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Eine Umfrage unter den rund 100 Bürgern im vollbesetzten Versammlungsraum nach dem Unwort des Jahres 2011 hätte vermutlich ein überwältigendes Ergebnis geliefert: „Gestaltungssatzung“.
Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich ein Regelwerk, das das Architekturbüro Sesselmann in Abstimmung mit der Stadtverwaltung und dem Landratsamt in drei Jahren erarbeitet hat. Diese Satzung regelt nicht nur die äußere Form von Bauvorhaben, sondern legt relativ detailliert fest, welche Farbtöne bei Fassaden zum Einsatz kommen dürfen, wie Gartenzäune beschaffen sind oder wie groß Fenster sein sollen.
Auslöser waren, wie Bürgermeisterin Birgit Huber im Rückblick schilderte, „größere Umgestaltungsbestrebungen“ im Bereich des Glocken- und des Milbenweges in den Jahren 2006/2007. Ein örtlicher Bauunternehmer hatte sich ein Areal gesichert, um dort Wohnhäuser zu errichten. Im September 2008 empfahl der Bau- und Umweltausschuss dem Stadtrat, eine derartige Satzung zu erlassen. Ein Prozess, der begleitet von einer Grobanalyse für den Altort, einer Gestaltungsfibel, einer Ausstellung beim Heimatverein, einer Umfrage und einem Informationsabend im Juli vergangenen Jahres abgeschlossen schien. Damals stand die Verabschiedung der Satzung auf der Tagesordnung der Stadträte. Das Gremium sah jedoch von diesem Schritt ab. Der Grund: Massive Bürgerproteste.
Bisher behilft man sich mit einer sogenannten Veränderungssperre, um den Ist-Zustand im Alt-Ort zu erhalten. Im Fall des Wohnbauprojekts am Milbenweg wurde ein Bebauungsplan aufgestellt. Eine unbefriedigende Praxis. Deshalb sucht die Stadt gemeinsam mit den Bürgern einen neuen Weg: In vier Arbeitsgruppen sollen die Alt-Oberasbacher unter Anleitung von Experten ihre Gedanken und Vorstellungen für ihr Wohnquartier einbringen. Die Themen: „Verkehr/Erschließung der Grundstücke“, „Ortsbild/Baugestaltung“, „Nutzung/Dichte“ und „Grün/Umwelt/Freiräume“. Auch hier zeigte sich Konfliktpotenzial: Sie wolle sich selbst überlegen, wie sie Ihr Gebäude nutze, monierte eine Frau aus der Hirtengasse. „Arbeiten sie mit, vielleicht sind Sie Ideengeberin für andere“, warb Martina Dietrich von der Bauverwaltung.
Die aus den Arbeitskreisen gewonnenen Erkenntnisse sollen in eine Rahmenplanung einfließen, die aufzeigt, in welche Richtung sich der Altort entwickeln möchte. Dieses informelle Werk kann dann auch die Grundlage dafür bilden, im Ortsteil Sanierungsgebiete auszuweisen, in denen Grundstückseigentümer steuerlich begünstigt investieren können. „Historische Werte erhalten und Neues einfügen — und zwar so, dass es harmoniert“, beschreibt Architektin Brigitte Sesselmann das übergeordnete Anliegen. Am 6. März findet ein erstes Treffen statt, bis zur Sommerpause, so hoffen Expertin und Stadtverwaltung, sollte „die Sache erledigt sein“.
In einem weiteren Schritt sollen dann die im Altort geltenden unterschiedlichsten Bebauungspläne korrigiert werden: „Es soll gleiches Recht für alle gelten“, beschrieb Kristina Vogelsang vom Architekturbüro Sesselmann das Anliegen.
Den Bürgern, das machten die zahlreichen Wortmeldungen deutlich, brennt jedoch ein ganz anderes Problem auf den Nägeln: Besagte Gestaltungssatzung. Die Menschen fühlen sich von den Bestimmungen „geknebelt“ beziehungsweise „eingeengt“. Sie wolle sich nicht vorschreiben lassen, welche Ziegel und welchen Farbton sie verwenden solle, sagte eine Anwohnerin aus der Hirtengasse. „95 Prozent der Alt-Oberasbacher lehnen die Satzung ab“, meinte eine Bürgerin aus der Albrecht-Dürer-Straße: „Richtlinien ja, aber keine Satzung.“ In mehreren, teils mit Beifall bedachten Wortmeldungen, wurde gefordert, sowohl die Veränderungssperre aufzuheben als auch die Empfehlung des Bau- und Umweltausschusses aus dem Jahr 2008 rückgängig zu machen (Siehe auch Artikel links).
Was passieren würde, sollte sich ein Bauträger eine größere Fläche sichern, fragte ein Bürger aus der Leichendorfer Straße. „Damit treffen sie des Pudels Kern“, antwortete Kristina Vogelsang, man habe dann keine Handhabe. Brigitte Sesselmann appellierte deshalb an die Anwesenden, nicht damit zufrieden zu sein, eventuell die Gestaltungssatzung rückgängig zu machen. Engagement und Mitarbeit in den Arbeitsgruppen sei vielmehr gefordert, um über die Rahmenplanung als grundlegenden Schritt „den Ort fit zu machen für die Zukunft“.



