Donnerstag, 21.03.2019

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So lange dürfen Kinder an Tablet, Smartphone und Co.

Interview mit einem Fürther Experten: Wie Eltern Medienerziehung gelingt - 13.11.2017 06:00 Uhr

Smartphone und Tablet sind allgegenwärtig im Familienalltag: Doch wie findet man das richtige Maß bereits für die Kleinsten? Der Fürther Experte Klaus Lutz rät zu flexiblen Lösungen.


Wichtig ist die Qualität: Medienfachberater Klaus Lutz. © F.: hjw


Fürther Nachrichten: Schon viele Kleinkinder wissen, wie man sich am Smartphone durch Fotos wischt oder wie man ein Video startet. Finden Sie das bedenklich?

Klaus Lutz: Nicht, wenn die Beschäftigung mit dem Handy in einem gesunden Maß bleibt. Das Smartphone gehört nun mal zum Alltag der Familie. Die Mama, die Tante, die Oma benutzt das Ding. Ist doch klar, dass das ein spannender Gegenstand ist – der Telefonhörer war früher auch interessant. Laut der Blikk-Studie bekommen 70 Prozent aller Kleinkinder das Handy von den Eltern.

FN: Wäre es dann sogar ein Nachteil, wenn man es ihnen nicht gibt?

Lutz: Nein, es schadet nicht, wenn sie mit dem Smartphone nichts zu tun haben, da geht nichts an Medienkompetenz verloren. Aber man darf es eben auch nicht so negativ sehen. Im Alter von Null bis drei Jahre lässt sich die Medienerziehung am leichtesten gestalten: Die Eltern können steuern, wie lang sie ihr Handy hergeben. Und was darauf angeschaut wird. 

FN: Eine Stunde am Tag – wäre das für ein dreijähriges Kind zu viel?

Lutz: Das ist eigentlich eine recht realistische Dauer. Es ist doch so: Manchmal hilft es einem einfach, dem Kind das Smartphone für zehn, 15 oder auch mal 30 Minuten zu geben: wenn man sich morgens anziehen muss, einkaufen geht, die Wäsche macht, mit dem Partner was zu klären hat...Eltern haben ja auch Dinge zu erledigen, sie sind ja nicht professionelle Erzieher, die dafür bezahlt werden, die Kinder ständig zu beschäftigen – manchmal reicht es auch, sie gut zu beaufsichtigen.

FN: Was verändert sich im Kindergartenalter?

Lutz: Ab drei Jahren fragt das Kind gezielter nach dem Smartphone und sagt zum Beispiel: Ich will die "Sendung mit der Maus" sehen. Es weint vielleicht, wenn es das Handy nicht bekommt – aber das muss man dann aushalten.

FN: Wie viel Medienzeit ist für Drei- bis Sechsjährige in Ordnung?

Lutz: Das ist schwierig zu sagen, weil es davon abhängt, was man sie anschauen lässt: die "Sendung mit der Maus" oder RTL-Videos? Die hohe Aufgabe ist es, zu entscheiden welche Inhalte man zeigt. Sie sollten kindgerecht und nicht ängstigend sein.

FN: Die Frage, wie viel Zeit mit Tablet, Smartphone oder Computer man erlauben sollte, wird nicht leichter, wenn die Kinder älter werden, oder?

Lutz: Ja, genau. Die Zeit darf nicht vernachlässigt werden – aber wichtiger als die Zeit ist in der Medienerziehung die Qualität des Angebots, also was angeschaut oder gespielt wird. Mit dem Eintritt in die Grundschule kommt ein Bildungsaspekt hinzu. Gut finde ich für Grundschüler zum Beispiel das Programm Antolin, das das Textverständnis fördert, das sehr gute Internetangebot der "Sendung mit der Maus" oder das Schachlernspiel Fritz & Fertig. Und wenn Kinder sich für Eisbären interessieren, kann man sich mit ihnen eine kindgerechte Doku anschauen, auch wenn die mal länger dauert. Wichtig ist, dass man die Kinder nicht allein lässt – damit sie nicht auf Seiten landen, die sie nicht verarbeiten können.

FN: Woran denken Sie?

Lutz: Wenn ein Siebenjähriger bei der Google-Suche "Schneewittchen" eingibt, kann es passieren, dass er auf Pornoseiten landet. Eltern sollten immer wieder mal schauen, was da läuft – sie sollten eine Art beobachtender Begleiter sein. Kindersuchmaschinen helfen dabei.

FN: Wenn sich ihr Kind für Computerspiele begeistert, sorgen sich viele Eltern. Welche Regelung empfehlen Sie da?

Lutz: Auch da ist es schwierig mit festen Regeln. Bei Kleinen kann man ganz gut mit einer Zeitbegrenzung arbeiten, aber Spiele für etwas ältere Kinder funktionieren nicht so, dass man sie in 15 Minuten sinnvoll spielen kann. Da ist es dann vielleicht besser, ihnen am Wochenende ausgedehnter Zeit dafür zu geben. Vielleicht lässt man sie am Samstag, wenn es in Strömen regnet, mal ’ne Stunde spielen, dafür bleibt das Tablet am Sonntag, wenn die Sonne scheint, aus. Die Regeln müssen da flexibel sein. Wichtig ist hier, dass Eltern sich auch dafür interessieren, was das Kind spielt und warum es ihm Spaß macht. Und dass sie auch Anerkennung äußern, für das Interesse und das Talent, das der Nachwuchs da zeigt – und nicht nur sagen: Du mit deinem doofen Computerspiel.

FN: Sind Computerspiele eher ein Thema für Eltern von Jungen?

Lutz: Ja, viele Jungs suchen den Wettkampf und lieben Superhelden, die niemand reinlegen kann. Oder Konstruktionsspiele, bei denen man Landschaften baut. Mädchen steigen da nicht so drauf ein. Wichtig ist in jedem Fall, dass es auch Leerlauf gibt – also das Tablet nicht ständig hervorgeholt wird, um Langeweile zu vertreiben. Langeweile ist wertvoll: Daraus entsteht ein Antrieb, was anzugehen.

Ein zweiter Teil des Interviews, dann zum Thema "Jugendliche und Medien", folgt in Kürze. Als Kindersuchmaschine empfiehlt Klaus Lutz fragfinn.de, und unter klicksafe.de finden Eltern Tipps für mehr Sicherheit im Netz. 

Interview: CLAUDIA ZIOB

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