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Schüler als Krimiautoren: Mit Klausi im Kadett unterwegs

Fünf Mittelschüler schrieben gemeinsam am Krimi "Verschollen in Stein" - 10.11.2017 06:00 Uhr

Hanna (Mitte) präsentiert einen Opel Kadett, wie ihn Walter Röhrl bei der Metz-Rallye fuhr. Viviene zeigt das Buch und Heide Seegets hält das viele Meter lange Storyboard in Papierform. © Foto: Petra Fiedler


Das Autorenteam unter Leitung von Rektorin Heidi Seegets führt mit seiner Geschichte zurück ins Jahr 1977. Deshalb garantiert der Text neben Spannung auch gute Laune, denn in kleinen Details erinnert er an eine bunte Zeit, in der es keine Smartphones, dafür aber Ahoi-Brause und Bonanza-Räder gab.

"Wir haben ja nichts von den 70er Jahren gewusst", sagt Viviene Hensler und zieht ein wenig die Schultern hoch. Damit bekräftigt sie, dass es für sie und die anderen vier – Nico Heise, Johanna Beck, Beata Rammig und Patrick Heinrich – eine vollkommen unbekannte Welt war, die sie in ihrem Buch beschreiben wollten.

Viviene besuchte während der Krimiphase die siebte Klasse und war jüngstes Mitglied des Autorenteams. Heute ist sie die Einzige, die noch an der Mittelschule verblieben ist. Alle anderen sind flügge geworden und haben längst Schule oder Stadt verlassen.

Aber Hanna Seidel, die zweite Schulsprecherin, weiß noch, wie es damals an der Schule geknistert hat: "Die durften während des Unterrichts in die Schreibwerkstatt und wir waren alle zum Platzen neugierig, was das für ein Buch werden sollte", erinnert sich Hanna an das Schuljahr 2015/16. Die fünf Schreiber hielten dicht. Kein Wort drang nach draußen.

Inzwischen ist "Verschollen in Stein" mit dem Protagonisten Klausi offiziell erschienen. Schulleiterin Heidi Seegets erzählt gern davon, wie die Mittelschule dieses anspruchsvolle Projekt mit Bravour gestemmt hat. "Ich glaube, wir haben da schon was Besonderes geschaffen", meint sie rückblickend stolz.

Davon, wie Recherchen, Interviews und Überlegungen im Storyboard zusammenflossen und die Ideen zu einer Handlung verwoben wurden, erzählt Viviene. Vieles hätten sie verworfen, anderes wieder neu hinzugefügt. Manchmal waren die Texte auf Anhieb sympathisch, ein anderes Mal hölzern. Viviene beschreibt aber auch, wie jeder Schüler seine Vorstellungen von Personen und Story ins Ganze einfließen lassen konnte: "Wir haben abgestimmt und wenn die Gruppe das Okay gab, dann wurde das auch so durchgezogen und nicht mehr geändert".

Sehr lange haben Jungautoren und Lehrerin darüber beraten, ob in diesem Krimi ein Mord geschehen sollte. Das Team hat sich dagegen entschieden. Es sollte eine Geschichte entstehen, die auch Kinder interessieren könnte.

Hanna, die ganz genau hinhört, wenn ihre Mitschüler etwas sagen, hat herausgefunden, dass Nico, einer der Autoren, vermisst wird. "Zu allen anderen Autoren haben wir noch Kontakt", stellt sie bedauernd fest. Nico sei, als wolle er dem Buchtitel folgen, verschollen. Dabei war er derjenige, der der Hauptfigur Klausi in der Story ihr unverwechselbares Profil verpasst habe. Man muss sich vorstellen, dass die Schüler die einzelnen Kapitel untereinander aufteilten und regelrecht Paten für die einzelnen Figuren waren.

Texte mit Leichtigkeit

"Es ist so schade, dass Nico nichts von der Anerkennung und dem Lob erfährt", hadert Heidi Seegets mit dem Verschwinden ihres kreativen Mitglieds im Autorenteam. Seine Texte über Klausi lesen sich mit einer für die Jugend typischen Leichtigkeit, sie lassen trockenen Humor aufblitzen und erinnern in ihrer Sprachmelodie fast schon an das Kultbuch "Tschick" von Wolfgang Herrndorf.

Für Stein, den Landkreis und darüber hinaus, vielleicht sogar für die gesamte Region, hat "Verschollen in Stein" durchaus das Zeug zum Bestseller. Die Geschichte um einen Waffenfund und um eine Entführung, die in einen humorgewürzten Showdown mündet, könnte vielen Lesern gefallen.

Junge Leute dürften sich angesprochen fühlen, weil sie sich in der Lässigkeit und dem Schnodder von Klausi wieder erkennen. Reifere Leser werden an Nostalgisches wie die Metz-Rallye, Dolomiti-Eis, Opel Kadett und Rod Stewart erinnert.

Klausi würde sagen: "Schlappe 9,90 Euro kostet unser heißes Teil." Die Stadt hat eine Auflage von 1000 Stück vorfinanziert. Zu haben ist der Krimi "Verschollen in Stein" bei der Volks- und Raiffeisenbank, der Sparkasse, an der Mittelschule und im Rathaus.  

PETRA FIEDLER

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