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Nein, das war kein Hilferuf, sagt Nina Weimann-Sandig über die Erhöhung der Mitgliedsbeiträge. Die Vorsitzende des TV Fürth 1860 spricht lieber von einem „Befreiungsschlag“, denn das Geld, das diese unpopuläre Maßnahme in die Kassen spült, soll die „60er“ fit für die Zukunft machen. Die Zeit der Sorglosigkeit, so Weimann-Sandig, als der Quelle-Konzern den Abteilungen der Leichtathleten und der Fußballer kräftig unter die Arme griff, ist vorbei. Auch der mit 4800 Mitgliedern größte Sportverein der Stadt hat mit Problemen zu kämpfen. Laut Weimann-Sandig hat das viele Ursachen.
So gebe es aufgrund „moderner Lebensbiografien“ kaum noch Menschen, die einem Verein von der Kindheit bis ins hohe Alter treu bleiben. Zudem wolle sich kaum noch jemand langfristig binden: Während das Angebot mit Kursen blüht, die nur über ein paar Monate gehen, müssen die einzelnen Abteilungen mit Mitgliederschwund leben. Überdenken müsste man nach ihren Worten auch, dass die Vereine inzwischen einen großen Teil ihrer Einnahmen an die Fachverbände abzuführen haben. Das, sagt sie, „ist untragbar“.
Zu schaffen machten den Vereinen außerdem die eigenen Gebäude. So stammen die Turn- und die Tennishalle der „60er“ aus einer Zeit, als man sich über die Energiepreise noch keine Gedanken machen brauchte. „Wir müssen dringend energetisch sanieren, um unsere Kosten zu reduzieren“, sagt sie. Während die Abteilungen inzwischen die Anweisung haben, in ihren Jahresrechnungen für eine schwarze Null zu sorgen, will der Gesamtverein mit den höheren Mitgliedsbeiträgen Rücklagen bilden, um wieder „kreditwürdig“ zu werden.
Andernorts existieren ähnliche Probleme. Die Sportstätten von TV und Tuspo Roßtal sind zum Teil überaltert und nicht mehr zeitgemäß, eine Sanierung würde viel Geld kosten. Wie berichtet, haben sich Vereine und Stadt auf Folgendes verständigt: Die heutigen Sportgelände im Innenort werden in Bauland umgewandelt. Auf diese Weise will man den Bau moderner Sportstätten an der Buchschwabacher Straße finanzieren, die beide Vereine nutzen werden. Ein Zusammenschluss von TV und Tuspo ist für die Zukunft nicht undenkbar.
Eine solche Fusion haben der MTV Fürth und der TV Stadeln bereits hinter sich. Ihre finanziellen Probleme wurden sie als MTV Stadeln aber nicht los. Der neue Vorstand um Tom Strobel hat bereits im Herbst einen harten Sparkurs angekündigt. Jede Ausgabe müsse gründlich hinterfragt werden, hieß es. Zudem müssen die einzelnen Abteilungen die Kosten für die Übungsleiter selber tragen. Der ebenfalls angeschlagene SV Poppenreuth geht seinen eigenen Weg in der Krise: Er gibt seine angejahrte Kegelbahn auf, um an ihrer Stelle eine staatlich bezuschusste Krippe zu errichten. Mit den Mieteinnahmen will man die eigenen Anlagen in Schuss halten.
Zum Teil trennen sich Vereine auch vom Tafelsilber, sprich von Grundstücken, um zu überleben oder um in die Zukunft zu investieren. So finanziert der ASV Fürth seinen neuen Kunstrasenplatz nicht nur über Ideen wie eine Patenschaft für Rasenparzellen, sondern aus dem Verkaufserlös des Grundstücks an der Heilstättenstraße.
Für den TV Fürth 1860 kommt der Verkauf von Grund und Boden nicht in Frage, obwohl Turn- und Tennishalle in „drei bis fünf“ Jahren generalüberholt werden sollen – vom Dach über die Fenster bis zur Fassade. Nina Weimann-Sandig sieht den TV inzwischen auf einem guten Weg. Wenn man diesen nicht verlasse, werde der Verein auf „hohem Niveau“ weiter leben. Eine Sorge sind die „60er“ schon mal los: Für die Vereinsgaststätte hat sich nach über einem Jahr Leerstand ein neuer Pächter gefunden. Eröffnung ist Mitte Februar.




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