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Mittwoch, 23.01.2019

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Sturm und Hitze setzten den Bäumen zu

Waldbauern kämpften mit Wetter und Borkenkäfern - 09.01.2019 20:59 Uhr

Wenn die Nadeln der Kiefern sich rot färben, signalisiert das Trockenschäden. Kaputte Bäume müssen rasch entfernt werden, um Schädlingen die Nahrungsgundlage zu entziehen. © Foto: Eduard Weigert


Es herrschten vergangenes Jahr ideale Bedingungen für Schädlinge. Nicht nur der Borkenkäfer hat sich im heißen Trockensommer mächtig vermehrt. Für 2019 verheißt das nichts Gutes. Hannes Lemme von der Landesanstalt für Wald- und Forstwirtschaft gilt als Experte für Schädlinge im Wald. Nach seinen Worten bieten die steigenden Temperaturen gute Voraussetzungen für die starke Reproduktion von Borkenkäfer, Kiefernprachtkäfer und Eichenprozessionsspinner, während gleichzeitig die Waldbäume durch den Wassermangel und die Hitze geschwächt werden.

In seinem Vortrag auf der Jahresversammlung der FBG zeigte Lemme auf, dass der Borkenkäfer sich seit drei Jahren immer früher entwickelt. Im vergangenen Jahr erfolgte der Ausflug schon in der 30. Woche. Dies bedeutet, dass das Insekt im Puppenstadium in den Winter kam und dann ab April gleich zuschlug. In anderen Jahren hatten die Käfer zu Winterbeginn erst das Larvenstadium erreicht und sind dann meist erfroren.

Auf dem Vormarsch: der Borkenkäfer. © Foto: Roland Weihrauch/dpa


Lemmes Rat an die Waldbauern lautete deshalb, befallene Bäume umgehend zu entfernen. Im Übrigen würde ein regenreiches und kaltes Jahr dem Wald am besten helfen. Nicht erklären kann der Experte, warum besonders im Landkreis Fürth so viele Kiefern abgestorben sind. Doch empfiehlt er auch hier, dürre Bäume möglichst rasch zu entfernen.

Appell an die Jäger

In ihrem Rückblick wiesen Vorsitzender Herbert Hechtel und Geschäftsführer Alexander Rößler vor allem auf die Sturmschäden vom August 2017 im Raum Cadolzburg hin. Die Aufarbeitung war noch nicht beendet, als es im Winter sehr nass wurde. Ab April setzte dann aber eine ungewöhnlich warme Witterung ein und so manche Forstpflanze verdurstete. Hechtel schilderte, wie mühsam die nötige Arbeit des Umbaus zu Mischwäldern ist. Er appellierte dringend an die Jäger: "Bitte helft uns." Schließlich könnten die Waldbauern zur Abwehr gegen die Rehe nicht überall Zäune bauen.

Forstdirektor Peter Pröbstle appellierte an die FBG-Mitglieder, die Fördermöglichkeiten für Verjüngungen, aber auch zur Pflege von Jungbeständen, zu nutzen. Laubbäume sollten am besten im Herbst gepflanzt werden. Als einfachen Test, um festzustellen, ob schon gepflanzt werden könne, empfahl Pröpstle den Griff zum Spaten. Wenn der Boden bis in Spatentiefe feucht sei, dann könne auch eingesetzt werden. Bei Neuanpflanzungen, so sein Rat, sollten neue Baumarten wie Zeder oder Edelkastanie ausprobiert werden. Schließlich richtete auch der Forstdirektor einen Appell an die Jäger, denn der Schlüssel zur Naturverjüngung liege in der Jagd. Wobei der Jäger für einen angepassten Wildbestand sorgen sollten und der Waldbesitzer für genügend Licht, damit Jungbäume wachsen können.

Schwierig gestalten sich derzeit die Preisverhandlungen beim Holzverkauf, sagte Rößler, nachdem verschiedene Stürme in Zentraleuropa insgesamt 110 Millionen Festmeter auf den Boden geworfen haben. Vor allem auf die Borkenkäfer- und Kiefereinschläge sei es zurückzuführen, dass der Holzverkauf 2018 auf 68 404 Festmeter gestiegen ist – nach 57 837 Festmeter im Jahr davor . 

Fritz Arnold

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