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Vorsicht Wildwechsel: Unfälle im Landkreis häufen sich

Statistik: in der Umgebung von Fürth nimmt die Zahl der Kollisionen mit Rehen drastisch zu - 13.08.2017 16:00 Uhr

Bereits 2010 haben die Jäger um Jürgen Meier (li.) an der B 14 zwischen Stein und Großweismannsdorf blaue Reflektoren montiert, um das Wild vom Queren abzuhalten. Zudem werden Schilder aufgestellt, die vor Wildunfällen warnen. © F.: Scherer/Verkehrswacht Niedersachsen


Zwar waren die Wildunfälle — das Gros der im Verkehr "erlegten" Tiere sind Rehe — mit 356 bei der Polizei gemeldeten im vergangenen Jahr leicht rückläufig, trotzdem liegt die Zahl seit 2012 auf anhaltend hohem Niveau. Karl-Heinz Harlacher, Leiter der Straßenverkehrsbehörde am Landratsamt, und die Kreisjägerschaft haben sich vor diesem Hintergrund an ein Wild-Monitoring gemacht und die Statistik für den Zeitraum 2011 bis 2016 hinterfragt.

Schultes Resümee: Es gibt fast keine Straße, wo es keine Wildunfälle gibt. Allerdings haben sich fünf Brennpunkte herauskristallisiert: Besonders häufig geraten demnach Wild und Blech auf der Kreisstraße Raindorf, auf der Staatsstraße zwischen Ammerndorf und Cadolzburg, an der B 14 zwischen Großweismannsdorf und Gutzberg sowie auf der Kreisstraße zwischen Wachendorf und Cadolzburg aneinander.

Trauriger Spitzenreiter

Den traurigen Platz 1 mit 34 Wildunfällen hielt 2016 der Staatsstraßenabschnitt zwischen Weinzierlein und Roßtal, was Roßtals Bürgermeister Johann Völkl veranlasste, die Bevölkerung via Mitteilungsblatt um erhöhte Vorsicht und angepasste Geschwindigkeit in diesem Bereich zu bitten. In allen Fällen handelte es sich um Bereiche, in denen der Lebensraum fürs Rehwild noch attraktiv ist, Äsungsflächen nah sind oder Wald und Hecken bis fast an die Fahrbahn reichen, erklärt Schulte.

Die Ursachen für die hohen Fallzahlen sind ihm zufolge vielfältig: Die wachsende Bevölkerung und damit einhergehend mehr Verkehr; aber auch den hohen Freizeitdruck im dicht besiedelten Landkreis Fürth macht er dafür verantwortlich. Beleg ist seiner Meinung nach die Erkenntnis, dass es vor allem zwischen November und Februar zwischen Auto und Wild kracht. "Es ist eigentlich die Zeit, in der Rehe mangels Futterangebot ihren Stoffwechsel herunterfahren und absolute Ruhe suchen, doch da werden sie offensichtlich von Joggern, Spaziergängern oder Reitern dermaßen gestört, dass sie Tag und Nacht unterwegs sind." Im eigenen Revier in Wilhermsdorf-Meiersberg saß Schulte unlängst auf dem Hochsitz an. In nur einer Stunde kamen 15 Jogger vorbei.

Das Wild von den Straßen zu lenken, sei schwierig, sagt Harlacher, die Einzäunung von stark befahrenen Straßen teuer. "Und wir können das Wild ja auch nicht kasernieren." In punkto Warnschildern verweist Harlacher darauf, dass die Behörden angehalten sind, sich bei Verkehrszeichen in Zurückhaltung zu üben. Die ausgemachten Wildunfallschwerpunkte lägen überwiegend in Waldgebieten "und dort hat der Kraftfahrer per se mit Wildwechsel zu rechnen, da brauchen wir dann nicht auch noch ein Schild dazustellen". Nur vereinzelt, wenn es zwischen freien Feldern zu Wildunfällen gekommen sei, ordnet die Straßenverkehrsbehörde noch das Warnschild mit dem springenden Hirschen an.

Allerdings hat der Landkreis im vergangenen Jahr drei großformatige Warnschilder der Verkehrswacht aufgestellt: Ein Rehkitz mit großen Augen wirbt auf ihnen, langsam zu fahren. In der Auswertung der Statistik kommt die Polizei zu dem Schluss, dass diese Schilder die etwas geringeren Wildunfallzahlen begünstigt haben könnten. Sie waren nur vorübergehend gestanden. Die folienbeklebten Papierplakate sind nicht allzu witterungsbeständig. Neue hat Harlacher schon bestellt. "Letztlich können wir nur versuchen, die Kraftfahrer zu sensibilisieren", sagt er.

Dann gäbe es noch die Möglichkeit, blaue Warnreflektoren oder -bänder an den Straßenpfosten zu befestigen, was Jäger bereits vereinzelt etwa bei Gutzberg und Vogtsreichenbach veranlasst haben. Sie haben Schulte zufolge gute Erfahrungen damit gemacht. Anders sieht man das bei der Polizei: Nur für kurze Zeit hielten sie das Rehwild ab, meint Steiger.

Und die Reflektoren sind nicht ganz billig. Der Versuch, Jäger für eine Sammelbestellung über die zwei Hegeringleiter zu gewinnen, lief bis dato ins Leere. "Die Resonanz war äußerst verhalten. Da ist noch viel Luft nach oben", so Schulte. Ihm zufolge gibt es bereits Kommunen, die sich an den Kosten dafür beteiligen. In Österreich finanzierten sogar Versicherungsunternehmen Reflektoren mit. Doch den Kommunen Bayerns hat das Innenministerium empfohlen, die Warnleuchten nicht zu subventionieren, da ihr Effekt nicht erwiesen sei. "Wildunfälle", sagt Schulte, "wird es immer geben, aber wir müssen versuchen, sie zu reduzieren." Kein Weg ist für ihn, die Abschusszahlen für Rehe im Umfeld von Unfallschwerpunkten zu erhöhen, wie es die SPD in Person von Landtagsabgeordnetem Harry Scheuenstuhl jetzt forderte. Das zeuge von einer gehörigen Portion Missachtung "eines hochentwickelten Tieres, das zu unserer Kultur gehört".

Rehfreund Schulte würde sich generell wünschen, dass die Autofahrer defensiver fahren. Und setzt wie Verkehrsfachmann Steiger auf die kostenlose App Wuidi (für Android und iphone). Ist sie am Smartphone installiert, warnt sie optisch und akustisch, sobald sich der Fahrer einem Gebiet mit erhöhtem Wildwechsel nähert. Doch sie hat sich noch nicht durchgesetzt — weder bei Jägern, die Gefahrenstellen im Revier in das Portal einspeisen müssten, noch bei Autofahrern.  

SABINE DIETZ

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