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Stechert-Pleite überrascht Wilhermsdorf nicht

Wilhermsdorfs Bürgermeister Uwe Emmert hat die aktuelle Insolvenz bereits befürchtet - 09.10.2017 11:53 Uhr

Die Pleite des Stahlrohrmöbel-Herstellers Stechert trifft 150 Wilhermsdorfer Mitarbeiter hart. Gerüchte, die in Wilhermsdorf schon länger kursierten, ließen nichts Gutes für die Zukunft der Firma ahnen. © Foto: Heinz Wraneschitz


"Mitarbeiter berichteten von ausstehenden Löhnen oder von unbezahlten Lieferungen", sagt Emmert. Auch dem früheren Bürgermeister von Wilhermsdorf und jetzigen SPD-Landtagsabgeordneten Harry Scheuenstuhl ist ähnliches zu Ohren gekommen. "Die neue Geschäftsleitung, die nach dem Tod von Franz Stegner eingesetzt wurde, konnte das Ruder nicht mehr herumreißen", meint er.

Firmenchef Franz Stegner, der 2015 verstorben ist, hatte noch zu seinen Lebzeiten große Teile des Unternehmens in das benachbarte Trautskirchen ausgelagert. Die Verwaltung und ein kleiner Teil der Fertigung — die sogenannte Pulverbeschichtung — blieben in Wilhermsdorf. Bürgermeister Emmert spricht von großen Investitionen, die Stegner für neue industrielle Anlagen wie Holzbearbeitung und Lackiererei getätigt habe. Scheuenstuhl sagt, er habe verwundert zur Kenntnis genommen, dass immer neue Hallen im Namen der Firma Stechert gebaut worden seien. Weder Emmert noch Scheuenstuhl möchten aber so weit gehen, unternehmerische Fehlentscheidungen als Ursache für die aktuelle Pleite zu benennen, dazu fehle ihnen der interne Einblick.

Kleinerer Ausfall

Emmert bedauert genauso wie Scheuenstuhl, dass in Wilhermsdorf nun 150 Arbeitsplätze fehlen. Als "weniger dramatisch" betrachtet der Gemeindechef den Ausfall der Gewerbesteuereinnahmen. Da ein Großteil des Unternehmens schon an andere Standorte verlagert worden war, sei das Steueraufkommen für die Gemeindekasse bereits entsprechend niedriger gewesen.

Nun will der Bürgermeister nach vorne blicken. "Der Arbeitsmarkt ist derzeit gut, ich hoffe, die Leute werden schnell wieder etwas finden." Vielleicht, zeigt sich Emmert optimistisch, sogar ganz in der Nähe, denn irgendwie werde es mit der Firma weitergehen: "Sie haben das Knowhow und die Maschinen." Für ihn ist wichtig, dass auf dem Industrieareal des Stahlrohrmöbelherstellers nicht eine Brache entsteht. In den nächsten Tagen will er das Gespräch mit den Verantwortlichen suchen. Nicht ganz so positiv gestimmt ist Scheuenstuhl: "Volle Auftragsbücher der Firma in den vergangenen Jahren sagen noch nichts über den Gewinn."

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In den nächsten Wochen und Monaten wird der Insolvenzverwalter das Sagen haben. Dann wird sich zeigen, ob das Unternehmen noch eine Zukunft hat — und wie sie aussieht. 

BEATE DIETZ

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