nicht aus der Ruhe bringen.

„Das stört doch uns nicht“, sagt der Rentner und erzählt, dass es sogar schon mal geschneit habe zur Kärwa. 35 bis 40 Jahre sei das her. „Da hat man gemeint, es ist bald Weihnachten“, sagt Ruland. Mehr Gäste wie Horst Ruland wünschen sich wohl die gut 260 Schausteller auf der Kärwa. Von Umsatzeinbußen zwischen 50 und 80 Prozent bei sich und seinen Schaustellerkollegen spricht Michael Drliczek, Inhaber des Riesenrads auf der Fürther Freiheit. Allerdings hat er sogar Lob für die Fürther parat: „Ich kenne einige Volksfeste, da würde bei so einem Wetter überhaupt niemand kommen“, sagt er.

Hanni Heckel schüttelt angesichts der dichten Wolken nur den Kopf. Sie betreibt „Bauer’s rollende Metzgerei“ an der Freiheit. Zwar haben sich zur Mittagszeit einige Gäste auf den überdachten Plätzen niedergelassen, aber es fehle einfach die Laufkundschaft, klagt Heckel. Für die weiteren Tage ist sie jedoch zuversichtlich: „Schlechter kann’s doch gar nicht mehr werden.“

Franz Grauberger hat zum ersten Mal das „Südtiroler Bergdorf“ auf der Kärwa beim Paradiesbrunnen aufgebaut. Bei Schinken und Wein können sich hier die Besucher ausruhen. Im überdachten Bereich hat er einen großen Ofen aufgestellt, in dem das Feuer lodert und eine angenehme Wärme ausstrahlt. Proppenvoll ist es aber auch bei ihm nicht. „Die Leute kennen es halt noch zu wenig“, meint Grauberger. Für die nächsten Tage wünscht er sich nur eines: „Trocken muss es sein.“

Rundum zufrieden waren hingegen die Geschäftsleute in der Innenstadt mit dem verkaufsoffenen Sonntag. „Unser Haus ist brechend voll“, meldete Dirk Achenbach vom City-Center. Er vermutete, dass das schlechte Wetter dem Einzelhandel sogar zugute kam. „Es läuft besser als im Vorjahr“, sagte auch Horst Krönlein, Geschäftsleiter bei Wöhrl.

Beim offiziellen Kärwa-Auftakt am Samstag hatte bereits Oberbürgermeister Thomas Jung jede Menge Zuversicht verbreitet. „Bei gutem Wetter kann ja jeder feiern“, rief er den Schaulustigen zu, die sich vor dem Stadttheater unter ihren Regenschirmen drängten.

Beim Fassanstich brauchte Jung über zehn Schläge, bis er die ersten Liter Freibier unters Volk bringen konnte. Traditionell stiegen wieder Brieftauben in den Himmel, aus dem Wiesengrund tönten Böllerschüsse herüber und der Musikzug des TSV Burgfarrnbach spielte gegen den Regen an.

Nur einem konnte das Wetter offenbar nicht schlecht genug sein. Beim „Billigen Jakob“ fanden Regenschirme reißenden Absatz und als die Nachfrage dann doch nachließ, rief er laut: „Ja, kann’s denn nicht noch mehr regnen!“ Die Fürther nahmen’s mit Humor und lachten.

(Kärwa-Splitter und ein Gewinnspiel der FN finden Sie auf Seite 3 dieses Lokalteils, weitere Informationen im Internet unter www.fuerther-kirchweih.de) 

JOHANNES ALLES

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