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Unterschlauersbach: Beim Karpfen-Abfischen packen alle an

Auch das Schlammbaden gehört zum Ritual - 07.11.2015 11:00 Uhr

Karpfen-Abfischen in Unterschlauersbach. © Jana Mantel


Uwe Schultheiß hat die wichtigste Aufgabe am Weiher. Nach dem Abfischen werden nämlich jene Fische von den Vereinsmitglieder verzehrt, die nicht der „Karpfen-DIN-Norm“ entsprechen. Wie die lautet? Uwe Schultheiß lacht: „Das ist DIN nach Augenmaß!“ Er ist derjenige, der entscheidet, ob ein Karpfen als klein, mittel oder groß eingestuft wird.


Selbstverständlich gibt es auch bei einem Karpfen ein Idealgewicht. Zirka drei Pfund, denn wenn er dann halbiert auf dem Teller landet, bleiben 500 bis 600 Gramm übrig. Wie beim Menschen hat auch der Fisch nicht durchgehend Idealmaß. Immerhin entspricht aber ein Großteil der rund 300 im Frühjahr im Weiher ausgesetzten Fische den „DIN-Augenmaß-Normen“ von Uwe Schultheiß.
Beide Gasthäuser im Ort können sich ab sofort selbst aus den großen Wasserbassins auf dem Dorfplatz von Unterschlauersbach mit frischen Karpfen versorgen. Dass dieser beim Essen nach der getanen Arbeit gebacken serviert werden muss, versteht sich für die Mitglieder des Ortsvereins von selbst. Für die Kinder gibt es Fisch-Chips. Aber was passiert, wenn jemand keinen Fisch mag? Das kommt nicht so oft vor, immerhin wachsen die rund 230 Unterschlauersbacher, von denen 224 im Ortsverein organisiert sind, mit der Tradition des Karpfenessens auf.


So finden sich unter den 40 „Abfischern“ auch einige Kinder, die nicht nur die Wasserfestigkeit ihrer Gummistiefel testen. „Das Schlammbaden gehört zum Abfischen dazu und ist für viele Kinder das Highlight schlechthin“, berichtet Jürgen Schuster, Vorsitzender des Ortsvereins. Nicht wenige der Männer haben sich in jungen Jahren genauso wie India und Leonas im Schlamm gesuhlt. Beide Kinder finden die Schlammschlacht total cool und kommen dafür extra zum Abfischen.


Überhaupt ist Zimperlichkeit der Arbeit nicht zuträglich. Jeder legt Hand an und hilft mit, denn die Karpfen müssen zügig aus dem flachen Wasser geholt, in Kisten gelegt und zum Wasserbehälter transportiert werden. „Da kann es schon einmal passieren, dass der ein oder andere unfreiwillig die Wassertemperatur des Weihers testet“, meint Jana Schultheiß.

Auch sie selbst ist vor zwei Jahren beim Waten im schlammigen Wasser gemeinsam mit ihrer Cousine wortwörtlich baden gegangen, und zwar kopfüber. „Die Gummistiefel sind halt einfach im Matsch stecken geblieben…“
Trotz aller Geschäftigkeit ist auch für ein Probefischhalten genug Zeit. Auch wenn Matthias, 13 Jahre alt, der zum ersten Mal einen Karpfen im Arm hält, nur ein „Uaah“ herausbringt; so glitschig hatte er sich den Fisch dann wohl doch nicht vorgestellt.

„Das Abfischen ist ein festes Ritual im Jahr“, berichtet Jürgen Schuster stolz. Seit 1979 hat der Verein den Weiher von der Gemeinde gepachtet und kümmert sich um das Gewässer. Dazu gehört auch, dass jemand alle zwei Tage nach dem Rechten sieht und während der Sommermonate die Karpfen füttert. Dieser Aufgabe widmet sich Georg Striebel, der auch dem Vorstand des Vereins angehört.

Doch ist es mit der Karpfenzucht allein nicht getan, der Verein flutet den Weiher im Winter erneut so weit, dass man darauf Schlittschuhlaufen kann, und im Sommer wird von den Kärwaburschen auf dem Weiher ein Fischerstechen veranstaltet.

„Nein“, meint Jörg Hutfles grinsend, der diese Veranstaltung immer im Juli organisiert, „der erste Preis ist kein Karpfen. Eine Brotzeit wird dann verschenkt.“ Na dann: Mahlzeit.
  

Jana Mantel

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