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Starker Soundtrack zum Wahlergebnis

Der niederländische Bluesrock-Gitarrist und -Sänger Julian Sas drehte in der Kofferfabrik auf - 19.03.2017 12:00 Uhr

Rory Gallagher und Black Sabbath sind seine Idole: Julian Sas und Band machten sich in Fürth mit enormer Spielfreude ans Werk. © Foto: Markus Kohler


Ein Akkord, ein Dauerton. Orgel und Bass verharren auf einem Mollakkord, als wär’s für alle Ewigkeit, die Gitarre stimmt sich erst mal durch die Saiten. Gleich geht’s los. Das ist das Anlassergeräusch von Deep Purples "Speed King". Doch statt dem erwarteten Rocker folgt nun ein ganz anderes Riff. Und das hört sich an wie. . .ja, das ist doch "Nativity in Black" von Black Sabbath. Aber eben nur das Riff. Die Melodie, die Julian Sas nun anstimmt, stammt wieder von woanders her, oder vielleicht ist es auch ein Eigengewächs.

Dabei erweckt die Julian Sas Band nicht den Eindruck von Musterschülern, die ihre alten Meister studiert, sondern den altgedienter Rocker, die sich alles selbst erarbeitet haben. Der Beneden-Leeuwener Sas selbst ähnelt in Haar- und Leibesfülle dem guten alten Leslie West in seinen besten Tagen. Und sogar seine Stimme, die eher gurgelt und presst als artikuliert, kommt dem alten Mountain-Frontmann recht nahe.

Doch Sas’ Rockblues und Boogie klingt denn doch eher europäisch gefiltert als in amerikanischer Manier dargeboten. Auf jeden Fall dominieren im Quartett ungeheure Spielfreude, Witz und Lust an der Sache, unterstützt von Roland Bakkers pausenlos grölender Schweineorgel mit rotierenden Lautsprechern, und gewürzt mit einem Basssolo, das sich ähnlich vertrackt anhört wie der Name seines Virtuosen, der da lautet Fotis Anagnostou.

Wer sich also einmal wieder so richtig von einer Bluesrockwalze überfahren lassen wollte, und zwar in epischer Manier mit nicht enden wollenden Instrumentalnummern, wurde an diesem Abend nach allen Regeln der Kunst wie ein akustischer Pfannkuchen platt gemacht. Und Julian Sas ließ es sich nicht nehmen, das Wahlergebnis in seiner Heimat, das dem Populimus eine deutliche Abfuhr erteilt hat, gebührend zu würdigen. Long live Rock’n’Roll!  

REINHARD KALB

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