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Schweine im Glück

Seit 25 Jahren gibt es das Fürther Schwarzwildgehege - 12.09.2012 11:00 Uhr

Während sich diese Frau damit begnügt, Fotos  zu machen, bringen die meisten Besucher Leckerbissen mit. Damit nicht zu viel im Gehege landet, gibt es eine Box, in der man Futter für schlechtere Zeiten deponieren kann.

Während sich diese Frau damit begnügt, Fotos zu machen, bringen die meisten Besucher Leckerbissen mit. Damit nicht zu viel im Gehege landet, gibt es eine Box, in der man Futter für schlechtere Zeiten deponieren kann. © Hans Winckler


Wenn Stadtförster Martin Straußberger mit seinem Auto vor das Gehege hinter dem Hotel Forsthaus in Oberfürberg fährt, gibt es bei den Wildschweinen kein Halten mehr. Mit lautem Grunzen und Quieken drängen sich ein Dutzend Schwarzkittel am Gehegezaun — wohl wissend, was Straußberger im Gepäck hat: Futter. Schnell verdrückt sind ein paar Scheiben Brot, die der Förster den Tieren zuwirft, in einen Trog füllt er außerdem einen Eimer Getreide, über den sich die Wildschweine schmatzend hermachen.

Dieses Borstenvieh hat offenbar genug und sucht sich nun ein ruhiges Plätzchen.<autor>

Dieses Borstenvieh hat offenbar genug und sucht sich nun ein ruhiges Plätzchen.


Mehr braucht es nicht, um die Tiere satt und damit glücklich zu machen — zumindest nicht aus den Händen Straußbergers. Die weitere Fütterung übernehmen nämlich die zahlreichen Besucher, die, oft in Begleitung ihres Nachwuchses, täglich zum Schwarzkittel-Gehege strömen. Sie wissen meist genau, womit sie den Tieren eine kulinarische Freude machen können. Ungekochte Nudeln stehen ziemlich weit oben auf dem Lieblingsspeiseplan des Borstenviehs, getoppt werden sie höchstens noch von frischem Grünzeug oder Eicheln. Auf Fleischreste und Kastanien dagegen können sie verzichten: Fleisch kann das gefährliche Schweinepest-Virus in sich tragen, Kastanien schmecken den Tieren nicht.

Seit 1987 gibt es das „Schweine-Paradies“ im Stadtwald. Initiiert wurde das Projekt vom Verein zur Pflege des fränkischen Brauchtums. Besonders dessen Vorsitzende Erika Jahreis, damals als Stadträtin auch zuständig für die Pflege des Stadtwaldes, hatte sich für das Ge-

hege eingesetzt. Vor allem für die Fürther sollte es gedacht sein. Dass diese in all den Jahren auch rege Anteil genommen haben an „ihrem“ Schwarzwild, zeigt nicht nur die Besucherschar, die sich meist am Wochenende in den Stadtwald aufmacht. Nachdem der erste Keiler „Eberhard“ im Herbst 2000 das Zeitliche gesegnet hatte, riefen die Fürther Nachrichten ihre Leser dazu auf, einen Namen für dessen Nachfolger zu finden.

Einfach ausgebüxt

Mehr als 250 Zuschriften bestätigten, wie interessiert die Fürther am Chef des Wildschweingeheges waren — zumal dieser bereits wenige Tage nach seiner Ankunft im Stadtwald-Gehege für Aufsehen gesorgt hatte. War er doch gemeinsam mit seinem Harem und den Frischlingen ausgebüxt, um den Garten des ehemaligen Stadtwerkeleiters umzugraben. „Rudi“ war der Name, auf den sich eine Jury schließlich einigte.

Inzwischen regiert „Rudi II“. Er ist eine imposante Erscheinung — nicht nur wegen seiner Größe. Zwei große gebogene Eckzähne verleihen ihm außerdem ein etwas furchterregendes Aussehen. Dass das Tier aber extrem gutmütig ist, weiß Martin Straußberger zu berichten. Weil die sogenannten Hauer in den Oberkiefer zu wachsen drohten, hat der Stadtförster kürzlich selbst Hand angelegt und sie mit einer Säge gestutzt. „Der hat sich das problemlos gefallen lassen“, sagt Straußberger. Allerdings sei der Keiler momentan etwas zurückhaltend, wenn er sich ihm nähere. „Er hat wohl Bedenken, dass ich wieder an ihm rumsägen könnte“, vermutet Straußberger schmunzelnd.

Viel mehr Angst müssten eigentlich die beiden Bachen, also die weiblichen Wildschweine, und deren Nachwuchs haben. Den Müttern wird es im Spätherbst an den Kragen gehen. Aus dem Verkauf des Fleisches wird ein Teil des Geheges finanziert. Zwei neue Bachen sollen dann kommendes Frühjahr wieder für publikumswirksame Frischlinge sorgen. An Kosten fallen hauptsächlich regelmäßige Reparaturarbeiten an der Umzäunung an. Immer wieder proben die Schweine den Ausbruch. Deshalb ragt der Zaun auch 30 Zentimeter tief in den Boden hinein.

Der Stadtförster, der einmal täglich bei den Tieren vorbeischaut, hat, seit er das Amt 1996 übernahm, eine andere Einstellung zum Schwarzwild bekommen. „Für viele Jäger sind Wildschweine nur dazu da, abgeschossen zu werden, weil sie im Wald oft Schäden anrichten“, sagt er. Wenn man aber selbst einmal Frischlinge aufgezogen habe, denke man anders, sagt er, während er einem Schwein ausgiebig den borstigen Rücken krault. 

Gwendolyn Kuhn

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