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Gabriele Köpplinger wählt die Worte mit Bedacht. Man merkt, dass die Bezirksrätin aus Fürth, die den Behindertenrat im Jahr 2008 mit aus der Taufe gehoben hat, niemandem auf die Füße treten will. Welche Probleme hatte sie mit dem Vorsitzenden Lothar Wüstner?
Köpplinger zögert kurz. „Herr Wüstner ist kein ganz einfacher Mensch“, sagt sie dann, fügt aber hinzu, dass seine Verdienste unbestritten sind. Es ist eine Aussage, die man immer wieder hört, stellt man die Frage, warum der Behindertenrat der Stadt auseinandergebrochen ist. „Herr Wüstner hat viel erreicht, aber auch viel Erde verbrannt“, sagt beispielsweise Klaus Nachtmann, sein ehemaliger Stellvertreter, der sich schon vor einiger Zeit aus dem Rat zurückgezogen hat.
Zwölf gewählte Mitglieder traten im Herbst 2008 an, um die Interessen von Menschen mit Behinderung in Fürth zu vertreten. Nach und nach bröckelte diese Zahl. Zwar seien beileibe nicht alle Austritte an der Person Wüstner festzumachen, „das Gros aber schon“, sagt Harald Ettl. Die „Art und Weise wie mit Gleichgesinnten aber auch der Stadtverwaltung umgegangen wurde“, habe einigen ungut aufgestoßen. Ettl und die Fürther VdK-Geschäftsführerin Agathe Krämer reichten vor wenigen Tagen als letzte verbliebene Mitglieder ihren Rücktritt ein. Weil das Gremium zur Beschlussunfähigkeit geschrumpft war, hatten sie den Vorsitzenden noch zu vorgezogenen Neuwahlen bewegen wollen — ohne Erfolg.
In einer schriftlichen Stellungnahme verteidigt Wüstner seinen Kurs der vergangenen Jahre: „Wer etwas erreichen möchte, hat nicht nur Freunde, sondern auch viele Neider und Feinde. Anecken gehört dazu.“ Dem Rathaus und den Menschen der Stadt bescheinigt er, noch nicht bereit zu sein für Themen wie „Barrierefreiheit“.
Zudem betont er, dass „viele der sichtbaren Erfolge“ im Stadtgebiet vor allem auf ihn und sein ehrenamtliches Engagement zurückzuführen seien, das „nicht selten mehr als einer 40-Stunden-Woche“ bedurfte. Eine Aussage, die unwidersprochen bleiben dürfte. Dennoch ist der Behindertenrat nach nur drei Jahren – vorläufig – am Ende.
Dabei sei das Gremium „außerordentlich wichtig“, wie Gabriele Köpplinger sagt. Noch immer seien viele Gebäude und der öffentliche Raum nicht behindertengerecht. Die Zahl der Menschen mit Handicap aber wachse, nicht zuletzt weil die Bevölkerung immer älter wird. „Diese Menschen brauchen Fürsprecher“, betont Köpplinger.
Ob ein Neustart denn auch mit Lothar Wüstner denkbar wäre, will Köpplinger nicht beantworten, wohl aber das Ex-Mitglied Harald Ettl. „Das Gremium könnte sich glücklich schätzen, wenn Herr Wüstner weitermacht“, sagt er. „Aber nicht als Vorsitzender.“ Dafür, so Ettl, sei schon zu viel Porzellan zerschlagen worden.



