Dienstag, 20.11.2018

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Startschuss für Roßtals Sportmeile

Zwei Vereine tun sich für ein Sportzentrum zusammen - 09.09.2018 16:00 Uhr

Die Ausgangsbasis

Der Blick vom Großfeld mit Kunstrasen über das zentrale Spielfeld zum Hallenkomplex, an dem vorbei die Sportler und Besucher auf das weitläufige Trainingsgelände gelangen. Das Kunstrasenfeld wird sehnlichst erwartet, es ist im Gegensatz zu den beiden anderen Fußballfeldern ganzjährig bespielbar. © Ralf Rödel


2011 wird Herbert Erdorf, Vorsitzender des TV Roßtal, beim BLSV in München zwecks Förderung einer neuen Halle vorstellig, weil die Jahnturnhalle aktuellen Anforderungen bei Weitem nicht mehr genügt. Auch dem zweiten großen Verein am Ort, dem Tuspo wird es zu eng am eigenen Gelände. Doch der BLSV macht den Vereinsspitzen klar: Zwei Einzelprojekte — den lang ersehnten dritten Platz für die Fußballer vom Tuspo und eine neue Halle für Turner und Handballer im TVR würde er keinesfalls fördern. Zukunftsfähig wäre allenfalls eine Gesamtlösung, die die "sportliche Unterversorgung" Roßtals beseitigt. So ist auch die Marktgemeinde in die Pflicht genommen. Hinter den Kulissen beginnen erste Gespräche.

Das Konzept

Was Herbert Erdorf und Jochen Peipp aus heutiger Sicht in punkto Sportmeile anders machen würden? Ihre Antwort: „Nichts.“ © Ralf Rödel


2013 steht ein Plan für eine Gesamtlösung: Beide Vereine trainieren auf Liegenschaften in ihrem Besitz. Die überlassen sie der Gemeinde für eine spätere Wohnbebauung. Der Verkaufserlös fließt in ein neu entstehendes Sportzentrum, für dessen Bau sich die Vereine in einer GbR zusammentun. Mit der Marktgemeinde schließen sie einen Kooperationsvertrag, in dem sie sich verpflichten, die Breitensportversorgung der Bevölkerung zu garantieren. Im Gegenzug stellt die Gemeinde sechs Hektar an der Buchschwabacher Straße in Erbpacht zur Verfügung. Die Jahrespacht ist noch nicht final ausgehandelt, sie wird sich im unteren fünfstelligen Bereich bewegen. Alles, was auf dem Areal entsteht, wird den Vereinen gehören.

Die Finanzierung

Am Start der Planungen 2012 stand die Summe von 9,4 Millionen Euro, "Nur damals wollten wir schon 2016 fertig sein", so Erdorf. Mittlerweile stehen die Baukosten bei zehn Millionen. "Die Kostenmehrung haben wir nicht selbst verschuldet", betont Erdorf. Er führt sie zurück auf die lange Genehmigungsphase — Bebauungsplan und Flächennutzungsplan mussten geändert und eine Vielzahl an Einwänden abgearbeitet werden — und der damit einhergehenden Teuerung sowie auf zusätzliche Auflagen etwa für Ausgleichsfläche oder Löschwasserzisterne, die seitens des Brandschutzes für unerlässlich erachtet wurde. Eine Million Euro Zuschuss gewährt der BLSV, plus der Erlös für die alten Gelände der beiden Vereine, bleibt eine Lücke von gut vier Millionen, die die Marktgemeinde trägt.

Allerdings betont Erdorf: "Nicht wir haben ein Kostenbudget entwickelt, sondern uns wurde ein Budget vorgegeben, das eine Stadtentwicklungsgesellschaft 2012 grob geschätzt hat und das wir einzuhalten hatten. Und keiner hat es für möglich gehalten, dass wir für dieses Geld drei Hallen, drei Fußballfelder und eine Gaststätte mit Kegelbahn bekommen." Doch es hat funktioniert. "Weil wir in einer sehr frühen Phase ganz genau wussten, was wir wollten und auch dabei geblieben sind", sagt Jochen Peipp vom Tuspo.

Der Bau

Aufgrund des Kostenvolumens musste die Sportmeile europaweit ausgeschrieben werden. "Wir haben Glück gehabt", findet Peipp, "wir haben gute Architekten erwischt." Soweit es die Fundamente und den Hochbau betraf sei der Bau gut vorangegangen, blickt er zurück. "Nur der sehr feuchte Winter hat uns ein paar Wochen Zeit gekostet." Innenausbauten sollten bis Juli fertig sein, was fast klappte. Doch auf den letzten Metern wird es eng. "Die Bodenbeläge für die Turnhalle sind ein heißes Eisen: Die kommen aus Berlin oder kommen auch nicht", sagt Peipp. Aber am Einweihungstermin werde das nichts ändern.

Das Sportzentrum

Der Rasen auf dem großen, zentralen Platz wurde im April angesät. Mit dem etwas kleineren Sportplatz dürfte er die einzige Grünfläche weit und breit sein, die den trockenen Sommer unbeschadet überstanden hat. Dafür verantwortlich war "Wasser, Wasser, Wasser" (Peipp), das der neue, 30 Meter tiefe Brunnen lieferte. Das Großfeld mit Kunstrasen, ganzjährig bespielbar, ist noch im Vorjahr fertig geworden. Das weckt bereits Begehrlichkeiten, genauso wie die Schnitzelgrube in der Turnhalle, die Turnern an Stufenbarren und Reck bei einem Fehltritt eine weiche Landung sichert. Die Grube ist bezirksweit ein Alleinstellungsmerkmal. Sportlich, sagen Popp und Erdorf, "haben wir an nichts gespart." Und auch in punkto Energieeffizienz seien sie keine Kompromisse eingegangen. Dafür wurde etwa bei der Gebäudekosmetik wie abgehängten Decken, die Leitungen unter der Decke kaschieren würden, gespart. Und es gibt keine Lüftungsanlage. "Wir machen die Fenster auf. Punkt. Das funktioniert auch", sagt Peipp.

Die Fusion

In einem großen Klub zusammenzugehen, stand von Anfang an im Raum. In den Vereinen habe es keine Ressentiments gegeben. Wobei auch von Vorteil gewesen sein dürfte, dass die beiden Vereine keine Schnittmengen im Angebot hatten, wie Peipp einräumt. Wer Handball spielten wollte, ging zum TV, wer kicken wollte zum Tuspo. So sind sich die Sportler nie bei Wettkämpfen in die Quere gekommen. Seit Juli ist die Fusion in trockenen Tüchern. Nur ins Vereinsregister eingetragen ist der neue TSV Roßtal noch nicht. Das soll bis November, wenn voraussichtlich zur ersten ordentlichen Hauptversammlung geladen wird, geschehen sein. Bis dahin leiten die Spitzen von Tuspo und TV den neu formierten Verein kommissarisch.

Die Perspektiven

Sobald der Trainingsbetrieb startet, will der TSV in die motorische Grundausbildung für Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren einsteigen. "Und die ist naturgegeben in der Turnabteilung aufgehängt", sagt Erdorf. Dass die großzügige, neue Sportstätte tatsächlich nur fürs Training ausgelegt ist, wertet Peipp nicht als Manko: Die Team-Gym-Gruppen, die auf Bayerns Spitzenplätzen turnen, treffen sich eher in großen Städten zu Turnieren. Und die Handballer tragen ihre Punktspiele weiter in der Mittelschulturnhalle aus, wo auch Zuschauer Platz finden. Der ist in der großen Ballsporthalle dem Sparzwang geopfert worden. Zwei Meter auf 44 Meter Hallenlänge für Zuschauer hätten 100 000 Euro mehr gekostet. Apropos Kosten: Weil den jetzt gut 2000 Mitgliedern im TSV mit der Sportmeile das wesentlich breitere Angebot von ehemals zwei Vereinen offensteht, dürfte sich auch der Mitgliedsbeitrag verändern. Doch das gilt es in der Mitgliederversammlung zu besprechen. Über eine andere Frage haben Erdorf und Peipp erst unlängst diskutiert: Was sie aus heutiger Sicht in punkto Sportmeile anders machen würden? Ihre Antwort: "Nichts."

Programm des Festwochenendes unter www.rosstal.de 

Sabine Dietz

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