Dienstag, 11.12.2018

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Schnuppermitgliedschaften zum Schulstart

Die Stadt Fürth will Erstklässlern ab 2019 ein Jahr im Sportverein finanzieren - 04.12.2018 06:00 Uhr

Kinder mehr als bisher an den Sport heranzuführen — das ist erklärtes Ziel der Stadt, die deshalb jetzt ein besonderes Förderprojekt auflegt. © Archivfoto: Horst Linke


Mit dem Angebot, das jetzt einstimmig vom Stadtrat beschlossen wurde, will die Stadtspitze zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Es soll mehr Kinder zu regelmäßiger Bewegung animieren und den mehr als 60 Fürther Sportvereinen zugleich neue Mitglieder bescheren, die ihnen im Idealfall auf Dauer erhalten bleiben.

Die Anregung kam von Bürgermeister Markus Braun, der früher die Rosenschule leitete und im Rathaus als Referent für Schule und Sport zuständig ist. Schon vor ein paar Jahren hatte er von einem ähnlichen Vorstoß andernorts erfahren. Die Idee habe ihn begeistert, sagt er, doch musste er sie wegen der angespannten Haushaltslage zurückstellen. Inzwischen steht die Kommune finanziell besser da, und zu Brauns Freude entschloss sich der Stadtrat nach "intensiven Diskussionen" im Forum Fürther Sport und im Sportausschuss, "hier ein Zeichen zu setzen". Wie das Beispiel Duisburg zeigt (siehe nebenstehender Artikel), sind andere Städte Fürth diesbezüglich schon ein Stückchen voraus.

Im Rathaus der Kleeblattstadt geht man pauschal von einem Jahresbeitrag in Höhe von 50 Euro pro Kind aus, rechnet damit, dass die Hälfte der Begünstigten das Angebot in Anspruch nimmt und somit Kosten in Höhe von 25 000 Euro entstehen. Formal müssen noch die Mittel im Haushalt bereitgestellt werden, bis Herbst 2019 haben Stadt und Vereine Zeit, sich zu überlegen, wie sie im Detail vorgehen wollen.

Unter anderem soll noch eine Regelung gefunden werden, nach der Jungen und Mädchen, die bereits einem Verein angehören, nicht benachteiligt werden. "Wir wollen diese Kinder ja nicht schlechter stellen." Außerdem wird abgeklopft, ob die Gutscheine auch für Schwimmkurse eingesetzt werden könnten. Braun hofft, dass die Schnuppermitgliedschaft ein zusätzlicher Anreiz für die Abc-Schützen ist, sich in einem Verein auszuprobieren, sei es nun im Handball, Fußball, Leichtathletik, Kunstradfahren, Teakwondo oder Tischtennis.

Denn bei Schuleingangsuntersuchungen zeige sich immer wieder, dass bereits Fünf- und Sechsjährige an Fettleibigkeit leiden und motorische Probleme haben. Das bleibe, sagt Braun, nicht ohne Folgen für die schulischen Leistungen. Denn: Wer beispielsweise nicht rückwärts laufen könne, tue sich auch schwerer mit dem Rückwärtszählen und dem Minusrechnen.

Wie vielerorts verlieren die Sportvereine in Fürth tendenziell Mitglieder, was Braun auf das heutzutage große Angebot an Freizeitaktivitäten und eine nachlassende Bereitschaft zurückführt, sich auf verbindliche Termine einzulassen. Kinder und Jugendliche sind nach seinem Eindruck weniger als früher bereit, zwei bis drei feste Termine pro Woche einzuhalten.

Dramatisch sind die Verluste bei den Fürther Sportvereinen allerdings nicht. Braun spricht von einer "leicht rückläufigen Entwicklung" – nämlich minus 200 in den vergangenen fünf Jahren bei insgesamt 27 000 Mitgliedern, von denen jeder Dritte nicht volljährig ist.

Klaus Sandhöfer, Vorsitzender des MTV Stadeln, sagt zwar, als einziger Innenstadtverein habe der MTV einen hohen Zulauf und bei konstant 1150 Mitgliedern sogar einen besonders hohen Kinder- und Jugendanteil von zwei Dritteln. Trotzdem sei der Vorstoß der Stadt "ein Traum". Er wie auch Stefan Fürst, Sprecher des TV Fürth 1860, erkennen in der geschenkten Schnuppermitgliedschaft eine Win-win-Situation. Beim TV etwa denke man deshalb auch darüber nach, den Erstklässlern im Schnupperjahr nach dem Vorbild der hauseigenen Kindersportschule KISS gezielt die Chance zu geben, sich durch die ganze Angebotspalette zu probieren. 

Birgit Heidingsfelder

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