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Testfahrt: So kämpft Fürths Feuerwehr mit Falschparkern

Retter werden immer wieder behindert - Testfahrt mit Vertretern der Stadt - 24.06.2017 17:20 Uhr

Testfahrt durch die westliche Innenstadt: Weil Autos zu nah am Einmündungsbereich stehen, muss die Feuerwehr immer wieder rangieren, um um Kurven zu kommen. © Claudia Ziob


Jens Fleischmann war dabei am 21. Mai, gegen 5 Uhr morgens, als geparkte Autos den Weg zum Wohnungsbrand in der Marienstraße verlängerten. In mehreren der engen Straßen der westlichen Innenstadt mussten die Feuerwehrfahrzeuge rangieren; um die letzte Kurve kam der Wagen mit der Drehleiter dann nicht mehr. Zum Glück, sagt Fleischmann, war keiner am Fenster, der um Hilfe rief. Die Bewohner konnten übers Treppenhaus in Sicherheit gelangen. Aber das wisse man vorher ja nicht.

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Nur drei Tage vorher gab es ähnliche Probleme auf dem Weg zu einem Brand in der Pfisterstraße. Christian Gußner, Chef der Fürther Feuerwehr, beunruhigten beide Vorfälle so sehr, dass er rasch das Gespräch mit Vertretern der Stadt und der Polizei suchte.

Daraus resultierte die gemeinsame "Befahrung" der westlichen Innenstadt am späten Freitagabend: Mit dem Drehleiter-Fahrzeug und einem weiteren Feuerwehrwagen ging es von 21 bis 23 Uhr durch problematische Straßen. Die Falschparker waren zuverlässig zur Stelle. Der Parkdruck zwischen Hirschen- und Pfisterstraße ist hoch, die Mitarbeiter der Verkehrsüberwachung sind hier regelmäßig unterwegs. 15 Strafzettel stellt Rudi Macek allein während der Probefahrt aus, "das ist wenig", sagte er.

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Die Strafzettel aber verhindern nicht, dass Autos immer wieder noch an das letzte Stückchen der Straße gequetscht werden, obwohl der Fünf-Meter-Bereich in Kurven generell tabu fürs Parken ist. Das Rangieren kostet Zeit, die sich ewig anfühlt für die Retter. "In dem Moment hofft man bloß, dass keine Menschen in der Wohnung sind oder im Treppenhaus, dass alles gut geht", sagt Fleischmann. "Jede Minute kann Leben retten." Ein Vorteil für die Fürther Wehr sei immerhin, dass die Feuerwache in der Innenstadt liegt und alle Orte eigentlich nah sind: "Das gibt uns einen Puffer."

Zentimeterarbeit, wenn jede Minute zählt

Ein Auto, das unerlaubt neben einer Bauminsel steht, wird zur größten Herausforderung an dem Abend: Nur wenn daneben noch drei Meter Straße frei sind, darf man sein Auto neben solchen Baumscheiben abstellen. Hier ist es zu eng: Das Durchkommen wird zur nervenzehrenden Zentimeterarbeit, Fleischmann steigt aus und lotst den Fahrer. Zwei Minuten vergehen, bis der Drehleiterwagen das Hindernis passiert hat. Der Einsatzleiter, erklärt Fleischmann, fährt normalerweise im Wagen voraus und gibt notfalls den Hinweis, einen anderen Weg zu wählen.

Was sie an dem Abend beobachten, überrascht Ordnungsreferent Mathias Kreitinger, den stellvertretenden Leiter des Straßenverkehrsamts Antonius Kaiser, die Vertreter von Bauhof und Verkehrsüberwachung sowie Martin Taschner, zuständig fürs Sachgebiet Verkehr bei der Fürther Polizei, nicht. Es bestärkt sie aber im Entschluss, zu handeln: In mehreren Kurven wollen sie den Fünf-Meter-Bereich, der freigehalten werden muss, mit Sperrflächen markieren und vorhandene Markierungen auffrischen. Wir werden keine Parkplätze wegnehmen, aber dort, wo es eh verboten ist, werden wir das zeitnah besser kennzeichnen", sagt Kaiser. Die Hemmungen, sich hinzustellen, scheinen größer zu sein, wenn Sperrflächen markiert sind.

Die Polizei ihrerseits verspricht, den Überwachungsdruck nachts hochzuhalten. Feuerwehrschef Gußner hofft, dass die Aktion auch hilft, Bewohner für die Nöte der Feuerwehr, aber auch von Bussen und Rettungswagen zu sensibilisieren. Um das Problem aber wohl wirklich nachhaltig zu lösen, müsse in Fürth mehr Parkraum geschaffen werden, sagt Brandinspektor Fleischmann.

Was die Feuerwehr darf und was nicht, wenn Falschparker den Weg behindern, lesen Sie hier. 

Claudia Ziob

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