Donnerstag, 15.11.2018

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Wenn der Urwald jazzt und jammt

Finale der Fürther Jazzvariationen mit einer tierischen Band im Kulturforum - 30.10.2018 15:00 Uhr

Sprecher Alex Teubner erzählt von den Abenteuern des Nasenbären Erwin und hat dabei eine mächtige Klangkulisse im Rücken. © Foto: Giulia Iannicelli


Wenn Alex, der Alligator, sein Akkordeon bearbeitet und mit abenteuerlichen Ausreden erklärt, warum er so oft zu spät kommt, wenn der ewig hungrige Orang-Utan Gismo am Schlagzeug beweist, dass er ein Drummer mit unerschütterlichem Timing ist, dann bleibt kein Auge trocken. Tritt aber Bandchef Erwin in Aktion, der Nasenbär, der auf seiner eigenen Nase so wunderbar trötet wie kein anderer Musiker, dann bebt nicht nur der Urwald, nein, es entstehen Welthits.

Die Familien und besonders die Kinder sind begeistert von den liebevollen, lebensechten Charakterportraits der Figuren. Komponist Volker Kriegel, der 2003 starb, dürfte wohl manche Züge seiner Kollegen vom "United Jazz & Rock Ensemble" für dieses Hörstück aufgegriffen haben. Weil er aber ein echtes Multitalent war und nicht nur als Jazzgitarrist auftrat, sondern auch Comics zeichnete und Geschichten schrieb, schuf er in Zusammenfassung seiner Begabungen ein Gesamtkunstwerk.

Sein "Erwin mit der Tröte" ist auch ein höchst unterhaltsames Kinderbuch mit tollen Bildern. Und was gibt es zu hören, wenn das Groove Legend Orchestra in die Rollen der musikalischen Wildtiere schlüpft? Barocke Trötenklänge von Torelli, Klassisches, Bebop-Standards, Piazzolla-Bearbeitungen und sogar Rock.

Doch dann, so erzählt es Sprecher Alex Teubner, zerbricht die Idylle. Der Tierstimmenforscher Professor Higgins taucht auf und ist verzaubert von Erwins Musik, denn seine Trötennase klingt lebendiger als eine Klarinette, sinnlicher als ein Saxofon und strahlt heller als eine Trompete. Darum überredet er den munteren Nasenbären, ihm nach Europa zu folgen, um dort die großen Konzerthäuser zu erobern und ein Star zu werden.

Erwin macht mit, aber glücklich ist er damit nicht. In der Fremde fühlt er sich einsam und vermisst nicht nur seine Bandfreunde, sondern vor allem seine geliebte Rosa, der ein herzergreifender Blues gewidmet ist. Was ist die Mailänder Scala schon gegen den Strand von Sansibar und was ist das viele Geld gegen Rosas Liebe? Also kehrt Erwin nach einem Besuch im Nürnberger Tiergarten und einer Jamsession mit den dortigen Tieren nach Hause zurück.  

CLAUDIA SCHULLER

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