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Stoff für Träume: Label hilft jungen Frauen

Das Projekt "azadi" gibt Inderinnen eine Zukunft, die aus der Zwangsarbeit befreit wurden - 12.03.2017 21:00 Uhr

Viel beigebracht, viel gelernt: Im Welthaus erzählte Regina Kimmerle (li.), hier mit Regina Vogt-Heeren, von ihrer Zeit in Indien. © Foto: Hetzner


Von Säureanschlägen gezeichnete Gesichter und Körper, von physischer und psychischer Gewalt gebrannte Seelen, zur Arbeit oder Prostitution gezwungen, weit weg von zuhause in den Slums Neu Delhis. Die Mädchen und Frauen, die im Sozialunternehmen "Thousand Dreams" in Delhi landen, verbinden Schicksale, die erschüttern.

Juno beispielsweise wurde als Mädchen verschleppt und zur Arbeit gezwungen. Täglich erinnert sie ihr eigenes Spiegelbild an diese Zeit der Angst. Ein Säureangriff hat ihre rechte Gesichtshälfte für immer entstellt.

Heute lebt sie mit fünf anderen Frauen, die Ähnliches erlebt haben, in einer WG. Sie verdienen ihr eigenes Geld, indem sie für "azadi" und andere Marken schneidern, und führen ein selbstbestimmtes Leben. Möglich macht das die indische Frauenrechtsorganisation STOP (Stop Trafficking and Oppression of Children and Women), die Mädchen und Frauen aus der Zwangsarbeit befreit. Das Projekt "azadi – Mode für Freiheit" hat die Fürther Sozialorganisation Farcap, die faire Mode im neuen Welthaus verkauft, mit Unterstützung von STOP und der Modeschule in Nürnberg ins Leben gerufen.

Kampfkunst und eine Lehre

"Die Mädchen sind sehr stolz, dass sie im Projekt mitarbeiten durften", erzählte nun Regina Kimmerle, Absolventin der Modeschule Nürnberg, anlässlich des Weltfrauentags im Welthaus. Drei Monate lang hat sie das Projekt vor Ort als freiwillige Helferin unterstützt, in dieser Zeit lebte und schneiderte sie mit den Mädchen. Zusammen fertigten sie die Kollektion des Jahres 2016 für das Projekt azadi.

Hautnah erlebte Kimmerle die Schicksale, Wünsche und Träume der Mädchen. Sie alle begannen nach der Befreiung aus der Zwangsarbeit zunächst ein neues Leben im Aashrey Family Home, einem Frauenhaus der Organisation STOP – verängstigt und traumatisiert. Mit Kampfkunsttraining, einer Ausbildung zur Schneiderin oder Kosmetikern, viel Zeit und Geduld verhalf ihnen STOP zu Selbstbewusstsein und mit selbst verdientem Geld zu einer Art der Eigenständigkeit, wie es sie in Indien kaum oder fast gar nicht gibt.

Es brauche in Indien ganz oft einen Mann, berichtet nicht nur Kimmerle: Auch Regina Vogt-Heeren, die Vorsitzende des STOP Freundeskreises, einer deutschen Unterstützergruppe der Organisation, kann von ihren Erfahrungen erzählen.

Denn pünktlich zum Vortrag sollte eigentlich auch die brandneue azadi-Kollektion 2017 in den Regalen des Welthauses in der Gustavstraße liegen. Bis vor kurzem wusste Vogt-Heeren jedoch trotz unzähliger Anrufe nichts über den Verbleib der Teile. "Ohne dass eine männliche Stimme am Apparat war, erhielten wir keine Informationen über unsere neue Kollektion. Aber das ist Indien", sagte Vogt-Heeren. Umso mehr erfüllt es sie und Regina Kimmerle mit Stolz, zu sehen, wie die jungen Frauen aufblühen und welche Möglichkeiten sich ihnen durch die Hilfsorganisationen bieten. Die faire Mode ist nur ein Bereich, in dem sich STOP engagiert.

Schmerzliche Rückschläge

Die Organisation setzt sich mit Präventions- und Bildungsprojekten in den Slums von Neu Delhi gegen den Menschenhandel und für neue Perspektiven ein. Sie ermöglicht Kindern und Frauen, den Armenvierteln zu entfliehen und ein selbstbestimmteres Leben zu führen. Nicht immer allerdings sind die Bemühungen erfolgreich: Manche Mädchen wählen den Weg in die Ehe oder kehren zunächst in ihre Heimatländer zurück, aber nicht immer erwartet sie dann das Leben, das sie sich erhofften.

Beispiele wie Juno und ihre WG aber ermutigen alle, weiterzukämpfen. "Es war eine geniale Zeit, in der ich den Mädchen viel beigebracht, aber ich auch viel von ihnen gelernt habe", sagt Regina Kimmerle über ihr Abenteuer in Indien. Ihr eigener Weg soll mit einem Studium des nachhaltigen Produktmanagements weitergehen. 

ANNA HETZNER

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