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Tagestouristen sind viel besser als ihr Ruf

Wirtschaftskreis rät, Ausflügler mehr zu umgarnen — Cadolzburg als Chance - 05.11.2017 10:00 Uhr

Ein großes touristisches Potenzial wird der Erlebnisburg Cadolzburg bescheinigt. Aber auch kleinere Destinationen sollten die positiven Effekte nicht unterschätzen, die von Tagesausflüglern ausgehen können. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Die Deutschen sind ein reiselustiges Volk. Das zeigt sich nicht nur in Urlaubsfahrten, sondern auch in 3,3 Milliarden Tagesreisen, die die Bundesbürger 2013 unternommen haben. Pro Kopf macht das 37,7 Tagesausflüge im Jahr, die vornehmlich nach Nordrhein-Westfalen und – an zweiter Stelle – nach Bayern gingen, sagte Manfred Zeiner, Geschäftsführer der dwif-Consulting GmbH München, in seinem Kurzvortrag "Wirtschaftsfaktor Tourismus" im Historischen Museum in Cadolzburg.

Etliche profitieren

Stattliche 9,5 Millionen Tagesreisen entfielen demnach auf den Tourismusverband "Romantisches Franken", zu dem neben dem Landkreis Fürth etwa der Touristenmagnet Rothenburg ob der Tauber, Ansbach und Feuchtwangen gehören. Statt Tagesgästen mit Vorurteilen zu begegnen – etwa, dass sie nur Müll verursachten, für Verkehrschaos sorgten und "richtige" Urlauber sowie Kurgäste störten –, sollte besser der auf diese Gruppe zurückzuführende Bruttoumsatz in den Fokus genommen werden, erklärte Zeiner.

Denn dieser belaufe sich im Romantischen Franken immerhin auf fast eine halbe Milliarde Euro — errechnet aus der Zahl der Tagesausflügler mal der von ihnen erzeugten Nachfrage, unter anderem bei Einkäufen, Führungen, Schifffahrten, Café- und Restaurant-Besuchen.

"Der Kreis der Profiteure ist aber viel größer", erläuterte der Referent und ließ den Blick exemplarisch zu Werbeagenturen, Steuerberatern, Banken, Versicherungen und Energieversorgern schweifen ebenso wie zu Bäckern, Brauereien und Metzgern, die die Gastronomie belieferten. Sie alle lebten mittelbar ebenfalls vom Tourismus. Und Kommunen profitierten selbstredend von ihrer Beteiligung an der Mehrwertsteuer. "Es lohnt sich wirklich, da mitzuspielen", resümierte Zeiner.

Er stellte klar: "Tourismus ist ganz maßgeblich dafür verantwortlich, dass eine Region attraktiv bleibt — auch und gerade für die Einwohner." Denn alleine mit Einheimischen als Nutzern ließen sich viele Freizeitattraktionen und Bewirtungsbetriebe nicht halten, mahnte der Gast aus München.

Überall und ganzjährig

Um sich als Destination am Markt zu behaupten, seien eine hohe Produkt- und Servicequalität, zielgruppenspezifische Angebote ("Es muss nicht Ihnen gefallen, sondern den Touristen"), Kommunikation, Kooperationen, Innovationen und Investitionen nötig, zählte der Experte auf.

"Tagestourismus ist nicht an die Zugspitze oder den Königssee gebunden", machte Zeiner seinen Zuhörern Mut. "Er findet überall statt." Weitere Vorteile: Ausflüge sind nicht saisonal, sondern werden ganzjährig unternommen, Tagestourismus kann nicht exportiert werden und florierende Freizeitlandschaften können dabei helfen, Unternehmen wie Fachkräfte anzuwerben.

Keine konkreten Impulse

Wer sich jedoch von dem 30-minütigen Vortrag konkrete Impulse für den Landkreis Fürth erhofft hatte, wurde enttäuscht. Lediglich Landrat Matthias Dießl skizzierte ein wenig, wohin die Reise künftig gehen könnte — in Richtung mehr Kooperation zwischen den Übernachtungsbetrieben etwa und der Einrichtung von Netzwerken. Wie beim Wirtschaftskreis üblich, gab es anschließend reichlich Gelegenheit, sich in Gesprächen auszutauschen. 

Astrid Löffler

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