Mittwoch, 13.12. - 17:35 Uhr

|

Theater-Leidenschaft seit 1927: Bühne Erholung feiert

Karteln, Stricken, Spielen: Vor 90 Jahren wollte der Verein Erholung bieten - 11.06.2017 21:00 Uhr

Die wollen nur spielen: Vereinschef Klaus Hoffmann (Mitte) im Kreise der Lieben namens (v.li.) Brigitte Riemann, Gisela Ludebühl, Astrid Weißmann-Weigel, Stephan Schmidt und Alfred Ludebühl. © F.: Kohler


Die Freunde, die am 11. Juni 1927 einen neuen Verein gründeten, hatten Spaß am Theaterspielen. Ihr Ziel verankerten sie unübersehbar: Erholung sollte geboten werden – für die Zuschauer, aber auch für die Mitwirkenden. Klaus Hoffmann (66), Vorstand und Spielleiter der Bühne Erholung 27: "Damals gab es ja viel weniger Freizeitangebote. Deshalb kamen zu den Proben tatsächlich alle Vereinsmitglieder, nicht bloß die, die eine Rolle hatten." Man saß im Weißengarten beieinander, es wurde gekartelt, gestrickt und natürlich auch inszeniert.

Seither gehört der Verein in Fürth einfach dazu, seit 1952 übrigens auch als Begrüßungsgruppe beim großen Erntedankzug. Auf dem Spielplan steht von jeher mit Vorliebe gepflegte Unterhaltung oder, wie Brigitte Riemann erklärt: "Ich mache mit, weil ich einerseits immer schon spielen wollte, aber keine Schenkelklopfer, kein Volkstheater, sondern anspruchsvolle, schöne Komödien, wie sie hier aufgeführt werden." Wahre Superhits wurden in der Vergangenheit produziert. Sechs Jahre lang fand in den Achtzigern etwa der "Brandner Kaspar" ein begeistertes Publikum.

Klaus Hoffmann erinnert sich auch gerne an den absoluten Dauerbrenner: "Su genger die Geng" hieß die Komödie für zwei, in der er die männliche Hauptrolle übernahm. 1989 begannen die Proben, in den kommenden elf Jahren stand der Spaß dann knapp 100 Mal auf dem Programm.

Der Chef hatte sein Debüt als kleinster Zwerg

Beeindruckend ist auch, wenn der Chef auf seine Vereinsmitgliedschaft zu sprechen kommt. Die besteht nämlich seit 60 Jahren: "Meine Eltern, Elisabeth und Hellmut Hoffmann, waren seit 1950 mit großem Engagement dabei. Aus diesem Grund hatte ich schon als Sechsjähriger mein Debüt – als kleinster Zwerg im Weihnachtsstück."

Die Nachwuchsförderung ist bis heute ein wichtiges Thema, um das sich federführend Theaterpädagogin Susanne Lauterbach kümmert. Regelmäßig gibt es Mitmachangebote für Jugendliche. Mit der Lebenshilfe engagiert man sich in einem inklusiven Projekt; junge Menschen mit und ohne Behinderung treffen sich, um zu improvisieren und zu spielen.

Susanne Lauterbach gehört seit 22 Jahren zur Bühnengruppe, ihre Ausbildung zur Theaterpädagogin konnte sie dank einer Fortbildung machen, die der Bund Deutscher Amateurtheater (BDAT) anbietet. Diese Weiterentwicklung in Kursen und Seminaren schätzt auch Stephan Schmidt: "Es war für mich eine gute Entscheidung, 2001 zur Bühne Erholung zu kommen, von Anfang an fand ich dieses breite Ausbildungsangebot sehr gut." So habe er unter anderem gelernt, "wie auf der Bühne ein Charakter umgesetzt werden kann".

Programm im Jubiläumsjahr

Selbstverständlich wird im Jahr des 90. Jubiläums viel Theater gemacht. Erfolgreich über die Bühne ging bereits "Mord à Della", ein kriminalistisches Restaurant- Stück. Nun steht "Best of Erholung" an, eine kulinarische Revue mit den besten Sketchen und Kurzstücken, die am 24. Juni um 19 Uhr im Restaurant "Schwarzes Kreuz" in der Königstraße bei einem Dreigängemenü unterhält (Karten über karten@bühneerholung.de).

Mit spontanem Straßentheater werden sich die Darsteller unter anderem beim Grafflmarkt am 23. Juni präsentieren. Wer das verpasst, hat zum Beispiel beim Fürth Festival (7. bis 9. Juli) die nächste Gelegenheit, die Erholung-Spieler in Aktion zu erleben. Ins Stadttheater geht es am 28. Oktober (19.30 Uhr) zum erklärten Höhepunkt des Festjahrs: Im Komödienklassiker "Mein Freund Harvey" übernimmt ein unsichtbarer Hase eine wichtige Rolle (Karten im FN-Ticket-Point, Schwabacher Straße 106, Tel. 2 16 27 77). Schon jetzt wird intensiv für die Vorstellung geprobt – mit Hase, versteht sich.

Wer Geburtstag hat, darf sich etwas wünschen. Keiner muss grübeln, was es denn sein soll: "Endlich wieder eine feste Adresse, einen eigenen Theaterraum für uns", heißt ihr Traum. Seit dem zwangsläufigen Auszug aus dem "Grünen Baum" wird im BiKul/Elan geprobt, was mit ständigem Hin und Her verbunden ist, unter anderem müssen die Kulissen immer wieder auf- und abgebaut werden. Improvisieren ist zwar auch eine Kunst, doch bei der Bühne Erholung 27 würde man diese Fähigkeit in Zukunft am liebsten nur noch in einem richtigen Vereinsheim vorführen. 

SABINE REMPE

Seite drucken

Seite versenden



Um selbst einen Kommentar abgeben oder empfehlen zu können, müssen Sie sich einloggen oder sich zuvor registrieren

Ihr Kommentar

Name:

Ihr Kommentar:

Bitte beachten Sie unsere Netiquette.

weitere Meldungen aus: Fürth