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Sepps glücklicher Clan

In Buchschwabach lebt eine Herde Hochlandrinder - 27.08. 08:00 Uhr

BUCHSCHWABACH  - Rinder sind im Landkreis eigentlich kein Anblick, der Spaziergänger anlockt, Kinder begeistert und Ausrufe wie „sehen die aber süß aus“ provoziert — von einer Ausnahme abgesehen. Die schottischen Hochlandrinder von Martin Kreß in Buchschwabach fallen auf und das nicht nur, weil angefangen bei Leitbulle Sepp bis zu den Kälbern alle Tiere die Welt rund um ihre Weide durch verwegene Ponysträhnen betrachten.


Leitbulle Sepp und sein  Clan nehmen die Bewunderung der Spaziergänger gelassen. Sein Blick durch die langen verwuschelten Ponyfransen bleibt stoisch —  und scheint allenfalls noch eine Spur zufriedener zu werden.
Leitbulle Sepp und sein Clan nehmen die Bewunderung der Spaziergänger gelassen. Sein Blick durch die langen verwuschelten Ponyfransen bleibt stoisch — und scheint allenfalls noch eine Spur zufriedener zu werden.
Foto: Hans-Joachim Winckler

„Andere schauen auf ihr Aquarium, ich seh’ auf die Herde.“ Für Martin Kreß ist der Anblick der Rinder mit ihrem zotteligen Fell, das in der Farbe alten Cognacs schimmert, „einfach beruhigend“. Die Beziehung zu den Tieren, sagt der 56-Jährige, sei ihm wichtig, sehr wichtig.

Vor mehr als zwanzig Jahren machte ihn ein Freund auf die urwüchsigen Viecher aufmerksam und meinte: „Die wären was für dich.“ Der Mann hatte Recht. Seither leben die robusten Vertreter der alten Haustierrasse, die hierzulande als schottische Hochlandrinder bekannt sind, aber auch Highland Cattle oder Kyloe genannt werden, auf der knapp fünf Hektar großen Weide bei der alten Buchschwabacher Mühle, in der Kreß mit seiner Frau Barbara wohnt und eine Galerie führt.

Gemächlich setzt sich Leitbulle Sepp in Bewegung. Hektik ist dem 17-jährigen Chef der Herde augenscheinlich fremd. Für das mächtige Tier mit den imposanten Hörnern gibt es nur einen, der auf der Weide mehr zu sagen hat — Martin Kreß: „Ich bin für ihn das Alphatier. Da muss auch Sepp parieren.“ Natürlich sei die Beziehung zu den Rindern nicht so wie zu einem Haustier. Und doch, „man ist Bestandteil der Herde“, sagt der Buchschwabacher, der in der Mühle aufwuchs und selbst noch das Handwerk des Müllers gelernt hat. Später studierte er Verfahrenstechnik, schulte dann um und ist heute in Nürnberg in der Druckformenherstellung tätig.

Mittlerweile hat Rambo nachdrücklich die Aufmerksamkeit seines Halters eingefordert. Der Bulle ist Kreß ans Herz gewachsen: „Den kann ich nicht schlachten, der ist so anhänglich.“ Die Zuneigung beruht sichtlich auf Gegenseitigkeit. Rambo verlor als Kalb die Mutter, kein Zweifel, wer sich um ihn kümmerte.

Pflegeleichte Herde

Auf der Weide leben 19 Rinder, vier davon sind Kälber. Die Tiere sind denkbar pflegeleicht. In den Stall wollen und dürfen sie gar nicht. Ihr dickes Fell, das sie vor Wind und Wetter schützt, würde ausgehen, müssten sie unter einem Dach hausen. Unproblematisch, erklärt Kreß, gestalten sich auch die Geburten. Die Kühe erledigen das völlig selbstständig. Schwieriger ist es, wenn geimpft, Blut untersucht oder die Ohrmarke gesetzt werden muss. Das lassen sich die Tiere nicht ohne Widerstand gefallen.

Was die Rinder ansonsten brauchen, ist „Auslauf, Luft und Heu“. Emma würde vielleicht auf diese kurze Liste noch den Kratzstock setzen, an dem sie sich gerade genüsslich scheuert. Die meisten der Rinder haben Namen. Da gibt es Kerstin, Grace und Kelly. Und ab und an muss eine von ihnen dran glauben. „Dann bin ich nicht froh und denke hocherfreut, au fein, gleich gibt’s gutes Rindfleisch“, macht Kreß klar. Und doch gehört die Schlachtung für ihn zu einer natürlichen Kette: „Die Rinder kommen zur Welt und irgendwann geht’s ans Ende, das hat die Natur so gegeben — ich denke, die Tiere sind mir nicht bös’.“

Was ihn ärgert, ist die weit verbreitete Ignoranz der Tatsache, dass vor dem Fleischgenuss die Schlachtung steht. Dass viele Menschen bedenkenlos anonyme Schnitzel aus der Kühltheke im Supermarkt kaufen, aber pikiert reagieren, wenn sie hören, dass er Tiere schlachtet, die er gekannt und gestreichelt hat, will Kreß nicht einleuchten.

Den Kälbern, die herumspringen, während die Abendsonne durch die Eichen an der Weide scheint, sind solche Ahnungen noch fremd. Und nicht nur die gut gelaunten Jungen sind es, die Kreß’ Herde zu einem Anziehungspunkt für viele Spaziergänger machen: „Die sind vor allem am Wochenende die Attraktion. Wenn die Tiere eine Frau mit Kinderwagen sehen, rennen sie schon hin und warten auf altes Brot.“ Kreß ist es recht, er achtet nur sorgfältig darauf, dass die Leckerbissen nicht verschimmelt sind.

Die Rinder vom fernen schottischen Hochland ziehen sogar Kinder von den Bauernhöfen aus der Umgebung an. „Die könnten doch zu Hause Kühe gucken, wenn sie wollten“, wundert sich der Herr der Herde. Sepp überblickt seinen glücklichen Clan und nimmt die Bewunderung gelassen entgegen. Sein Blick durch die langen verwuschelten Ponyfransen bleibt stoisch – und scheint allenfalls noch eine Spur zufriedener zu werden. 





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