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Wie sinnvoll ist die Dienstpflicht für junge Menschen?

Ein Jahr Einsatz für die Allgemeinheit: Fürther Experten zur aktuellen Debatte - 09.08.2018 06:00 Uhr

Alte Menschen betreuen oder lieber Dienst an der Waffe leisten? Darüber sollen die jungen Erwachsenen selbst bestimmen dürfen. © Daniel Karmann/dpa


Es könnte ein Sommerloch-Thema sein, das CDU-Generalsekretärin Annegret Kamp-Karrenbauer da angestoßen hat - eine Diskussion also, die kurz aufflammt, um bald wieder zu verschwinden. Andreas Lessmann ist dennoch froh, dass die Debatte um eine allgemeine Dienstpflicht für Schulabgänger - Jungen wie Mädchen - losgetreten wurde. Als Oberleutnant der Reserve interessiert er sich vor allem für die Wiedereinführung der Wehrpflicht. "Sehr begrüßen" würde er diese, ebenso wie die so genannte Dienstpflicht für diejenigen, die den Umgang mit Waffen ablehnen. Sie könnten dort arbeiten, wo früher schon Zivildienstleistende eingesetzt wurden.

Wichtig fände es Lessmann, der bei der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt arbeitet, dass sich dabei die verschiedenen Gesellschaftsgruppen vermischen. "Das Leben wird von Erfahrungen geprägt", sagt der 61-Jährige. "Wer zum Beispiel in einer Behindertenwerkstatt gearbeitet hat, blickt mit ganz anderen Augen auf das Thema Barrierefreiheit."

Die Bundeswehr bekäme ein positiveres Image, glaubt Lessmann, der 1975 seinen Wehrdienst leistete und seitdem Reservist ist. Die Menschen wüssten heute kaum mehr etwas über das Militär - im Gegensatz zu früher, als in vielen Familien die Söhne ihre Pflicht in der Kaserne erfüllten. Er verspricht sich aber auch einen Zuwachs an Nachwuchssoldaten. "Von den Wehrpflichtigen werden sicherlich einige als Berufssoldaten weitermachen." Diese jungen Menschen könnten dann zu jenen Spezialisten ausgebildet werden, die das Militär dringend braucht. Weil sich die Idee eines Pflichtdienstes nicht schnell umsetzen lässt - nötig wäre erst eine Änderung des Grundgesetzes - bliebe genug Zeit, die Strukturen der Armee wieder für den Wehrdienst auszubauen. Und noch etwas erhofft er sich: dass wieder mehr junge Menschen zur Reservistenkameradschaft kommen. Dort fehle inzwischen eine ganze Generation.


Kommentar: Ein absurdes Theater um die Dienstpflicht


Auch bei der Diakonie weiß man von einem Mangel zu berichten. "Den Zivildienstleistenden haben wir schon sehr nachgetrauert", erzählt Geschäftsführerin Ruth Papouschek. Seit mit der Aussetzung der Wehrpflicht 2011 auch die Zivis wegfielen, sucht der Sozialverband immer wieder Kräfte, etwa für den Service Essen auf Rädern. Die Hoffnung, dass die Bufdis, quasi die freiwilligen Nachfolger der Zivis, die Lücke schließen können, hat sich nicht erfüllt. Inzwischen gebe es gar keine Anfragen mehr, weshalb nun fest angestellte Mitarbeiter den Bringdienst erledigen.

Dass der Einsatz auch im Sozialbereich abgeleistet werden könnte, findet Papouschek gut. Auch, um junge Leute etwa an Pflegeberufe heranzuführen. Dass der Dienst Pflicht sein soll, stört sie aber. "Es widerstrebt mir, jemanden zu bevormunden."

"Die Zahl steigt, die Motivation nicht unbedingt"

Ähnlich sieht man das beim Fürther BRK. Dort hat man sich mit den Bufdis mittlerweile gut arrangiert und bevorzugt diese freiwillige Variante. "Bei einem verpflichtenden Jahr steigt zwar möglicherweise die Zahl der Helfer, aber nicht unbedingt deren Motivation", sagt Personalreferentin Gudrun Parpart. Ebenso wie Dieter Scharm, stellvertretender BRK-Kreisgeschäftsführer, würde sie sich deshalb wünschen, dass man stattdessen die Freiwilligendienste stärkt und diesen Sektor weiter ausbaut.

Thomas Mörtel, Geschäftsführer der Fürther Kreishandwerkerschaft, glaubt, dass die Dienstpflicht jungen Menschen vor allem bei der sozialen Kompetenz zugute kommen kann. Darüber, dass sie nach der Schule ein Jahr auf dem Arbeitsmarkt fehlen, macht er sich keine Gedanken. Dafür würde er es begrüßen, wenn einige Wehrdienstleistende beim Militär ihren Lkw-Führerschein machen würden - so wie früher oft üblich. "Gerade im Bauhandwerk fehlt dieser oft."

 

  

Gwendolyn Kuhn

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