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Schwenk durchs Knoblauchsland: Entsetzen über den Vorstoß der Bahn

Die Argumente für den Schwenk durch das Knoblauchsland werden widerlegt - 11.08. 13:00 Uhr

FÜRTH  - Die Bahn hat mit ihrem jüngsten Plädoyer für den in Fürth einhellig abgelehnten Schwenk der S-Bahn durchs Knoblauchsland die Stadt vor den Kopf gestoßen.

Ein Ausbau entlang der Bestandsstrecke — hier am Bahnhof Vach — ist aus Fürther Sicht volkswirtschaftlich sinnvoller als ein Schwenk durch das Gemüseanbaugebiet.
Ein Ausbau entlang der Bestandsstrecke — hier am Bahnhof Vach — ist aus Fürther Sicht volkswirtschaftlich sinnvoller als ein Schwenk durch das Gemüseanbaugebiet.
Foto: Winckler
Ein Ausbau entlang der Bestandsstrecke — hier am Bahnhof Vach — ist aus Fürther Sicht volkswirtschaftlich sinnvoller als ein Schwenk durch das Gemüseanbaugebiet.
Ein Ausbau entlang der Bestandsstrecke — hier am Bahnhof Vach — ist aus Fürther Sicht volkswirtschaftlich sinnvoller als ein Schwenk durch das Gemüseanbaugebiet.
Foto: Winckler

Fakten, die bei der Erörterung aller Einwände gegen das Projekt am 5. und 6. Juli im Kulturforum von den Bahnvertretern nicht bestritten wurden, zählen nicht mehr. Dazu gehört die Tatsache, dass für einen Schwenk mehr Flächen benötigt werden als bei der von Fürth geforderten S-Bahn-Führung entlang der Bestandsstrecke.



Entgegen ihren jüngsten Angaben hat die Bahn nach Aussagen des städtischen Verkehrsplaners Benjamin Hartung längst eingeräumt, dass ein echter S-Bahn-Takt auch auf der kürzeren Alternativstrecke möglich sei. Der Bahn, die der Stadt weiterhin wichtige Daten zur kritischen Überprüfung der strittigen Schwenk-Pläne vorenthält, wird ein Taktieren mit falschen Annahmen vorgeworfen.

So gehe die Bahn davon aus, dass die S-Bahn entlang der Bestandsstrecke zweigleisig ausgebaut werden muss, während der Schwenk nur eingleisig geplant ist. Dabei sei man sich, so Hartung, doch einig, dass ein eingleisiger Betrieb auch an der Bestandsstrecke möglich sei. Der Kostenvorteil in Höhe von zehn Millionen Euro, den die Bahn für ihren Schwenk ins Feld führt, resultiert aus städtischer Sicht hauptsächlich aus der fälschlichen Annahme, dass bei einem Schwenk keine Lärmschutzmaßnahmen an der Bestandsstrecke nötig sind.

Nicht nachvollziehen kann die Fürther Verkehrsplanung auch, dass Flächen an der Bestandsstrecke von der Bahn als wertvoller eingestuft werden als die vom Schwenk durchschnittenen Gemüseanbaufelder. Unverständlich sei auch, dass der Wald am Schwenk bei Großgründlach weniger wert sein soll als der Wäsig an der Bestandsstrecke.

„Die Verhältnisse werden verzerrt“, wirft Hartung der Bahn vor und bezieht sich dabei auch auf die Angaben zur erwarteten Bahn-Nutzung. So gehe die Bahn von der unwahrscheinlichen Annahme aus, dass fünf Prozent der Kundschaft des bei Steinach geplanten Möbelhauses Höffner vom Auto auf die S-Bahn umsteigen werden. Für den Schwenk schöngerechnet würden aber auch die Zustiegszahlen an den verschiedenen Stationen.

Dreistes Manöver

Der Vorstoß der Bahn kommt freilich nicht von ungefähr. Noch im August muss die Bundesregierung nämlich zur einstimmigen Empfehlung des Petitionsausschusses Stellung nehmen. Dieser hatte sich – wie berichtet – für eine Berücksichtigung der Fürther Forderungen ausgesprochen. Dies nicht zuletzt deshalb, weil sie von Politikern aller Parteien getragen wird. Für ziemlich dreist hält nicht nur die Fürther SPD-Bundestagsabgeordnete Marlene Rupprecht das Bahn-Manöver. Auch Oberbürgermeister Thomas Jung versteht es nicht, dass die Bahn an einer „volkswirtschaftlich unsinnigen Linienführung“ aus den Zeiten des längst wieder verworfenen gemeinsamen Gewerbeparks der Nachbarstädte im Knoblauchsland festhält.

Die neuen Angaben stünden zudem im Widerspruch zur bisherigen Beteuerung der Bahn, es sei ihr egal, welche Strecke sie baue. Der gesunde Menschenverstand spricht, so Jung, jedenfalls für die kürzere Strecke an der Bestandstrasse. Was Fürths Oberbürgermeister zuversichtlich stimmt, ist seine Erkenntnis, dass die Bahn mit ihren Argumenten für den Schwenk angesichts der massiven Proteste seitens der Politik zunehmend auf verlorenem Posten steht. Das will Marlene Rupprecht dem Unternehmen auch schriftlich vorhalten. 



VON VOLKER DITTMAR

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