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Wirbel um Wegzug von Brillen Zettner

Produktionsverlagerung von Puschendorf nach Fürth sorgt für Ärger im Gemeinderat - 22.09.2017 13:00 Uhr

Brillen Zetttner stellt namhafte und internationale Marken her. © Rolf Vennenbernd/dpa


Das deutschlandweit bedeutende Unternehmen, das seit 60 Jahren Brillen für namhafte und international bekannte Marken herstellt, will nun statt des ursprünglich geplanten Erweiterungsbaus an die bestehende Fabrikationshalle in Puschendorf ein Objekt in Fürth erwerben und die Produktion dorthin verlagern. Lediglich die Metallverarbeitung soll am bisherigen Stammsitz verbleiben.

Die Freien Wähler hatten vom Bürgermeister eine Aussprache zum Sachstand verlangt. Denn Firmenchef Uwe Zettner hatte seine Entscheidung vor allem mit den seiner Meinung nach überlangen Genehmigungsverfahren begründet. Die derzeitige Produktionsstätte sei einfach zu klein geworden. "Ich muss spätestens im nächsten Jahr die Produktion steigern. Das bin ich meinen langjährigen Kunden schuldig", sagte der Firmeninhaber auf Nachfrage der FN. Die vom ihm beantragte Baugenehmigung hätte sich einfach zu lange hingezogen.

Die "wirtschaftliche Notwendigkeit" erfordere daher diesen Schritt, erklärte Zettner auf Anfrage. Antragsteller Stephan Buck (FW) sagte, dass ihm diese Entwicklung "sehr weh" tue, vor allem von der "menschlichen Seite". Er wisse genau, dass es der Familie Zettner schwerfalle, aus Puschendorf wegzuziehen. Er sehe es schon auch als problematisch an, dass die Bauvoranfrage der Firma Zettner erst nach vier Monaten bearbeitet wurde und beim eingereichten Bauplan nochmals weitere vier Monate bis zu einer Genehmigung unter Auflagen vergangen wären.

Klaus Fleischmann, Fraktionssprecher der Sozialdemokraten, äußerte sich schockiert über diese Nachricht. "Ich dachte immer, es läuft", sagte er im Gemeinderat und fügte hinzu: "Für uns als Gemeinde ist das bedauerlich." Bürgermeister Wolfgang Kistner zeigte sich ebenfalls sehr betroffen von dieser Entwicklung. Er wolle aber keinesfalls als Schuldiger dastehen. Denn "wir haben die Maßnahme immer unterstützt, weil wir wollen, dass die Firma bei uns bleibt.".

Kistner hatte für die Gemeinderatssitzung den zeitlichen Ablauf des Verfahrens akribisch zusammengestellt und darüber berichtet. Die in der Verwaltung eingehenden Anträge seien binnen weniger Tage im Gemeinderat eingebracht und danach unverzüglich an die für die Genehmigung zuständige Stelle im Landratsamt weitergegeben worden.

Die Bauvoranfrage vom März 2016 sei bereits sieben Tage nach Eingang in der Gemeinde an das Landratsamt mit einer Befürwortung durch den Gemeinderat weitergereicht worden. Die Zustimmung durch das Landratsamt sei Ende Juli erfolgt. Für den Bauantrag vom Oktober 2016 habe die Gemeinde drei Wochen, die genehmigende Behörde in Zirndorf vier Monate Bearbeitungszeit gebraucht. Der Bau, so Bürgermeister Kistner, wäre ab Ende Februar dieses Jahres möglich gewesen.

Die Problematik bezüglich der vom Landratsamts geforderten Lösung für das Niederschlagswassers habe er in einem persönlichen Gespräch mit allen Beteiligten Ende Mai ausgeräumt. Karlheinz Auerochs (CSU) hatte wegen des erhobenen Vorwurfs ebenfalls recherchiert und begründete die längere Bearbeitungszeit im Landratsamt mit immer wieder fehlenden oder unvollständigen Unterlagen seitens des Antragstellers beziehungsweise des planenden Projektbüros.

In erster Linie bedauerten die Gemeinderäte in großer Übereinstimmung den Verlust vieler Arbeitsplätze, gerade für Teilzeitkräfte und Geringqualifizierte, welche die Brillenfabrikation Zettner zum zweitgrößten Arbeitgeber im Ort gemacht hatten. 

RALF JAKOB

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