Samstag, 16.02.2019

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„Wir können Berge versetzen“

Roßtals neuer Handballtrainer Klaus Jahn über sein Team und seinen letzten Job in Auerbach - 03.01.2013 09:54 Uhr

Da geht’s lang: Klaus Jahn — hier noch Trainer des damaligen Bayernligisten Auerbach — gibt jetzt in Roßtal den Ton an. Dem Landesligisten will er einen unbedingten Siegeswillen einimpfen. © Anestis Aslanidis


Herr Jahn, wie verlief der erste Kontakt mit der Mannschaft nach der Trennung von Carsten Peine?

Jahn: Unspektakulär. Die Stimmung war konzentriert. Ich habe ein paar kurze Sätze gesprochen und den Spielern einfach gesagt, was jetzt zu machen ist.

Und was ist zu machen?

Jahn: Man kann in der Kürze der Zeit keine großen Dinge bewegen. Es klang ein bisschen an, dass die Mannschaft konditionell nicht voll auf der Höhe ist, was ich allerdings nicht dem letzten Trainer zuschiebe, sondern der Situation, dass viele Spieler beruflich eingespannt sind und nicht ins Training können. Es würde aber keinen Sinn machen, jetzt bis zum Rückrundenstart am 19. Januar konditionell reinzuknüppeln. Aber wir müssen bestimmte Defizite im Abwehrbereich abstellen. Die 6:0-Abwehr muss Feinschliff bekommen und kerniger zur Sache gehen. Im Tor sind wir gut besetzt, aber auch im Angriff ist noch Luft nach oben, etwa bei der zweiten Welle.

Was können Sie in der halben Saison überhaupt noch ändern?

Jahn: Ich werde im körperlichen Bereich stabilisierende Elemente einbringen. Taktisch gibt es für mich keine klassische 6:0- oder 3-2-1-Abwehr, sondern die Systeme müssen flexibel den Situationen angepasst werden.

Sie sprachen die schwache Trainingsbeteiligung an. Denken Sie, dass sich dieses Problem durch den Trainerwechsel ändert?

Jahn: Es waren jetzt Leute im Training, die schon einige Zeit lang nicht mehr da waren, aber auch Substanz haben. Mit Rückraumspieler Sebastian Schuh etwa habe ich gesprochen und habe den Eindruck, dass er wieder spielen könnte.

Die Stimmung in der Mannschaft war der Punkt, in dem sich Ex-Trainer und Abteilungsleitung am meisten widersprachen. Welchen Eindruck hatten Sie?

Jahn: Ein Teil war zufrieden, ein Teil wollte nicht mehr mit dem alten Trainer und ein Teil war unentschlossen. Die Situation war wohl ein wenig am Kippen. Ich habe aber nicht den Eindruck, dass Roßtal ein zerstrittener Haufen ist. Im ersten Training habe ich Spieler in Mannschaften eingeteilt, einige mussten erst auf der Bank bleiben. Danach haben sich die Spieler auch selbst ein- und ausgewechselt, ohne dass ich Einfluss nehmen musste. Und es lief wieder. Insofern sind die intakt.

Die Mannschaft hat in der vergangenen Saison den dritten Tabellenplatz belegt und steht aktuell mit 13:13 Punkten da. Welche Ziele haben Sie?

Jahn: Wir haben eine schwere Rückrunde mit fünf Heim- und sieben Auswärtsspielen. Wenn sich alle zu 100 Prozent einbringen, werden wir für Überraschungen sorgen. Bislang hat sich der eine oder andere hinter der Situation versteckt. Jetzt gibt es keine Ausreden mehr.

Sie haben in der Saison 2011/12 den Bayernligisten SV Auerbach in die 3. Liga geführt, wurden dann aber trotz des Aufstiegs gegen einen Spielertrainer ausgetauscht. Was haben Sie in der Zeit in der Oberpfalz gelernt?

Jahn: Der Trainingsaufbau ist ganz anders, genau wie der Handball, der härter und schneller gespielt wird. Meine Erwartung ist, dass auch Roßtal in der Landesliga schneller spielt. Dafür brauchen wir aber perspektivisch eine dritte Trainingseinheit. Und ganz wichtig ist der Wille. In Auerbach haben das Team und ich gelernt, dass wir Berge versetzen können, wenn wir nur wollen.

Was hat Ihre Demission nach dieser intensiven Zeit in Ihnen ausgelöst?

Jahn: Das war schon ein Schock, den ich aber längst überwunden habe. In der 3. Liga hätte ich viele Wochenenden opfern müssen durch die Fahrten. Der Aufwand wäre nochmal höher geworden. Nachdem ich wusste, dass ich nicht mehr Trainer sein würde, hatte mir die Mannschaft in die Hand versprochen, dass sie keinen Punkt mehr abgeben werde. Und das hat sie auch gemacht.

Diesen Geist in drei Wochen ins Roßtaler Team zu bringen, dürfte schwierig werden.

Jahn: Ich habe eine Situation wie jetzt noch nie erlebt. Normalerweise kommt man als neuer Trainer im Frühsommer. Jetzt kann ich natürlich nicht hergehen und sagen, ich bin der Messias und alles wird besser. Man muss den Spielern Stück für Stück zeigen, dass sie es können. Daraus resultiert Spaß – und der bringt die Freude am Spiel.

Im neuen Jahr warten gegen Heroldsberg und Erlangen gleich zwei Derbys auf den TVR, die aber durchaus machbar sind, oder?

Jahn: Alle Spiele sind machbar. Genau das hat Auerbach ausgemacht. Wir haben nicht gesagt, oh weh, das könnte schwer werden, sondern wir haben gesagt: Wir packen die! 

Interview: Markus Riedl

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