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Wirbel um Zahlen

Statistik sieht Fürth bei Kinderbetreuung hinten - 29.04.2012 10:00 Uhr

FÜRTH  - Für Aufregung sorgten dieser Tage Zahlen aus München: Das bayerische Statistische Landesamt hat die acht Großstädte des Freistaats in Sachen Kinderbetreuung für die Null- bis Dreijährigen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Fürth liegt mit einer Betreuungsquote von 13,5 Prozent auf dem letzten Platz.

Gemeinsam spielen, während die Eltern arbeiten: Bis Ende 2013 will die Stadt Plätze in Krippen und bei Tagesmüttern für bis zu 40 Prozent der Fürther Kinder schaffen, bislang sind es 23 Prozent.
Gemeinsam spielen, während die Eltern arbeiten: Bis Ende 2013 will die Stadt Plätze in Krippen und bei Tagesmüttern für bis zu 40 Prozent der Fürther Kinder schaffen, bislang sind es 23 Prozent.
Foto: Hans-Joachim Winckler
Gemeinsam spielen, während die Eltern arbeiten: Bis Ende 2013 will die Stadt Plätze in Krippen und bei Tagesmüttern für bis zu 40 Prozent der Fürther Kinder schaffen, bislang sind es 23 Prozent.
Gemeinsam spielen, während die Eltern arbeiten: Bis Ende 2013 will die Stadt Plätze in Krippen und bei Tagesmüttern für bis zu 40 Prozent der Fürther Kinder schaffen, bislang sind es 23 Prozent.
Foto: Hans-Joachim Winckler

Peter Modschiedler schüttelt den Kopf. Nein, sagt der stellvertretende Leiter des Jugendamts, die Zahlen könne er so nicht bestätigen. Eine Erklärung dafür, wie sie zustande kamen, kann er aber auch nicht liefern. Fest steht für ihn: Die Quote, die das Statistische Landesamt ermittelt hat, ist für die Stadt längst überholt. „Wir haben inzwischen Betreuungsplätze für rund 23 Prozent der Fürther Kinder“, sagt Modschiedler.

698 Plätze in Kinderkrippen, bei Tagesmüttern oder in speziellen Gruppen in Kindergärten, die auch schon Nachwuchs betreuen, der noch keine drei Jahre alt ist, bietet die Stadt momentan an. Im März vor einem Jahr, also zu der Zeit, als das Statistische Landesamt die nun veröffentlichten Zahlen erhoben hat, waren es rund 570. Das Statistikamt zählt hingegen 406 Kinder in Betreuungseinrichtungen oder bei Tagesmüttern.


Wie die Differenz zustande kommt, lässt sich nicht komplett aufdecken. Einige Kinder könnten in der Erhebung der Stadt doppelt auftauchen, weil sie sowohl bei einer Tagesmutter als auch in einer Krippe angemeldet sind — etwa, um bestimmte Zeiten, in denen die Krippe noch nicht oder nicht mehr geöffnet ist, zu überbrücken. Das Statistikamt hat sich, um solche Dopplungen zu vermeiden, nur auf die Zahl der Kinder in den Einrichtungen konzentriert und nicht deren Plätze gezählt.

Letztendlich klären lässt sich nicht, woher die Lücke zwischen den beiden Statistiken kommt. Doch wichtiger als die Zahlen aus der Vergangenheit dürfte sowieso die Frage sein, was sich in Sachen Betreuung für die Kleinsten in Zukunft tun wird. Und das ist, laut Peter Modschiedler, gar nicht so wenig. 53 Krippenplätze werden heuer noch entstehen, etwa in neuen Einrichtungen am Kirchenplatz in der Altstadt oder in Poppenreuth.

Hohes Ziel

Auch nächstes Jahr legt man bei der Stadt beim Thema Kinderbetreuung die Hände nicht in den Schoß: Bis Ende 2013 soll jeder, der für sein Kind einen Betreuungsplatz benötigt, diesen auch bekommen. So sieht das auch der Gesetzgeber vor. Die Stadt hat, so Modschiedler, bei Umfragen ermittelt, dass dann rund 36 bis 40 Prozent der Fürther Kinder einen Platz in einer Krippe oder bei einer Tagesmutter brauchen. Damit dieses hohe Ziel erreicht werden kann, sollen bis dahin neue Krippen entstehen — etwa in der Badstraße oder im Eigenen Heim. Die Zahl der Tagesmütter wird ebenfalls aufgestockt: Anstelle von bislang 150 Plätzen soll es dann 270 geben.

Für deren Vermittlung ist unter anderem auch Petra Kuch zuständig. Immer wieder erreichen die Geschäftsführerin des Familienbüros mit Sitz in Stein mehr oder weniger verzweifelte Anrufe von Eltern, die einen Betreuungsplatz für ihr Kind suchen. Oft weiß sie ihnen zu helfen, aber von Zeit zu Zeit kann sie nur den Kopf schütteln über manche Anfragen. Etwa, wenn sich ein Vater meldet, der für sein krankes Kind eine Tagesmutter sucht, weil er dringend wieder an seinen Arbeitsplatz zurück muss.

Wenn sie darüber nachdenkt, dass ein kleines Kind von einer ihm fremden Person betreut werden soll, weil der Arbeitgeber Druck macht, bricht auch ihr ein wenig das Herz. „Wir sollten uns nicht nur darauf konzentrieren, Betreuungsplätze zu schaffen“, sagt Kuch. „Es muss auch auf dem Arbeitsmarkt ein Umdenken stattfinden.“

Ein Kind sei schließlich kein Blumentopf, den man nach Belieben umstellen könne. „Wenn es um die Kleinen und deren Betreuung geht, müssen wir immer sensibel bleiben.“ 

GWENDOLYN KUHN


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