Montag, 17.12.2018

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Stadtbücherei Stein bietet seit 50 Jahren Lesefutter

Bibliothek ist gefragt: Stolz auf 46.000 Ausleihen pro Jahr - 12.10.2018 06:00 Uhr

Andrea Trommer (li.) und Claudia Crooms von der Steiner Bücherei beraten Leser gern. Sei es die Urlaubslektüre oder ein Ratgeber, sie müssen nur ins Regal greifen. © Foto: Hans Winckler


Frau Trommer, Sie haben im schönen Fachwerkhaus in der Mühlstraße eine traumhafte Anlaufstelle für Lesefreunde. Wie hat sich die Bücherei in den vergangenen fünf Jahrzehnten entwickelt?

Andrea Trommer: Ich erinnere mich noch an den Standort in der Alexanderstraße, dort bin ich als Kind hin, um Bücher auszuleihen. 1968 war die Bücherei im alten Rathaus untergebracht. Im ehemaligen Sitzungssaal war Platz für 1200 Bücher. Nicht einmal ein Telefon hatten die Mitarbeiter damals. Als immer mehr Nutzer hinzukamen, ist sie 1994 umgezogen.

Mehr als 1200 Bücher sind es heute bestimmt auch. Lassen Sie doch mal Zahlen sprechen.

Trommer: Unsere Nutzer können aus 20.000 Medien auswählen. Wir haben 1100 Leserinnen und Leser und mit 46.000 Ausleihen pro Jahr liegen wir im guten Mittelfeld der Büchereien vergleichbarer Größe. Besonders freut uns, dass wir bei den Ausleihen in den vergangenen zwei bis drei Jahren zugelegt haben. Das ist nicht selbstverständlich.

Sie sprachen von Medien, die Sie anbieten. Was gibt es außer dem klassischen Buch noch?

Trommer: Unser Angebot umfasst Hörbücher, DVDs, CDs, Wii-Spiele und Zeitschriften.

Was ist besonders beliebt?

Trommer: Kinder- und Jugendbücher, gefolgt von Romanen, aber auch Zeitschriften gehen gut.

Lesefaulheit wird vor allem Kinder und Jugendlichen unterstellt. Können Sie das bestätigen?

Trommer: Nein, überhaupt nicht. Bei unserem Sommerferienleseclub, der jedes Jahr während des Augusts angeboten wird, waren immerhin 97 Kinder dabei, die gemeinsam über 1100 Bücher in acht Wochen gelesen und bewertet haben.

Bücherkisten und Grundschulen

Was tun Sie, damit die Leselust bei Kindern groß bleibt?

Trommer: Wir fangen schon sehr früh an. Beliebt ist unsere Vorlesestunde, bei der meine Kolleginnen Claudia Crooms, Stephanie Uebelhack und ich abwechselnd vorlesen. Außerdem arbeiten wir mit der Grundschule zusammen. Manche Lehrerinnen kommen regelmäßig mit ihrer Klasse bei uns vorbei und die Schüler und Schülerinnen entleihen ganz nach ihren Interessen. Außerdem stellen wir für Klassen oder Kindergartengruppen Bücherkisten zu bestimmten Themen zusammen. Dann haben die Kinder die Möglichkeit, sich eigenständig passende Lektüre zu suchen. Für die Kleinsten bieten wir außerdem Tonie an.

Was ist Tonie?

Trommer: Tonie ist eine Hörbox. Eine kleine Figur wird auf die Box gesetzt, sie erzählt dann die Geschichte. Wir haben die Figuren zum Entleihen, die Box haben viele Eltern selbst angeschafft. Im Prinzip funktioniert das wie der gute alte Kassettenrekorder.

Können Sie auch die Lesefreunde befriedigen, die gespannt auf den allerneuesten Bestseller warten?

Trommer: Oh ja, bei einer Neuerscheinung besorgen wir gleich mehrere Exemplare. Renner sind derzeit bei den Jugendlichen Gregs Tagebücher und bei den Erwachsenen die Clifton Saga von Jeffrey Archer. Mit einem Budget von 21.000 Euro pro Jahr kommen wir ganz gut hin.

Ist auch Ihre Beratung gefragt?

Trommer: Aber natürlich. Wir machen das gern, wir wollen individuell auf unsere Nutzer eingehen. Beispielsweise unsere älteren Bürgern, die nicht mehr so gut sehen, denen empfehlen wir gerne Hörbücher. Wir verstehen die Bücherei als einen Ort des Verweilens ohne Kommerz, aber auch als eine Begegnungsstätte der Generationen, um miteinander ins Gespräch zu kommen.

Die Bücherei Stein ist auch bei der E-Ausleihe dabei. Wird das gut angenommen?

Trommer: Ja, 10.000 digitale Medien können die Leser herunterladen. Wir haben Nutzer, die leihen sich das klassische Buch für zu Hause aus, für den Urlaub nutzen sie die Onleihe.

Ihnen steht das Jubiläumswochenende bevor. Das ist auch einiges für die Büchereifreunde dabei.

Trommer: Außer dem Empfang am Sonntag, 21. Oktober, gibt es drei Veranstaltungen. Doch zwei sind schon ausverkauft, nur für das Kindertheater am Freitag, 19. Oktober, gibt es noch Restkarten. Uns freut es, dass unsere Veranstaltungen im Jahresverlauf so gut ankommen. Die meisten sind ruck, zuck ausverkauft. 

Interview: Beate Dietz E-Mail

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