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Samstag, 21.04.2018

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"Unglaublich positiv überrascht"

Museumsmacherin Uta Piereth über den Erfolg des Burgerlebnismuseums - 21.12.2017 21:00 Uhr

Die Cadolzburg als Höhepunkt eines Berufslebens: Den enormen Ansturm auf das von ihr mit Kollegen und Kolleginnen gestaltete Erlebnismuseum hat auch Uta Piereth von der Schlösserverwaltung nicht erwartet. © Foto: Thomas Scherer


Frau Dr. Piereth, haben Sie so einen Ansturm auf das in Bayern doch weitgehend unbekannte Gemäuer erwartet?

Uta Piereth: Während der viereinhalb Jahre, die wir an der Konzeption und der Ausstellung gearbeitet haben, haben wir uns immer verboten, an Zahlen zu denken. Wir wollten offen sein für das, was passiert und sind jetzt unglaublich positiv überrascht.

 

Wissen Sie woher die Menschen kommen, die die Cadolzburg besuchen?

Piereth: Wir haben keine richtige Besucherbefragung gemacht, aber Postleitzahlen erfasst. Hier dominiert der Bereich 9, der nicht nur Franken umfasst, sondern auch bis in die Oberpfalz und nach Niederbayern reicht. Und was uns besonders freut: Die Allermeisten wollen wiederkommen. Sie haben festgestellt, dass man hier nicht einfach nur schnell durchgeht, sondern dass es wirklich viel zu entdecken gibt.

 

Sind unter den Gästen viele Familien mit Kindern?

Piereth: Rund ein Drittel der Besucher, Eltern und Großeltern, hat Kinder dabei. Das sehen wir gerne, genauso wie Schulklassen.

 

Sicherlich waren Sie auch gelegentlich unsicher, während Sie das Museumskonzept erstellt haben. Sie konnten ja nicht wissen, wie Ihre Ideen beiden Gästen ankommen. Gab es Überraschungen?

Piereth: Aber ja, schon im Foyer. Wir dachten zunächst, es sei zu leer. Aber dem ist überhaupt nicht so. An den Wochenenden ist es voll mit Leuten, die sich hier treffen und oft den feinen Rosenduft in der Luft bemerken. Hier erfahren sie gleich, sie bewegen sich auf der Ebene mächtiger Herrscher des späten Mittelalters. Nur die konnten sich Rosenduft leisten, denn das Mittelalter stank nicht nur.

 

Es gibt noch einen zweiten relativ leeren Raum, den Eichensäulen-Saal im ersten Stock der Kernburg . . .

Piereth: Oh ja, für uns war es eine Schwierigkeit, dass wir diesen Raum relativ freihalten sollten von Objekten, damit er später für Veranstaltungen nutzbar ist. Eigentlich ist das eine Unterbrechung der Ausstellung. Doch wir haben dann die Lösung mit der Projektion der Tänzer an der Wand gefunden. Und ich habe es nicht geglaubt – aber Männer wie Frauen fangen nicht selten an, im Raum zu tanzen. Wer will, schlüpft dazu in eines der Gewänder, die wir eigens nach alten Zeichnungen dafür haben anfertigen lassen. Sie wurden schon so oft anprobiert, dass wir bereits Risse flicken lassen mussten.

 

Start des Museumsrundgangs ist in der Küche. Ist das nicht ungewöhnlich, beim Gesinde und nicht bei der Herrschern zu beginnen?

Piereth: Ja, aber es ist auch genial. Ich als Historikerin müsste eigentlich sagen, wir müssen zunächst etwas über die Herrschaftsgeschichte erzählen, die Dynastie vorstellen oder zumindest die Bauhistorie. Doch die Küche mit dem beeindruckenden Ochsenschlot ist ein Ort, an dem die Burg selbst spricht. Wir haben bewusst sparsam möbliert: Man riecht das Feuer, man sieht in der Projektion den Braten am Spieß, man kann alte Rezepte nachlesen und wer an einer Führung teilnimmt, bekommt auch noch ein Gewürz des Mittelalters, kandierten Kümmel, zu probieren. Hier sieht man die ganze Konzeption.

Gibt es Höhepunkte, mit denen Sie gar nicht gerechnet haben?

Piereth: Oh, da gibt es etliche. Vieles spricht Menschen an, die sonst nicht in Museen gehen. Dazu gehört zum Beispiel das Spiel der ,Kleinen Bauforscher’, in dem man selbst entscheiden kann, wie eine Burg wiederaufgebaut werden kann. Oder das Spiel zur Verteidigung der Burg im Wehrgang. Das fasziniert besonders Jungen und Männer.

 

Was würden Sie anders machen?

Piereth: Ich würde eine technisch so komplizierte Einrichtung wie die VR-Brille zur Simulation eines Ritterturniers lieber viel gründlicher vorab testen. Jetzt läuft sie zwar ziemlich stabil, aber wir hatten lange mit Defekten zu kämpfen und konnten sie deshalb nicht einsetzen.

 

Wo haben Sie einen Wow-Effekt bei den Besuchern festgestellt?

Piereth: Der tritt entweder schon im Innenhof der Burg ein oder spätestens, wenn sie den Kapellentrakt bzw. das Alte Schloss verlassen und den riesigen leeren Raum des Neuen Schlosses sehen. Dieser Mahnmalcharakter im Denkmal packt viele. Wir haben dort für die Zeitzeugen-Medienstation viel Mut gebraucht, denn es war nicht absehbar, ob das Gros der Besucher eines Mittelalter-Museums hier einen Zugang finden würde. Die Resonanz zeigt mir aber, dass wir es richtig gemacht haben.

 

Sie haben seit der Eröffnung mit einem üppigen Programm viele Menschen angelockt. Wird sich das im nächsten Jahr wiederholen?

Piereth: Die Veranstaltungen, die am besten ankamen, wiederholen wir und ergänzen sie um neue Angebote. Dazu gehören der Schwertkampf und das Nürnberger Aufgebot von 1474, die Vorführung des Steinmetzes, der Tanz in den Mai, und zwar als Tanzkurs, das Kochangebot und das Lichter-Event.

 

Ist die Cadolzburg zur Ihrem ganz persönlichen Liebling geworden?

Piereth: Sie ist auf jeden Fall ein Höhepunkt in meinem Berufsleben. Und sie zeigt, was man mit einer wunderbaren Teamleistung erreichen kann. Ich bleibe der Burg weiter erhalten und werde zu ein bis zwei Terminen wöchentlich aus München anreisen. 

Interview: BEATE DIETZ

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