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Weihnachts-Warm-up: Mit der Kanzlerin im Dornwald-Gestrüpp

"Oh Tannenbaum": Mitreißende und amüsante Zweitauflage im Theater - 23.12.2017 18:08 Uhr

Auf den Spuren des schnatternden US-Präsidenten: Drummer und Quatschmacher Yogo Pausch (2.v.li.) mit Saxofonist Norbert Nagel (li.), Jutta Czurda und Tom Haydn. © Foto: Edgar Pfrogner


Baum, Großvatersessel, Geschenke, alles da. Am Flügel sitzt Jo Barnikel und stimmt die Melodie zu "Morgen, Kinder, wird's was geben" an, Norbert Nagel übernimmt die Stimmführung an der Klarinette, und Yogo Pausch lässt am Schlagzeug den Puls der Musik hörbar werden.

Musik ist in der Vorweihnachtszeit allgegenwärtig, tönt aus dem Radio, aus Lautsprechern am Christkindlesmarkt und kann als "Last Christmas" in Dauerschleife in den Läden schon mal zum zusätzlichen Stressfaktor werden. Aber wie steht es mit dem eigenen Musizieren und Singen unterm Weihnachtsbaum? Der Abend im restlos ausverkauften Stadttheater lässt vermuten, dass die Tradition nicht so tot ist, wie man vielleicht denken mag. Immerhin sind 700 Besucher da, nicht nur, um weihnachtliche Musik zu hören, sondern um mitzusingen — und sich vielleicht wieder mit Texten vertraut zu machen, die nur noch bruchstückhaft im Gedächtnis vorhanden sind.

"Ihr Kinderlein kommet", "Leise rieselt der Schnee", "Oh du fröhliche", "White Christmas": Die Texte berühmter alter und neuer Weihnachtslieder finden ihren Weg auf die Leinwand hinter der Bühne und ertönen vielhundertfach. Wie schon im vergangenen Jahr wird da "Kommet, ihr Hirten" mit einem Ostinato aus Männerstimmen eingeübt und "Leise rieselt der Schnee" mit einem Echo von den Rängen herunter versehen. Schließlich leben weihnachtliche Traditionen ja davon, dass sie im Kern alle Jahre wieder das Gleiche enthalten.

Dass "Oh Tannenbaum" 2017 trotzdem nicht einfach nur eine Eins-zu-eins-Wiederholung des ersten Weihnachts-Warm-ups ist, dafür sorgen Überraschungsgast Lilo Kraus, die im zweiten Teil mit ihrer Harfe die Musikerriege verstärkt, und Chansonnier-Kabarettist Tom Haydn, der die politisch-gesellschaftlichen Ereignisse des zu Ende gehenden Jahres Revue passieren lässt. Dass "Angela durch ein’ Dornwald ging und sich im Gestrüpp verfing" und Schwarz-Gelb-Grün daran gescheitert ist, dass niemand gerne von einem Hämatom regiert werden möchte, sorgt zwischen den leiseren Tönen für willkommenes Amüsement. Und wenn Yogo Pausch zu einem österreichisch-englischen Weihnachtsgedicht die Ansprache des Präsidenten mit einem aufgeregten Gänsegeschnatter vertont, hat die erratische US-Politik des Jahres 2017 wenigstens einmal einen positiven Effekt gehabt.

Am Ende kehrt alles dahin zurück, wo Weihnachten begonnen hat: zur Weihnachtsgeschichte aus dem Lukasevangelium, gefolgt von dem einen Weihnachtslied, dessen Text wahrscheinlich wirklich jeder kennt, egal wie lange das letzte gemeinschaftliche Singen unterm Christbaum auch her sein mag: "Stille Nacht, heilige Nacht" tönt es laut von fern und nah aus den Reihen des Stadttheaters. 

SIGRUN ARENZ

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