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Wie sinnvoll ist der Veggie Day?

Den Wunsch der Grünen nach einem vegetarischen Tag in Kantinen teilen manche Fürther - 08.08.2013 09:00 Uhr

Brokkoli statt Bratwurst: Im Fürther Klinikum würde man einen Veggie Day befürworten. © dpa


Sicherlich, wir Deutschen gelten als Fleischliebhaber: Egal ob Schwein, Rind oder Huhn — 61 Kilogramm essen wir pro Kopf und Jahr. Dabei lebt fast jeder Zehnte vegetarisch. Den Grünen ist das nicht genug: Ginge es nach ihnen, würde jeder zumindest einmal wöchentlich zum Fleischverächter werden. Die Öko-Partei wünscht sich in Zukunft einen komplett vegetarischen Donnerstag (wir berichteten im Hauptteil). Im Wahlprogramm heißt es: „Öffentliche Kantinen sollen Vorreiterfunktion übernehmen.“ Und weiter: „Angebote von vegetarischen oder veganen Gerichten und ein Veggie Day sollten zum Standart werden.“

Dem anschließen kann sich Martin Vitzithum, Betriebsmanager im Fürther Klinikum: „Ich persönlich würde diese Regelung befürworten.“ Allerdings könnte es wohl schwierig werden, jeden zu zwingen, einmal in der Woche auf die Currywurst — übrigens auch in der Krankenhauskantine das beliebteste Gericht — zu verzichten. Auch ohne Veggie Day gibt es im Klinikum täglich zumindest ein fleischloses Gericht. „Diesen Donnerstag würde ich Frau Künast von den Grünen ein Gemüseschnitzel mit Blattsalat und Salzkartoffeln anbieten“, sagt Vitzithum lachend.

Sehr viel vegetarische Kost gab es früher sogar bei Metzgermeister Josef Messerer, zu dessen Kunden die Kinder aus der Grund- und Mittelschule Schwabacher Straße zählen. „Das ist aber nicht gut gegangen“, erinnert er sich. „Die Leute erwarten doch ein schönes Stück Fleisch, wenn sie hierher kommen.“  Er selbst verzichtet einen Tag in der Woche auf Wurst- und Fleischwaren — ganz freiwillig. Auch bei Kindern appelliert er hier lieber an die Vernunft. Kontrollbedarf sieht er eher beim Zuckerkonsum: „Die Schokoriegel habe ich schon ganz hinten im Laden versteckt, damit davon nicht zu viele gekauft werden.“

Um die Verpflegung von Erwachsenen kümmert sich Sarah Böhm vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Sie ist zuständig für stationäre Senioreneinrichtungen und Betriebskantinen. Aufklärung über gesunde Ernährung hält sie gerade in den höheren Altersgruppen für notwendig, da diese meist wenig von einem fleischlosen Speiseplan halten.

"In diesem Fall befürworte ich so eine Regelung — es wird zu viel Fleisch angeboten“, kritisiert Böhm. In den Seniorenheimen gibt es für die Bewohner bereits eine vegetarische Mahlzeit zur Wahl, meist wird sie jedoch ignoriert. „Ein Trick ist, das pflanzliche Gericht ganz besonders anzupreisen, etwa indem es günstiger ist“, rät Sarah Böhm.

Vor allem älteren Herrschaften dürfte es allerdings gar nicht so neu vorkommen, einen Tag in der Woche ganz bewusst auf Fleisch zu verzichten: Klassischerweise greifen Christen am Freitag zum Fisch — in Erinnerung an Karfreitag. Doch hält sich wirklich noch jemand dran?

Dekan André Hermany jedenfalls nicht: „Man soll einen Tag lang ,fleischlos‘ leben. Das bedeutet im übertragenen Sinn ein Stück Verzicht — nicht unbedingt Verzicht auf ein Stück Steak.“ Eine neue Orientierung in Deutschland in Sachen Ernährung hält er für nicht schlecht, doch ein Verbot sei zu überzogen. Er hört lieber in seinen Körper hinein: „Man soll sich doch auch etwas Gutes tun.“

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Sandra Stöckl

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