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Starke Stücke, starke Akzente

Das Steiner Kammerorchester zeigte zum Jubiläum Mut bei der Programmauswahl - 28.05.2014 16:05 Uhr

Chefdirigent Kartmut Kawohl (li.) gratuliert seinem ehemaligen Schüler, Trompetensolist Jörge Becker - der spielt aktuell beim RSO Stuttgart. © Joachim Sobczyk


Concertgebouw-Orkest, Wiener Philharmoniker, BR-Symphonieorchester – diese Rolls-Royces des Musikbetriebs, in ihrer Perfektion allgegenwärtig im Radio und durch „ultimative“ CD-Aufnahmen, lassen leicht den Blick für die Leistung verlieren, die unzählige Laienorchester und ihre Dirigenten mit oft sehr begrenzten finanziellen und personellen Mitteln vollbringen. Das Steiner Kammerorchester ist einer dieser Klangkörper.

Seit 25 Jahren bereichert es das kulturelle Leben der Faberstadt. Das Jubiläumskonzert in der fast gleichaltrigen Paul-Gerhardt-Kirche stand unter dem Titel „Starke Stücke“ und setzte mit Rossinis Ouvertüre zum „Barbier von Sevilla“ gleich zu Beginn einen starken Akzent. Perfektion hat das Ensemble unter Hartmut Kawohl nicht zu bieten; das merkt man immer wieder, wenn das Ganze ein wenig zerfleddert, Ton oder Tempo unsauber genommen werden. Doch im Vergleich mit manch anderem Laienorchester gleicht es kleine Schwächen durch viele positive Spieleigenschaften aus. Starke Dynamik, viele klangschön geführte Instrumente und ein Sinn für Timing sorgen dafür, dass ein mächtiger, vielschichtiger Klang entsteht, dem sehr kontrolliert zarte Passagen entgegengesetzt werden. In Johann Nepomuk Hummels Trompetenkonzert in E-Dur begibt sich das Orchester in ein Gespräch mit dem Solisten (Jörge Becker), dessen Stimme mal über den Streichern schwebt, dann wieder entschieden das Wort an sich reißt, um dann im Allegro, das dem gedeckten Andante folgt, triumphierend alle Register zu ziehen.

Eine mutige Programmentscheidung war das „Adagio for Strings“ von Samuel Barber, dessen dunkle Klangwelt große Präzision und Schönklang erfordert, um seine hypnotische Wirkung zu entfalten. Der Mut zahlte sich aus, es gelang eine zu Herzen gehende, sehr intensive Interpretation. Zum Abschluss Mozarts Sinfonie Nr. 40: Ein schönes Andante, dessen stille Passagen etwas Ländlich-Friedliches ausstrahlten, ein sehr forsches Menuett, gespielt mit einem Ernst, den es gar nicht unbedingt haben muss, der sich aber gut machte und in der Mitte von einem innigen, träumerischen Trio kontrastiert wurde. Viel Beifall. 

SIGRUN ARENZ

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