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Veitsbronner Erdbunker erinnert an schwere Zeiten

Mahnmal ist mit Leader-Unterstützung öffentlich zugänglich gemacht worden - 01.08.2017 13:00 Uhr

Gemeindeheimatpfleger Alfred Strunz (links) erläutert den Eröffnungsgästen — unter ihnen etliche Politiker — Einzelheiten zum Luftschutzbunker am Auracher Weg in Veitsbronn. © Foto: Ralf Jakob


Dieser Bunker, so erklärte es Gemeindeheimatpfleger Alfred Strunz, war einer von mindestens sieben Bunkeranlagen, die ab 1942 auf Eigeninitiative und in Eigenregie von den Bewohnern Veitsbronns zum Schutz vor den Luftangriffen der alliierten Bomberstaffeln auf deren Weg nach Nürnberg errichtet wurden. Die Anlage ist mit Schaufeln und Pickeln ohne jegliche Abstützung oder Deckenabdichtung in den Hang aus einem Lehm-Stein-Gemisch gegraben worden.

Etwa 20 Personen fanden in dem Erdbunker Platz, der etwa 15 Meter in den Hang hineinreicht. Allerdings mussten die sogenannten "Einsitzer" dort auf jegliche Infrastruktur wie Licht oder Sitzgelegenheiten verzichten. Wichtigstes Mitbringsel war damals die Volksgasmaske, die nur unter strengen Auflagen zum Preis von fünf Reichsmark erworben werden konnte.

Erst, wenn die örtlichen Sirenen Entwarnung gegeben hatten, trauten sich die Schutzsuchenden wieder ans Tageslicht. Etwa 200 Fliegeralarmsignale sind in den letzten Kriegsjahren in Veitsbronn ausgelöst worden. Das ist damals zuverlässig festgehalten worden, versicherte Strunz.

Von ihm stammt auch die Idee, die vor etwa 50 Jahren aus Sicherheitsgründen zugeschüttete Anlage wieder zu öffnen und sie als Denk- und Mahnmal zu erhalten.

Für Landrat Matthias Dießl ist die Erdbunkeranlage ein wichtiges Signal, um an die schwierigen Zeiten zu erinnern, in denen sich die Menschen während des Zweiten Weltkriegs befanden. Als Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe Leader, dem europäischen Programm zur Förderung ländlicher Räume, hat Dießl die Förderung von 50 Prozent der Gesamtkosten von 50 000 Euro unterstützt. Vom Freistaat Bayern waren weitere Zuschüsse gekommen, sagte Bürgermeister Marco Kistner.

"Für unsere jetzige Generation ist es unvorstellbar, selbst die Beine in die Hand zu nehmen, um in einem solchen Erdloch wie hier Schutz zu suchen vor der nahenden Todesgefahr." Deswegen war es der Gemeinde wichtig, so Kistner, mit dem Bunker die historische Bedeutung von Veitsbronn aufzuwerten.

Das Mahnmal kann man zwar nur wenige Meter betreten, aber es wurde informativ gestaltet und mit Aufenthaltsmöglichkeiten ausgestattet, um Besucher zum Verweilen und Nachdenken einzuladen. Der Veitsbronner Heimat- und Geschichtsverein hat die Betreuung der Anlage übernommen und wird viele weitere Veranstaltungen gegen das Vergessen folgen lassen. Wenn es gelingt, so Kistner, dass jeder Besucher dieses Mahnmals dadurch "den Frieden, den wir hierzulande genießen, wertschätzt, dann hat dieser Ort seinen Zweck mehr als erfüllt".  

RALF JAKOB

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