Herr Foerster, welche Verletzung ist am aufwendigsten?
Robert Foerster: Ein offener Bruch braucht schon 20 bis 25 Minuten, der Knochen soll ja gut sitzen. Ganzkörperverbrennungen oder Amputationen dauern noch länger. Da muss man mit 30 bis 45 Minuten rechnen.
Ist beim Anblick Ihrer Wunden schon mal jemand umgekippt?
Foerster: Erfahrene Sanitäter nicht, die sind durch ihre Einsätze einiges gewohnt. Aber bei Erste-Hilfe-Kursen habe ich es bereits erlebt, dass jemand vom Stuhl kippt.
Da hatten die anderen Kursteilnehmer dann gleich was zu tun...
Foerster: (schmunzelt) Die lassen bei einem so unvorhergesehenen Ernstfall eher dem Profi, also dem Ausbilder, den Vortritt.
Wie groß ist Ihre Gruppe und was lernt man bei Ihnen?
Foerster: Wir sind zu neunt, davon sind aktuell aber nur vier richtig aktiv. Wir suchen händeringend Nachwuchs. Wer bei uns einsteigt, lernt die Grundlagen des Schminkens. Danach besteht die Möglichkeit, Lehrgänge beim BRK zu besuchen. Dort lernt man weitergehende Dinge, etwa wie sich Blutsysteme darstellen lassen und damit spritzende Wunden wie bei einer offenen Schlagader.
Und wo zeigen Sie Ihr Können?
Foerster: Wir kommen bei der Ausbildung von Sanitätern, aber auch bei Erste-Hilfe-Kursen zum Zug. Außerdem bei Abschlussprüfungen von Lehrgängen, Wettbewerben des Jugendrotkreuz oder bei Show-Übungen wie auf der Fürther Freiheit. Die Anfragen nehmen zu, da bin ich schon stolz drauf.
Was darf in keinem gut sortierten Schminkköfferchen fehlen?
Foerster: Schminkkitt, das ist ein fester Knetgummi, außerdem Vaseline, Make-up, Blutpaste und natürlich Kunstblut. Bis in die 50er Jahre nahm man noch echtes Schweineblut, das stank und lockte Fliegen an.
Welche Verletzungen schminken Sie besonders gerne?
Foerster: Verbrennungen. Sie lassen sich relativ einfach umsetzen, sehen aber sehr gut aus, vor allem Ganzkörperverbrennungen. Wenn dann noch der Mime, also der Darsteller, Gas gibt, kriegt man bei einer Übung richtig Action rein. Für ein realitätsnahes Erlebnis kommt es sowieso nicht nur auf unsere Verletzungen an, sondern vor allem auf die Leistung des Mimen.
Schulen Sie die auch?
Foerster: Natürlich. Die meisten von uns machen beides, schminken und darstellen.
Wie schminken Sie einen Notfall, bei dem keine offene Wunde zu sehen ist? Ein Herzinfarkt zum Beispiel.
Foerster: Blasse Haut, blaue Lippen, vielleicht blaue Ohrläppchen. Mehr können wir nicht machen, auch hier kommt viel auf den Mimen an. Er muss in der Lage sein, Atemnot, Schmerzen im Brustkorb und panische Angst darzustellen. Außerdem muss er immer auch reagieren, wenn ihm geholfen wird, also bei falschen Handgriffen anfangen zu schreien.
Was fasziniert Sie an dem Hobby?
Foerster: Dass es nicht jeder ausübt. Es ist schon sehr speziell, außergewöhnlich. Dazu kommt der Spaß am Improvisieren und Experimentieren.
Entwickelt man bei so einer Freizeitbeschäftigung eine Vorliebe für Splatterfilme, also blutrünstigen Horror?
Foerster: Nein. Aber ich muss gestehen, wenn in einem Film eine Verletzung auftaucht und alle sich mit Grausen abwenden, denke ich mir oft, ich hätt’ jetzt gern ’ne Nahaufnahme. Aber nicht wegen der Blutorgie, sondern weil ich sehen will, wie die Wunde geschminkt ist.
Sie sind Versicherungskaufmann, haben Sie schon mal daran gedacht, den Beruf zu wechseln? Professioneller Maskenbilder beim Film oder beim Theater zum Beispiel...
Foerster: Ich hätte gerne mal einen Profi bei einem Lehrgang dabei. Aber mein Berufswunsch ist das nicht. Dann hätte ich wohl keine Zeit mehr für mein Engagement beim BRK und das würde mir schon leid tun.
Wer sich für die Arbeit des RUD-Teams interessiert, kann über die Webseite www.rud-fuerth.de oder auch per E-Mail info@rud-fuerth.de Kontakt aufnehmen.
In unserer Bildergalerie (unten) sehen Sie in mehreren Schritten, wie eine Wunde geschminkt wird.



