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Uferpalast startet ins digitale Zeitalter

Kinoenthusiasten konnten dank vielfältiger Unterstützung neuen Projektor beschaffen - 21.01.2015 16:00 Uhr

Fit für die Kino-Zukunft: Katja Waldhauser und Thomas Kruppe vom Uferpalast sowie Anne Haßler von Spender ebl (von links) mit dem Digitalprojektor und – rechts im Bild - dem klobigen 35 mm-Exemplar, das erhalten bleibt.

Fit für die Kino-Zukunft: Katja Waldhauser und Thomas Kruppe vom Uferpalast sowie Anne Haßler von Spender ebl (von links) mit dem Digitalprojektor und – rechts im Bild - dem klobigen 35 mm-Exemplar, das erhalten bleibt. © Foto: Winckler


Ganz schön klobig ist das neue Teil, stolze 150 Kilo schwer. An seiner Seite hängt ein Flachmonitor, unten drunter stehen ein Computer sowie ein Gerät für unterbrechungsfreie Stromversorgung. „Sollte es mal einen Stromausfall geben, springt sofort das Gerät ein, damit sich die Birne bei ausbleibender Luftkühlung nicht überhitzt und platzt", erklärt Katja Waldhauser, aktives Mitglied der Kinokooperative.

Rechts daneben steht immer noch der alte 35-Millimeter-Filmprojektor mit Spulen, er bleibt dem Uferpalast auch weiterhin erhalten. Und während sich ein Film in Analogtechnik auf zwei, drei große Rollen verteilt, die man mit beiden Armen wuchten muss, so passt derselbe Streifen in Digitaltechnik auf einer Festplatte bequem in eine Hand.

„Verpixelt ist die neue Zeit, gib uns das Geld, wir sind bereit“, verkündet eine Sprechblase mit Schönschrift an der Wand gegenüber der Vorführkabine. Der Spruch zierte vor einem halben Jahr den Vorführ-Bauwagen beim Open-Air-Festival „Mauerflimmern“, als die Kinokooperative sich sorgte, ob dies wohl die letzte Veranstaltung ihrer Art sein würde – denn neue Filme werden nicht mehr auf analogen Rollen ausgeliefert.

Da war die Umstellung auf Digitaltechnik zwar schon beschlossene Sache, doch noch ungewiss, ob das Geld dafür reicht: Es war nicht nur der Digitalprojektor auf neuestem Stand der Technik nötig, sondern dazu gleich eine neue Beschallungsanlage im 5.1-Surroundsound.

„Es musste schon beides zusammen sein, das eine ohne das andere hätte nichts gebracht“, erklärt Katja Waldhauser. Ein Drittel der Summe steuerte nun der FilmFernsehFonds (FFF) des Freistaats bei, die weiteren zwei Drittel brachten Spender auf, die sogenannten Pixelpaten.

Voll des Lobes

Im April des vergangenen Jahres hatte die Kinokooperative dazu aufgerufen, sie zu unterstützen – mit Erfolg, wie Katja Waldhauser erzählt. Die Stadt öffnete ihre Schatulle, die Sparkasse spendete, manche Mitglieder griffen tief in die Tasche. Aber erst, als im August die ebl-Naturkostkette mit 15 000 Euro einsprang, wussten die Kinoenthusiasten: „Das schaffen wir.“

Auch Oberbürgermeister Thomas Jung, der zur Vorstellung des Geräts kam, ist des Lobes voll über die Spendenbereitschaft: Weit über das, was Mittelständler üblicherweise zu geben vermögen, gehe das hinaus.

Eigentlich greift der FFF kommerziell orientierten Kinos unter die Arme. „Aber als die 2013 merkten, dass all die kleinen Filmvereine und nichtkommerziellen Kinos die Umstellung auf Digitaltechnik nicht stemmen können, haben sie sich eines Besseren besonnen. Da hätten sonst deutschlandweit zehn Prozent der Kinos dicht gemacht“, so Waldhauser. Der Fürther Antrag auf Förderung wurde denn auch positiv beschieden. Ein Pfund, mit dem die Kinokooperative dabei wuchern konnte, waren natürlich die zahlreichen Auszeichnungen des FFF für ihr qualitativ hochwertiges Programm. Erst jüngst wieder konnte der Uferpalast nicht nur eine Urkunde, sondern auch 4000 Euro Preisgeld in Empfang nehmen.

Wieder Caligari

Nun wurde das digitale Zeitalter ausgerechnet mit dem allerersten Film eingeläutet, den die Filmfans 1980 im längst abgerissenen Krawattenhaus-Kino mitten im Altstadtviertel vorgeführt hatten: dem Stummfilmklassiker „Das Cabinet des Doktor Caligari“. Ohne Live-Piano zwar, dafür mit Musik aus der Anlage, aber leider nur in einer einmaligen Vorstellung für die Spender.

Während neue Filme heute nur noch digitalisiert auf den Markt kommen, findet die Digitalisierung alter Filme nur vereinzelt statt – vorzugsweise bei historisch und künstlerisch herausragenden Stummfilmen, die gleich noch aufwendig restauriert werden. „Alle anderen älteren Filme gibt es nach wie vor auf analoger Filmrolle“, erklärt Kooperative-Mitglied Thomas Kruppe. Bloß wie lange noch?

„Die Filmkopien altern unterschiedlich“, beobachtet Kruppe, „je nach Material, nach der Qualität der Lagerung, nach der Häufigkeit des Abspielens und der Qualität der Projektoren“. Aber auch eine abgenudelte Filmkopie hat natürlich ihren ganz eigenen Charme . . . 

Reinhard Kalb

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