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Vier Kreuzchen, bitte: Gebrauchsanleitung für die Wahl

Die FN erklären, was diesen Sonntag zu beachten ist und welche lokalen Besonderheiten es gibt — Acht Abgeordnete im Landtag? - 13.10.2018 16:00 Uhr

15 Parteien gehen am Sonntag mit ihren Kandidatenlisten ins Rennen: Asena Kirca, derzeit als Auszubildende im Fürther Bürgeramt, zeigt den großen weißen Zettel für die Zweitstimme bei der Landtagswahl. © Foto: Thomas Scherer


180 Landtagsabgeordnete gibt es in Bayern insgesamt. Stadt und Landkreis Fürth gehören zu zwei von 91 Stimmkreisen im Freistaat, in denen jeweils ein Direktkandidat ins Maximilianeum gewählt wird. Die übrigen 89 kommen über die Listen der Parteien in den sieben Wahlkreisen in den Landtag, die Bayerns Regierungsbezirken entsprechen.

Wie viele Parlamentarier jedem bayerischen Bezirk zustehen, resultiert aus dessen Einwohnerzahlen. Mittelfranken schickt demnach 24 Abgeordnete nach München, die Hälfte davon per Direktmandat. Zum Vergleich: In Oberfranken und der Oberpfalz sind es jeweils 16, das besonders bevölkerungsreiche Oberbayern bekommt mit stolzen 61 Parlamentariern das größte Kontingent zugesprochen.

In den beiden hiesigen Stimmkreisen hat der Bürger, wie überall im Freistaat, am Sonntag von 8 bis 18 Uhr die Qual der Wahl: Um den Einzug in den Landtag bewerben sich 15 Listen — von der CSU bis hin zu Splittergruppen wie der "Partei für Gesundheitsforschung" oder der "V-Partei" – das V steht für Veränderung, Vegetarier und Veganer. In beiden Stimmkreisen gehen zudem je zwölf Direktkandidaten ins Rennen. Für den Bezirkstag – das mittelfränkische Regionalparlament, das ebenfalls am Sonntag gewählt wird – bewerben sich zwölf Parteien und Direktkandidaten.

Jeder Wahlberechtigte kann am Sonntag jeweils ein Kreuzchen auf jedem der vier Zettel machen. Die Unterlagen für die Landtagswahl sind dank der Farben leicht von jenen der Bezirkswahl zu unterscheiden: Weiß steht für den Landtag, blau für den Bezirkstag.

Bei den Direktkandidaten — das sind die Zettel, über denen Erststimme steht — ist ganz einfach einer der Bewerber anzukreuzen. Alles andere macht das Votum ungültig. Bei der Zweitstimme kann ebenfalls ein Bewerber aus einer der Listen gewählt werden. Allerdings tauchen hier die Direktkandidaten des jeweiligen Stimmkreises nicht auf; für sie können nur die Wähler aus allen anderen mittelfränkischen Stimmkreisen votieren.

Mit der Zweitstimme können die Wähler auch Einfluss auf die Reihenfolge innerhalb einer Liste nehmen. Bewerber mit vielen Stimmen können so nach vorne katapultiert werden und haben bessere Chancen, in den Land- oder Bezirkstag einzuziehen.

Bei den Zweitstimmen gibt es zudem ein Kuriosum: Wer ein Kreuz im Kopfkasten des Listenvorschlags macht, obwohl dort im Gegensatz zu anderen Wahlen kein kleiner Kreis für die Stimmabgabe vorgesehen ist, oder wer innerhalb ein und derselben Liste mehrere Bewerber ankreuzt, macht sein Votum dadurch nicht ungültig. Die Stimme wird dennoch als Stimme für die jeweilige Partei gewertet. Aber Vorsicht: Kreuzchen bei verschiedenen Listen sind nicht erlaubt.

Die beiden hiesigen Stimmkreise haben ganz erheblich von der Reform von 2006 profitiert. Denn weil damals der Stadt Fürth auch die großen Landkreisstädte Zirndorf, Oberasbach und Stein zugeschlagen wurden, steht hier nun ein weit größeres Stimmenpotenzial zur Verfügung: Mit knapp 133 000 Wahlberechtigten — davon exakt 86 866 in Fürth — ist der Stimmkreis 509 nun der zweitgrößte in Mittelfranken.

Dicht gefolgt vom Stimmkreis 510, dem neben dem Kreis Neustadt-Bad Windsheim die restlichen elf Kommunen des Landkreises Fürth angehören. Das erhöht natürlich die Chancen der Kandidaten, dank vieler potenzieller Wählerstimmen in der Listenreihung weiter vorn zu landen.

Apropos Chancen: Bei dieser Wahl könnten aus den Stimmkreisen 509 und 510 neben den Gewinnern oder Gewinnerinnen des Direktmandats sage und schreibe sechs, vielleicht sieben weitere Männer und Frauen via Liste den Sprung ins Bayern-Parlament schaffen. Sollte wie 2013 Petra Guttenberger (CSU) im Stimmkreis Fürth die Nase vorn haben, wird ihr wohl erneut Fürths SPD-Vorsitzender Horst Arnold folgen. Denn: Er belegt Rang 1 der Mittelfranken-Liste seiner Partei.

Im ländlich und deshalb konservativer geprägten Stimmkreis Neustadt-Bad Windsheim/Fürth-Land gilt der Gewinner von 2013, der CSU-Mann Hans Herold, trotz seiner schwächelnden Partei als Favorit. Ob es auch für seinen SPD-Herausforderer Harry Scheuenstuhl aus Wilhermsdorf per Liste erneut für ein Mandat reichen wird, muss sich zeigen: Scheuenstuhl hat bei den Sozialdemokraten Platz sieben inne. Das könnte angesichts des prognostizierten schwachen SPD-Wahlergebnisses eng werden.

Beste oder zumindest gute Chancen, es über die Liste zu schaffen, haben dagegen die bereits im Landtag vertretene Uehlfelderin Gabi Schmidt (Freie Wähler) mit Listenplatz 2 ihrer Partei, die Fürther Grüne Barbara Fuchs (Listenplatz 3) sowie die beiden AfD-Bewerber Raimund Swoboda aus Markt Erlbach (Listenplatz 1) und Claus-Georg Pleyer aus Zirndorf (Rang 3).

Sollte seine Partei die Fünf-Prozent-Hürde überspringen und damit in den Landtag einziehen – was laut letzten Umfragen allerdings knapp scheitern könnte – , dürfte außerdem der Fürther Niklas Haupt von der Linkspartei seinen Sitz sicher haben. Er steht auf Platz 1 der Linken-Liste.

Wie viele der 24 mittelfränkischen Sitze eine Partei erhält, hängt von ihrem prozentualen Ergebnis ab. Bekommt beispielsweise eine Partei 33 Prozent der Stimmen, hat sie Anspruch auf ein Drittel, also acht Mandate. Anders als bei der Bundestagswahl zählt übrigens nicht nur die Zweitstimme – vielmehr werden bei der Landtagswahl Voten für die Direktkandidaten und die Zweitstimmen zum Gesamtergebnis der Partei addiert. Im Klartext: Die Erststimmen der unterlegenen Direktkandidaten sind nicht "verloren".

Nimmt man den bisherigen Andrang auf Briefwahl-Unterlagen als Gradmesser, könnte die Wahlbeteiligung höher liegen als beim Urnengang vor fünf Jahren mit damals bescheidenen 57,1 Prozent in Fürth. Nach Auskunft von Rainer Baier, als Bürgeramtsleiter zuständig für Wahlen, hatten sich bis gestern Mittag 16 283 Menschen in der Kleeblattstadt für die Abstimmung per Post entschieden. Vor fünf Jahren waren es noch rund 2200 weniger.

Baier beobachtet seit längeren den starken Trend hin zur Briefwahl. Zum einen vermutet er dahinter eine gewisse Bequemlichkeit – zum anderen aber auch, dass der Bürger daheim in der guten Stube in aller Ruhe abwägen möchte, wo er sein Kreuzchen macht.

Die FN bieten am Wahlabend einen Ergebnisdienst und aktuelle Informationen. Neben Liveticker, Prognosen und Stimmen der Bewerber können Sie unter www.nordbayern.de/fuerth sofort nach der Auszählung auch die Ergebnisse der hiesigen Direktkandidaten abrufen.  

Wolfgang Händel

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