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SpVgg Greuther Fürth: Campus statt Vereinsheim

Schwiewagner im FN-Interview: Pläne, Ziele, Überraschungen beim Kleeblatt - 04.06.2014 16:00 Uhr

Für das nächste Jahr ist der Ronhof noch unantastbar. © Grasser-Reitzner


- © Sportfoto Zink / MaMe


Herr Schwiewagner, einige Fans sehnen den 30. Juni herbei, an dem ihr geliebter Ronhof nicht mehr Trolli-Arena genannt wird. Wie heißt das Stadion denn am 1. Juli?

Holger Schwiewagner: Bis wir einen neuen Namenssponsor gefunden haben, werden wir vom Verein in offiziellen Mitteilungen vom „Stadion am Laubenweg“ sprechen.

 

Warum nicht „Sportpark Ronhof“?

Schwiewagner: Weil wir dadurch den Druck auf den nächsten Sponsor erhöhen würden. Vielleicht finden wir irgendwann eine Lösung, den „Sportpark“ in ein Sponsoring zu integrieren.

 

Die Sportfreunde Ronhof haben vor dem letzten Zweitligaspiel das Stadion symbolisch in „Sportpark Ronhof“ umgetauft. Wie hat man das von Vereinsseite empfunden?

Schwiewagner: Mich verwundert der Druck, der hier auf uns ausgeübt wird, und ich habe es zu diesem Zeitpunkt, während wir um den Aufstieg gespielt haben und auf Sponsorensuche sind, als unpassend empfunden. Die Sportfreunde sind eine ganz wichtige Vereinigung für den Verein und es ist klar, dass manchmal die Interessen auseinandergehen. Aber ein Verein wie die Spielvereinigung kann es sich nicht leisten, auf die Vermarktung des Stadionnamens zu verzichten, das ist auch den Sportfreunden bekannt. Der Vertrag mit der Firma Stechert hat uns da etwas den Druck genommen, aber nur, was den Zeitpunkt betrifft.

 

Die Wunschlösung von Vereinspräsident Helmut Hack wäre ein Unternehmen aus der Region. Wollen nach der Erstligasaison und dem erneuten Aufstiegsrennen mehr hiesige Unternehmen bei der Spielvereinigung werben?

Schwiewagner: Der Mittelstand in der Stadt und der Region hätte eigentlich viel zu bieten, aber wir staunen immer wieder, dass sich viele noch nicht mit der Spielvereinigung befasst haben. Im vielgelobten Fürther Mittelstand hat der eine oder andere noch nicht verstanden, welchen Stellenwert der Verein in der Region hat. Es verwundert mich, dass wir sogar in der Stadt immer noch um Anerkennung kämpfen müssen, nach dem Motto: Die müssen froh sein, dass wir ihnen überhaupt Geld geben.

Überregional nimmt man den Verein anders wahr?

Schwiewagner: Ja, erst vor wenigen Tagen ist eine Druckerei aus Neustadt an der Saale hinzugekommen, und die Volkswagen AG hat ihr Engagement um vier Jahre verlängert.

 

Wie funktioniert das Sponsoring?

Schwiewagner: Wir haben die Anzahl der Sponsoren in den vergangenen fünf Jahren von 100 auf 250 erhöht. Das beginnt bei Anzeigenkunden im Stadionheft ab 2000 Euro, geht weiter über Exklusivpartner, die jährlich einen sechsstelligen Betrag zahlen, und einen mittleren Millionenbetrag überweist unser Trikot- und Hauptsponsor Ergo Direkt, der noch bis 2018 Vertrag hat. Nicht selten läuft es so, dass Sponsoren andere Firmen ins Stadion einladen und die daraufhin auch bei uns einsteigen wollen. Das ist das Ergebnis unserer Strategie, vom reinen Mäzenatentum wegzugehen. Wir wollen nicht nur Bandenwerbung verkaufen, wir wollen Partnerschaft statt Kundschaft, wie zuletzt im Fall Stechert.

 

Die Stechert-Gruppe aus Wilhermsdorf hat ihren Sponsoringvertrag um sieben Jahre verlängert. Was ist das Besondere daran?

Schwiewagner: Wir haben ein ganz besonderes Vermarktungskonzept gewählt. Die Sitze und Stühle sind im ganzen Stadion zu finden, auf der Tribüne genauso wie im Vip-Bereich, der zum „Stechert Business- und Tagungszentrum“ wurde. Das Stadion ist jetzt ein Showroom für die Produkte der Firma. Solche Ideen können wir umsetzen, weil wir so etwas selbst machen und nicht an einen Vermarkter gebunden sind.

 

Aus Neubauträumen wurden schließlich die Umbaupläne des Ronhofs, doch auch um die ist es zuletzt still geworden. Wann geht es los?

Schwiewagner: In diesem Jahr wird der Umbau des Ronhofs nicht mehr in Angriff genommen, die Planungen laufen aber auf Hochtouren, es gibt nur noch keinen Zeitplan. Die Haupttribüne ist so alt, dass wir sie regelmäßig Sicherungs- und Prüfungsmaßnahmen unterziehen müssen (Baujahr 1951, d. Red.).

 

Ende Mai lief der Pachtvertrag mit der Gaststätte „Zum Seeacker“ am Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) aus. Was passiert jetzt?

Schwiewagner: Der Gebäudeteil, in dem die Gaststätte war, wird abgerissen, die Halle und die jetzigen Büros des Nachwuchsleistungszentrums bleiben stehen. Wir verwirklichen am NLZ noch diesen Sommer für rund drei Millionen Euro ein zukunftsweisendes Projekt: unseren Kleeblatt-Campus. Wir tauschen den zehn Jahre alten Kunstrasenbelag aus, erneuern die bestehende Infrastruktur und bauen einen Campus. Das wird unsere neue Heimat. Die Büros der Geschäftsstelle am Stadion werden umgesetzt zum jetzigen Internat an der Kronacher Straße. Dort entstehen zwei Verwaltungs- und ein Funktionsgebäude. Auch an ein gastronomisches Angebot haben wir gedacht, künftig wird es eine „Kleeblatt Stub’n“ geben.

 

Das Trainingszentrum wurde im vergangenen Herbst aus Transfers und Fernsehgeldern aus dem Erstligajahr finanziert. Womit bezahlt der Verein den Campus?

Schwiewagner: Mit einer langfristigen Finanzierung, das erschien uns bei der momentanen Zinslage am sinnvollsten. Unsere Bauvorhaben werden aber keinerlei Engpässe im laufenden Geschäftsbetrieb erzeugen, auch auf die Mannschaft haben sie keinen Einfluss. Das eine darf mit dem anderen keine Abhängigkeit eingehen.

 

Ist ein Campus nicht eine Wohnanlage für Studenten?

Schwiewagner: Nachdem man bei uns nun auch studieren kann, passt das ja. Mit der Möglichkeit, am „Kleeblatt Campus“ Aus- und Weiterbildung wahrzunehmen, untermauern wir einmal mehr unsere Philosophie des Ausbildungsvereins. Nicht nur auf dem Platz, sondern auch neben dem Rasen. Wir sind damit Vorreiter, denn als erster Bundesligist haben wir einen privaten Hochschulcampus, mit allerhöchsten wissenschaftlichen Standards, bei maximaler Praxisnähe. Neben hochinteressanten Dozenten bieten wir gemeinsam mit unseren Partnern auch einen staatlich anerkannten Bachelor-Abschluss. Außerdem gibt es Weiterbildungen und für die Zukunft sind auch Master-Studiengänge geplant.

Transfergerüchte lesen Sie im überregionalen Sportteil der FN, eine Vorstellung des Fernstudiengangs bei der SpVgg Greuther Fürth im Metropolregion-Teil. 

Interview: Martin Schano

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