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Von langen Vorreden hält Antje Yael Deusel nichts. Nur so viel: „Es ist gefährlich, wenn man über etwas spricht, worüber man zu viel weiß“, bekennt die Frau, die als erste in Deutschland geborene Jüdin nach der Schoah im eigenen Land zur Rabbinerin ausgebildet wurde. Sie habe sich deshalb „ein kleines Manuskript“ gemacht, wohl ahnend, dass der Abend lang werden könnte.
Doch dann legt sie die Papiere zur Seite und beginnt frei mit ihrem Vortrag, der so mitreißend ist, dass sich anderthalb Stunden lang niemand im Raum auch nur räuspern wird. Ein einziger heftiger Hustenanfall unterbricht kurz die gespannte Aufmerksamkeit. Aber selbst für diesen Moment ist Deusel gerüstet: „Ich habe Hustenbonbons dabei.“
Ihr Thema ist alt. „Die rituelle Beschneidung wurde stets auch kontrovers diskutiert“, macht die Rabbinerin der Israelitischen Kultusgemeinde Bamberg nüchtern klar, bevor sie sich doch ärgert über Unwissenheit, Vorurteile, bösartige Verleumdungen. Einen „kleinen Spaziergang durch die Geschichte“ verspricht sie ihren Zuhörern, die so zahlreich gekommen sind, dass zusätzliche Klapphocker aufgestellt werden müssen, um allen Platz zu bieten. Ihr Vortrag im Rahmen der Reihe „Raschis Töchter. Rabbinerinnen in Deutschland heute“ wurde vom Förderverein des Jüdische Museums Franken veranstaltet.
Antje Yael Deusel zuzuhören ist ein besonderes Erlebnis. Die 51-Jährige ist eloquent und schlagfertig, dabei verbindet sie umfassende Gelehrsamkeit mit Leidenschaft und Bodenständigkeit. Eine faszinierende Kombination. Während sie ihre Lesebrille weit vorne auf der Nasenspitze balanciert, gibt sie wie angekündigt einen ebenso weise gewählten wie umfassenden historischen Überblick, beleuchtet medizinische und religiöse Aspekte der Beschneidung. Deren Ursprünge liegen im Dunkel, schon die alten Ägypter kannten die Operation, für die man einst zum Steinmesser griff. „Das galt unter anderem als Zeichen der Aristokratie. Man kennt das bis heute in England, der Thronfolger Charles und seine Brüder sind beschnitten.“
Seit Abraham werden alle männlichen jüdischen Säuglinge an ihrem achten Lebenstag beschnitten: „Die Brit Mila ist Ausdruck des Bundes mit Gott.“ Die Diskussion darum spiegele aber durch die Jahrhunderte stets auch den Stellenwert der jüdischen Gemeinschaft und die Akzeptanz der Juden in ihrer jeweiligen Umwelt wider. Die Referentin berichtet, dass das „Auszeichnungszeichen des dem Ewigen geweihten Volkes“ oft geschmäht und lächerlich gemacht wurde. Sie zitiert Cicero und Horaz („Richtig unverschämt, was der geschrieben hat“) und macht klar: „Angriffe gegen die Beschneidung waren immer auch Angriffe gegen das Judentum an sich.“
Die Rabbinerin und Oberärztin in der Klinik für Urologie und Kinderurologie in Bamberg bezieht am Ende ihrer Ausführungen, die in vollem Umfang im April bei Herder als Buch erscheinen werden, unmissverständlich Stellung. Die Beschneidung — selbstverständlich unter strenger Beachtung von Punkten wie Hygiene, Anästhesie, Sterilität und Nachsorge — stehe für sie wie kein anderes Gebot für die Zugehörigkeit zum jüdischen Glauben. „Sie ist nicht verhandelbar und unverzichtbar auch in Zukunft.“



