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Herr Kuch, muss ich die Fragen überhaupt stellen? Sie wissen doch bestimmt, was ich sagen will.
Christoph Kuch (grinst): Na ja, Sie wollen gerne wissen, wie ich Magier geworden bin. Und wie die Weltmeisterschaft lief...
...nicht schlecht. Aber dafür muss man wohl keine Gedanken lesen können.
Kuch: Richtig. Was ich mache, nennt sich ja aber auch Mental-Magie, eine Mischung aus Zauberei und Psychologie. Das heißt, ich bediene mich verschiedener Methoden dieser Bereiche, so dass dieses vermeintliche Gedankenlesen herauskommt.
Wie bitte?! Vermeintlich?
Kuch: Gedankenlesen wäre ja etwas Übersinnliches. Und solche Fähigkeiten habe ich nicht.
Und das darf ein Magier zugeben? Da geht ja eine Menge Illusion dahin.
Kuch: Die Illusion erwecke ich in meinen Geschichten schon, keine Sorge. Es gibt natürlich Magier, zum Beispiel Mentalisten wie Uri Geller, die behaupten, von Außerirdischen entführt worden zu sein.
Und Sie bleiben auf dem Erdboden.
Kuch: Ich bin zumindest nicht vom Bobbycar angefahren worden und sehe jetzt fliegende weiße Mäuse.
Also besteht Ihre Show aus Tricks...
Kuch: Uh, Tricks hören Mental-Magier ungern. Es sind Experimente.
Verraten Sie uns eins ein einfaches?
Kuch: Die Münze ist ein gutes Beispiel. Wenn Sie jetzt eine Münze hinter dem Rücken in eine Hand nehmen und dann Ihre Hände nach vorne strecken, zeigt die Nasenspitze bei 80 Prozent der Leute in Richtung der Münze. Das ist direktes „Gedankenlesen“.
So einfach?
Kuch: Moment. Es bleiben ja noch 20 Prozent. Wie man die ausschließt, das ist die Zauberei.
Und das klappt immer?
Kuch: Nicht unbedingt. Das ist auch das Schöne an der Mental-Magie: Man weiß nie, was einen erwartet. Weil man von den Zuschauern abhängig ist, nicht von Requisiten.
Ist das Publikum auf dem launigen 80. Geburtstag mental leichter zu knacken als das Firmen-Event der Teilchen-Physiker?
Kuch: Man muss das Eis brechen — und zwar in beiden Fällen. Das Problem ist eher das verstaubte Image der Zauberei. Die Leute erwarten noch immer den Mann im Glitzeranzug, der einen Hasen aus dem Hut zaubert. Wenn ich aber von psychologischen Tricks erzähle, überrasche ich oft schon sehr viele so. Das macht es leichter. Und bei Firmen-Partys schnappt man sich eh zuerst den Chef, das freut alle.
Soll die Menge lachen oder zittern?
Kuch: Eigentlich beides. Zu einer guten Darbietung gehört Staunen, Spaß — und natürlich auch Spannung.
Und woher kommt die?
Kuch: Zum Beispiel durch das recht bekannte Experiment mit dem Nagel unter den vier Pappbechern. Jemand aus dem Publikum entscheidet, wo der Nagel ist, sagt es aber nicht. Ich muss dann — wieder durch Zauber und Psychologie — entscheiden, auf welchen Becher ich schlage.
Zeigen Sie mal Ihre Hände.
Kuch (lacht und zeigt narbenfreie Hände): Hat bisher immer geklappt. Aber dafür nehme ich auch eher Frauen, die sind für Magie offener und deshalb leichter zu lesen.
Muss man eigentlich aufpassen, wenn man zu Ihrem Freundeskreis gehört. Sie können die Menschen offensichtlich gut beeinflussen.
Kuch: Privat mache ich das nicht. Und bei meiner Frau und meinen zwei Kindern klappt das auch gar nicht.
Dafür aber vor großer Kulisse. Wie war das mit der Magier-WM?
Kuch: Ein irres Erlebnis. Ich habe vor 3000 Magiern meine Show zeigen dürfen. Die Leute sind ausgeflippt.
Die Jury auch. Sie sind nun offiziell nicht nur Deutscher Meister, sondern Weltmeister der Mental-Magier.
Kuch: Das ist wirklich toll. Vor allem, weil ich an meiner Nummer zehn Jahre gefeilt habe und sie in meinem Kopf entstanden ist.
Wie geht das Meisterstück?
Kuch: Ich erzähle die Geschichte eines Buchs, das von einem gesunkenen Schiff namens „Titan“ erzählt, bei dem zahlreiche Menschen ums Leben kommen. Das erstaunt die Leute schon. Denn: Dieses Buch existiert wirklich — und wurde weit vor dem Untergang der Titanic geschrieben. Ein Exemplar habe ich dabei. Dann hole ich jemandem auf die Bühne und berichte von einer Tauchfahrt zum Wrack der Titanic, nehme ihn mental mit auf die Reise. Der Zuschauer sagt mir dann drei Fakten — zum Beispiel, ab welcher Tiefe das Wrack zu sehen ist. Am Ende steckt in dem Buch ein Brief, wo unter anderem genau diese Zahl steht.
Beeindruckend. Und wie das geht, kann man nicht im Internet lesen?
Kuch: Sicher nicht. Sonst hätten das ja die anderen Teilnehmer (160 Magier; Anm. d. Red.) auch machen können.www.gedankenexperimente.com




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