Dienstag, 20.11.2018

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Spargelbauern verteidigen Folie auf Feldern

Zwei Landwirte reagieren auf Naturschützer-Kritik - 27.04.2018 16:00 Uhr

Der Ritzmannshofer Landwirt Siegfried Tiefel beim Spargelstechen auf weitgehend abgedecktem Acker. © Foto: Petra Fiedler


Von "Folienwahnsinn" spricht der Vorsitzende der Roßtaler Ortsgruppe des Bundes Naturschutz. Knut Schalldach hat die Bilder aus südeuropäischen Urlaubsregionen im Kopf, wo Plastikfolien bis zum Horizont die Felder bedecken. Inzwischen geht er auch mit gemischten Gefühlen über die heimische Flur: "Irgendwann reißen die Folien auf den Spargel- und Erdbeerpflanzungen, werden in Fetzen vom Wind über die Landschaft verstreut."

Dass Kunststoff sich nur zersetzt und nicht verrottet, ist für Schalldach das größte Problem. Er befürchtet, dass Plastikpartikel in Boden und Gewässern landen. Wehmütig denkt er an frühere Zeiten: "Da ging es doch auch ohne Kunststoff." Und deshalb wünschen sich er und die Mitglieder der Ortsgruppe den Verzicht oder zumindest einen umsichtigen Umgang mit den Folien: Im Winter sollten sie unter einem Dach lagern und, wenn sie ausgedient haben, sollten sie unbedingt fachkundig entsorgt werden.

Siegfried Tiefel aus Ritzmannshof und Thomas Peter aus Oberasbach sind seit über 20 Jahren im Spargel- und Erdbeergeschäft. Ihr Handwerk beherrschen sie und beide erklären unisono, warum aus ihrer Sicht Folien nötig sind: "Wir steuern damit die Temperatur." Der Spargel könne früher geerntet werden und weil man Temperaturschwankungen im Boden ausgleiche, habe das Einfluss auf die Qualität.

Siegfried Tiefel ist als Agraringenieur in den Beruf des Landwirts gegangen. Für ihn sprechen auch einige umweltrelevante Aspekte für die Folien: "Darunter wachsen weniger Unkräuter. Das bedeutet weniger Pflanzenschutzmittel." Zudem werde die Verdunstung reduziert und der Wasserhaushalt geschont. Und nicht zuletzt werde, weil der deutsche Spargel ausländische Ware verdränge, weniger importiert. Das wiederum bedeute weniger Lkw auf den Fernstraßen.

Die Spargelbauern aus Oberasbach und Ritzmannshof entsorgen ihre Folien nach einer Nutzungsdauer von sieben bis acht Jahren. Mit rund 5000 Euro je 10 000 Quadratmeter sind sie auch ein Kostenfaktor. "Schon allein deswegen gehen wir vorsichtig mit ihnen um", erklärt Tiefel. Die ausgedienten Folien werden ihm zufolge an allen zertifizierten Entsorgungsstellen entgegengenommen.

Kein Platz für Schwärmereien

Für nostalgische Schwärmereien, meint Thomas Peter, sei in der heutigen Produktion kein Platz mehr. Der Spargel würde etwa 20 bis 30 Prozent mehr kosten, wenn man, wie es ohne Folienhaube nötig wäre, zwei Mal am Tag stechen müsste. "Dafür habe ich weder die Leute, noch würde das am Ende der Verbraucher bezahlen."

Und was sagen die Spargelbauern zu der Sorge, dass die Folien unter Sonneneinstrahlung Inhaltsstoffe ausdünsten könnten, die der Gesundheit schaden? Entgegen mancher Berichte wisse man genau, aus was sich die Folien zusammensetzen. "Das sind geprüfte, lebensmittelechte Materialien", erklärt Thomas Peter.

Alles also im grünen Bereich? "Nur bedingt", sagt dazu Nikolaus Ehnis. Er ist der Pflanzenbauberater im Fürther Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten und überzeugt davon, dass Folien im Gemüse- und Obstanbau oder beim Silieren von Gras und Mais nötig sind. "Leider gibt es bei der Entsorgung schwarze Schafe", weiß er aus langjähriger Erfahrung.

Ehnis verweist aber auch auf den Privatmann: Die Vermüllung der Umwelt könne jeder sehen, der offenen Auges durch die Welt fährt oder geht. Er sei manchmal schockiert, was alles an Straßenrändern liegt.

In der Müllentsorgung sieht Siegfried Tiefel das Problem, das am schwersten wiegt. "Wir bräuchten einen Umweltminister, der klare Kante bei der Entsorgung zeigt." Die Ausfuhr von Müll gehöre verboten: "Die Entsorgungszertifikate, die wir bekommen, sind das Papier nicht wert, auf das sie gedruckt sind." Ein Land mit so hoch entwickelter Abfallbeseitigung dürfe, seiner Meinung nach, nichts im Ausland entsorgen.

Knut Schalldach vom BN bringt ein weiteres Argument. Könnte man nicht wenigstens Erdbeeren auf Stroh betten und ohne Folien wärmen? "Ganz im Gegenteil", erklärt Tiefel. Stroh halte die Bodenwärme ab und werde tatsächlich bereits vor allem für spätreifende Sorten verwendet, damit die nicht zu schnell heranwachsen. Außerdem diene Stroh dazu, die Früchte sauber zu halten – wie es die Verbraucher wollen. 

Petra Fiedler

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