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Montag, 18.06.2018

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Veitsbad: Warmduscher müssen draußen bleiben

"Eisschwimmer" um Lokalmatador Christof Wandratsch testeten für die Titelkämpfe - 12.12.2017 16:00 Uhr

Die Bedingungen passen: Die Eisschwimmer mit Christof Wandratsch (Mitte) im verschneiten Veitsbad. © Sebastian Zelada


"Take of your clothes!", zu Deutsch "Legt eure Kleider ab!", lautet der Startbefehl zum Eisschwimmen. Als die Durchsage von Veranstalter Oliver Halder im verschneiten Veitsbronner Veitsbad erschallte, fielen die Mäntel und Jacken der am Beckenrand aufgereihten Sportler. Zum Vorschein kamen abgehärtete Körper, die sich nicht scheuten, in das eisige, knapp zwei Grad kalte Wasser zu gleiten. Die dick in Winterjacken eingepackten Zuschauer fröstelte es bei Temperaturen knapp über Null dagegen schon beim Hinsehen.

Unter den Startern, die auch bei den eigentlichen Meisterschaften vom 5. bis 7. Januar 2018 durch das Eiswasser pflügen werden, fanden sich einige bekannte Namen der Szene. So ging die Veitsbronner Lokalmatadorin Birgit Becher (50) an den Start, aber auch Christof Wandratsch (50), der das Bad schon seit seiner Kindheit kennt.

Wandratsch war der wohl fitteste Schwimmer im Feld, mit muskulösen Oberschenkeln, dick wie Baumstämme, und einem durchtrainierten Körper, den er 2005 in der Weltrekordzeit von sieben Stunden, drei Minuten und 53 Sekunden durch den Ärmelkanal schaufelte.

Auch am Samstag "prügelte er die 1000 Meter ins Wasser", wie es Oliver Halder plastisch in seinem Internet-Livestream ausdrückte, den er wie ein Fußballkommentator kommentierte. "Wandi", wie Wandratsch von seinen Fans genannt wird, saß nach einem Kilometer im klirrend kalten Nass und einer Aufwärmphase in einer mobilen Sauna schließlich zufrieden in einem dampfenden Zuber mit 35 Grad warmem Wasser, der unter freiem Himmel aufgestellt war. "Saugut!", zog der gebürtige Veitsbronner Bilanz, während sich sein Körper vom Temperaturschock erholte: "Ich bin schneller geschwommen als bei den Weltmeisterschaften in Burghausen."

13 Minuten und zehn Sekunden zeigte die Stoppuhr diesmal an. In Burghausen waren es Anfang des Jahres noch sechs Sekunden mehr.

Solche Extremleistungen benötigen aber eine gute Vorbereitung, wie Oliver Halder erklärte: "Es gibt Sicherheitsvorkehrungen vor dem Start, mit EKG-Auswertungen und Blutdruckmessungen." Ein Wettkampfarzt und mehrere Retter sind stets zugegen. Sollte sich abzeichnen, dass Gefahr besteht, werden die Schwimmer aus dem Wasser geholt.

Doch die Strapazen haben auch etwas Gutes. "Es härtet in der Tat ab. Der Körper gewöhnt sich an die Temperaturen, baut Abwehrkräfte auf und die können dann schon dafür sorgen, dass man erkältungsfrei durch den Winter kommt", erklärt Halder. Bis es jedoch soweit ist, benötigen Sportler mindestens ein Jahr intensives Training. "Für die 1000 Meter sollte man dann bereits im Sommer im Freiwasser schwimmen und dann in den Herbst rein, bis in den Winter, mindestens zwei oder drei Mal die Woche."

Wichtig sei es, sich langsam heranzutasten. Ein "Wandi" fällt nicht einfach vom Himmel ins Eiswasser und auch harte Hunde wie Wandratsch wärmen sich nach dem Kampf mit dem Eiswasser jedes Mal behutsam auf. Denn nichts wäre törichter, als sofort eine heiße Dusche zu nehmen. "Dann riskiert man den sogenannten Afterdrop oder auch Bergungstod", warnt Halder. Dieser entstehe bei einer plötzlichen Temperaturänderung, die zu Herzrhythmusstörungen und im schlimmsten Fall sogar zum Tod führen könne. 

Sebastian Zelada

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