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Stilles Spiel am Zirndorfer Wasser

Auf der Bibertinsel entsteht Naturerlebnisraum - 13.04.2017 06:00 Uhr

Umgestaltet wird auf der Bibertinsel lediglich der vordere, dem Tor zugewandte Bereich mit dem ersten Weiher, den Bauhof-Mitarbeiter derzeit ausbaggern. Der größere Teil des Areals mit drei weiteren Fischteichen bleibt unberührt. © Thomas Scherer


Es war ein langer Weg bis zur Realisierung. Die hinter einem Saum alten Baumbestands verborgene Insel zwischen Bibert und Mühlenbach öffentlich zugänglich zu machen, ist Teil eines Bebauungsplans, der bereits 1997 Rechtskraft erlangte. Der damalige Bauträger, unter dessen Regie das einstige Mühlengelände unter bis zu sechsstöckigen Wohnblöcken verschwand, hatte die Insel der Stadt überlassen — allerdings unter der Auflage, das Naturidyll für jedermann zu öffnen. Bis dato hatten lediglich die Stadt und der Fischereiverein einen Schlüssel für das Tor am Steg übers Bibertwehr.

Zirndorfs Fischer werden auch in Zukunft die Weiher auf der Insel bewirtschaften, allerdings nicht mehr vier, sondern nur noch drei Teiche nutzen, um Fische zu züchten oder zu überwintern. Der vordere Weiher wird bereits ausgebaggert. Etwa zur Hälfte wird aus ihm eine Flachwasserzone mit verschiedenen Wassertiefen, die sich zu einem Biotop entwickeln soll. "Ein paar Wasserpflanzen", meint Bauhofleiter Ralf Klein, "werden wir sicher reinstecken." Aber ansonsten bleibt sich die Zone selbst überlassen — in der Hoffnung, dass sich vielleicht die eine oder andere Art neu ansiedelt. "Mal schaun, was da so kommt", so Ralf Klein.

Die zweite, vordere Hälfte des Weihers schütten die Mitarbeiter von städtischem Bauhof und Stadtgärtnerei mit Sand auf und funktionieren sie zur Spielfläche um. Hohlbetonsteine, die wie riesige Kiesel daherkommen, bieten Sitzgelegenheiten. In einem sogenannten Summstein, einem Hochkantfindling mit zwei Öffnungen, können Kinder ihren ganzen Körper in Schwingung versetzen, indem sie ihren Kopf in eine der Aushöhlungen stecken und den Stein als Resonanzkörper für das eigene Summen nutzen, erklärt Ralf Klein eine der Erlebnisstationen, die Phänomene der Physik und Gesetze der Natur erfahrbar machen wollen.

Ein großer Findling, auf ein Lager montiert, kann mit wenig Kraftaufwand gedreht werden. Und in einem gläsernen, mit Wasser befüllten Zylinder können Kinder über eine Kurbel einen Strudel erzeugen und dessen Entstehen beobachten. "Stationen, die zum ruhigen Spielen anregen sollen", wie Ralf Klein erklärt. "Sinneserfahrung, das passt wunderbar hierher, so etwas haben wir in Zirndorf noch nicht."

"Wildes soll wild bleiben"

"Wer ausgelassen spielen, schaukeln und toben will, kann um die Ecke zum Spielplatz an der Albrecht-Dürer-Straße gehen", ergänzt Stadtbaumeister Gerhard Klein. Ihm ging es darum, "nicht den x-ten Spielplatz in der Stadt zu bauen", davon hat die Bibertstadt bereits 40, sondern darum, ein Naturdenkmal begehbar und erlebbar zu machen. "Am alten Baumbestand im Randbereich, auch am Totholz machen wir gar nichts, was wild ist, soll wild bleiben", so Ralf Klein. Der überwiegende Teil der 12 000 Quadratmeter großen Insel, der hintere Bereich mit weiteren drei Weihern, bleibt sowieso unangetastet. Er wird mit einem Holzzaun optisch abgegrenzt, kann aber über einen Durchgang erkundet werden.

Dem Spielbereich unbenommen wertet Gerhard Klein die Umgestaltung des Weihers "definitiv" als ökologischen Gewinn für das Areal. Sie entspreche zudem den Auflagen des Bebauungsplans anno 1997. Er verlangte, die Insel zur ökologischen Ausgleichsfläche aufzuwerten. Eine Bebauung des Geländes schied aus, seit 1976 ist die Insel als Naturdenkmal ausgewiesen.

Bei einer Nutzung für die Fischzucht, wie bisher geschehen, könne man nun wirklich nicht von einem Biotop sprechen, hält Gerhard Klein kritischen Stimmen entgegen, die in sozialen Netzwerken Zirndorfs bereits monierten, dass "ein funktionierendes, unberührtes Biotop um- und weggebaggert wird, um einen Naturerlebnisbereich neu zu gestalten." Ralf Klein ergänzt: "Wir machen hier ein Angebot für den Mensch und für die Natur."

Anlieger-Proteste an den Umgestaltungsplänen und letztlich auch die klamme Stadtkasse haben die Stadt vor drei Jahren veranlasst, von weitreichenderen Plänen Abstand zu nehmen. Sie hätten unter anderem einen zweiten Zugang in Form eines Stegs vorgesehen. Nun bleibt es bei einem Zugang, "und der lässt sich regeln", wie Gerhard Klein meint. Er wird mit Einbruch der Dunkelheit abgeschlossen werden, um der Tierwelt Ruhezeiten zu gewährleisten — und nächtlichem Vandalismus vorzubeugen.

An die Adresse der Anlieger gewandt, meint Klein, sie müssten sicher nicht wesentlich mehr Lärm erdulden als bisher. Sobald die Anfangsneugierde abgeklungen sei, "werden sich hier sicher keine Massen tummeln", gibt er sich überzeugt. Dass der Fischereiverein regelmäßig nach seinen Fischen und dem Rechten sehen wird, wertet er als wertvolle Kontrollinstanz.

Doch letztlich sei es wie überall: "In jedem Park kann ich mich danebenbenehmen. Wie intensiv sich Natur hier über kurz oder lang erleben lässt, ist zu 100 Prozent vom Verhalten der Inselbesucher abhängig", so der Stadtbaumeister. Eine Libelle werde sich von spielenden Kindern sicher nicht stören lassen. "Und die Wildente, die da drüben schwimmt", weist er auf den Wasservogel, "weiß aus ihrer Erfahrung heraus ganz genau, wie gefährlich ihr ein Mensch werden kann; die Distanz, die sie braucht, teilt sie sich selbst ein." 

SABINE DIETZ

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