19°

Dienstag, 22.05.2018

|

Spiegelfabrik Lang: Vorwürfe gegen Management

Mitarbeiter äußern Unverständnis über Entscheidungen der Geschäftsführung - 18.07.2012 09:00 Uhr

2009 vergrößerte sich die Spiegelfabrik Hans Lang in Fürth. Neben den Geschäftsführern Michael Lang (links) und Hermann Lang feierte auch der Seniorchef Heinrich Lang die Einweihung des Neubaus. © Hans-Joachim Winckler


Es sind sorgenvolle Tage für die Mitarbeiter der Spiegelfabrik Hans Lang. Völlig ungewiss ist, wie ihre Zukunft aussehen wird, nachdem die Geschäftsführung der Lang Unternehmensgruppe beschlossen hat, die Produktion in Fürth einzustellen. Am 31. März 2013 soll Schluss sein in der Fabrik in Stadeln — dem letzten Betrieb, der an Fürths lange Tradition als „Stadt der Spiegel“ erinnert.

Am Donnerstag, so Roland Nosko von der Gewerkschaft Berg, Chemie, Energie beginnen die Sozialplanverhandlungen. Sein Ziel sei es aber nach wie vor, „dass auch nach alternativen Arbeitsplätzen gesucht wird“. Alternative Arbeitsplätze zum Beispiel bei der Firma Mekra Lang, die wie die Spiegelfabrik Hans Lang zur Lang Unternehmensgruppe gehört und am Standort Ergersheim rund 950 Mitarbeiter beschäftigt. Allerdings, so Nosko, habe die Geschäftsführung noch „kein Signal“ in diese Richtung gegeben, „da sind wir bislang auf relativ taube Ohren gestoßen“.

Enttäuscht und teils wütend haben sich FN-Leser im Internet zum bevorstehenden Aus geäußert. Die Enttäuschung scheint umso größer zu sein, als die Lang Unternehmensgruppe in der Region als vorbildlicher Arbeitgeber gilt. Zu Unrecht, wie manche der Nutzer beklagen.

Für die Verantwortlichen — geführt wird die Unternehmensgruppe von den Enkeln der Firmengründer — ist es eine ungewöhnliche Situation: Sie sind es gewohnt, mit guten Nachrichten in der Zeitung zu stehen. Gerne präsentieren sie sich als Arbeitgeber mit sozialer Verantwortung, dem die Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Persönlichkeitsentwicklung der Mitarbeiter wichtig sind.

Für die positiven Schlagzeilen sorgte in jüngster Zeit vor allem die zur Unternehmensgruppe gehörende Firma Mekra Lang, die zum einen mit ihrem Erfolg beeindruckte (Weltmarktführer bei der Herstellung von Lkw-Spiegeln), zum anderen mit ihrem Engagement für die Mitarbeiter: Die gemeinnützige Frieda-Lang-Haus-gGmbH, eine Tochter von Mekra Lang, betreibt am Standort Ergersheim seit 2006 eine private Kindertagesstätte und seit Herbst 2009 eine private Grundschule nach der Pädagogik von Montessori. Von der Bertelsmann-Stiftung, der Metropolregion Nürnberg und dem Familienministerium wurde Mekra Lang im vergangenen Jahr als familienfreundliche Firma ausgezeichnet. Ihre Fürther Mitarbeiter unterstützte die Unternehmensgruppe, indem sie die Kosten für die Ferienbetreuung beim Bündnis für Familien übernahm.

Fürths Wirtschaftsreferent Horst Müller nannte Mekra Lang jüngst eine der Vorzeigefirmen der Region, auch wegen der Treue zu den Fürther Wurzeln. Unter den Mitarbeitern aber werden nun nach FN-Informationen Stimmen laut, die Kritik üben an der Geschäftsführung. Auf Unverständnis stößt angesichts der jetzigen Entwicklung eine Entscheidung, die die Unternehmensgruppe vor einigen Jahren traf. Bis dahin wurden in der Fürther Fabrik auch für Lkw Spiegelgläser geschnitten und geschliffen. Der Schwerpunkt änderte sich: Heute werden am Standort Fürth vor allem Spiegelgläser für Autos bearbeitet — ein Segment, das auf dem Weltmarkt zurzeit stark umkämpft ist. Vor allem die Konkurrenz in Asien kann günstigere Preise anbieten. Das Segment, „mit dem man Geld verdient“, habe man Fürth weggenommen, so die Kritik.

Auch dass die Unternehmerfamilie die technischen Probleme mit der millionenschweren Anlage, die im vergangenen Jahr angeschafft wurde, um die Fürther Produktion wieder wettbewerbsfähig zu machen, nicht in den Griff bekommt, sorgt für Unmut. An der Qualität der Mitarbeiter liege es nicht, dass diese Anlage nicht funktioniert, betont Nosko. Unter den Mitarbeitern wird von einer Fehlinvestition gesprochen. Auch Wirtschaftsreferent Horst Müller sprach gestern im Wirtschaftsausschuss von einem Ende, das „zum Teil“ aus der wirtschaftlichen Situation zu erklären sei.

  

CLAUDIA ZIOB

1

1 Kommentar

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth