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Verwaist: Am Platz des himmlischen Sitzens fehlen nun die Stühle

Barbara Engelhards Stuhlperformance zum 200. Stadtjubiläum ist beendet — Die kleine Freiheit wurde zum illustren Treffpunkt für Menschen - 15.08.2018 10:00 Uhr

Blick zurück: Die Fürther Künstler Barbara Engelhard und Lutz Krutein nehmen Abschied von der Stuhl-Installation am Paradiesbrunnen. © Foto: Thomas Scherer


Ein festlicher Akt zum 200. Jubiläum der Stadterhebung sollte die Kunstaktion "kommt zusammen", von Barbara Engelhard sein. "Fast 500 Stühle waren es", resümiert sie am Schluss, nachdem sie nochmals gezählt und die Stühle mit Aufklebern versehen hat. Nun kehrt das Objekt, einst vielleicht vor dem Schredder gerettet und dann im öffentlichen Raum zu Ruhm gekommen, in den privaten Besitz zurück. Ein beabsichtigter Kreislauf. So viel ist geschehen, in den knapp drei Wochen. "Die Leute sollen hier stricken, ratschen, karteln, lesen, Picknick machen", hatte sich Engelhard gewünscht.

Und die Fürther haben ihre Kunst in Besitz genommen, während gleichzeitig am Nürnberger Hauptmarkt schon ein paar Bänke für Empörung sorgen: Ein heimlicher Buchfreund war nächtens unterwegs und legte Literatur auf Stühle. Ein Singkreis hat sich eingefunden und fröhliche Lieder gesungen. Das Ehepaar Zeulner, das acht Stühle gestiftet hat, die einst ihren Esszimmertisch umrahmten, kam vorbei. Der Nürnberger Videokünstler A Ti La hat Filme gedreht und den Zusammenschnitt online gestellt . Der chinesische Künstler Zheng Qiang, zu Gast aus Shenzhen bei Barbara Engelhard hat sich mit Gattin Zheng Ning hier schmunzelnd niedergelassen.

Nur das Chaiselongue, auf dem sich Künstlerin Engelhard zu Beginn der Aktion hatte fotografieren lassen, hat seine neue Berühmtheit nicht überstanden: es wurde geklaut. Es ist eine Untertreibung zu sagen, Barbara Engelhards Stühlekomposition habe Fürth belebt. Sie hat aus diesem glutheißen Ort einen Platz des himmlischen Sitzens gemacht.

Große Wirkung

Das wirft Fragen auf: "Warum können nicht ein paar Stühle bleiben. Es ist so schön hier geworden", sagt das Ehepaar Achleitner, das aus Erlangen eigens zur Finissage gekommen ist. Walter Landgraf, im Presseamt für Marketing und Sponsoren zuständig, hatte schon zu Beginn ein Orakel gesprochen. Im Hinblick auf das Jubiläum 2018 sagte er: "Manchmal machst du eine Aktion und überschätzt ihre Wirkung. Und manchmal gelingt dir ein Coup: etwas kleines Feines wird ganz wunderbar Groß".

Auch die Fürtherin Stefanie Weimer, die hier saß und die Biografie von Patti Smith zu Ende gelesen hat, wird ihren Platz vermissen. Obwohl: Sie hat sich für einen abgesessenen Künstlerschemel entschieden, besitzt und besetzt ihn und wird ihn – signiert – nach Hause tragen: "Er stand im Atelier von Rubin Hirschbeck. Er hat von dort aus Aktzeichnungen angefertigt", hat sie recherchiert. Sie will ihn nutzen und daheim ihren E-Bass spielen und üben. 

PETER BUDIG

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