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Zirndorf: Ordnungsamt läutet Alarmglocken

Unterbringung der Obdachlosen kostet viel Geld — Notunterkunft bräuchte mehr Raum - 19.03.2017 16:00 Uhr

Eventuell bräuchte es ein neues Gebäude oder eine Container-Lösung, denn Fakt ist: Die Obdachlosenunterkunft der Stadt Zirndorf hat angesichts des Zustroms nicht mehr genügend Platz. Doch Kommune fehlt das Geld um zu handeln – zumindest heuer. © Foto: Nina Daebel


Notwendig geworden ist eine Erweiterung der seit 1964 existierenden Unterkunft an der Cadolzburger Straße, weil die Zahl der Obdachlosen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Dabei habe man es, so Rieß, nicht mit dem "klassischen Klischee" des Vagabunden zu tun, der sein Hab und Gut in der Plastiktüte mit sich herumtrage und unter Brücken schlafe. "Wir haben es vor allem mit Menschen zu tun, die wegen einer Zwangsräumung plötzlich auf der Straße stehen", sagt er. Das treffe Einzelpersonen, aber zunehmend auch alleinerziehende Mütter mit Kindern und Familien.

Zwischen November 2016 und Januar diesen Jahres sei man mit fünf Zwangsräumungen konfrontiert worden. "Sonst hatten wir zwei in einem ganzen Jahr", sagt Rieß. Die 18 Einheiten in der Unterkunft sind komplett belegt und immer wieder müssen Betroffene in Pensionen, Gasthäusern oder Ferienwohnungen untergebracht werden.

Die Kommune kommt das teuer. "Darauf kann ich den Stadtrat nur immer wieder gebetsmühlenartig hinweisen." Rieß erklärt, den Schritt über den Abgrund hinaus zwar noch nicht getan zu haben, aber durchaus am Rand des Abgrunds zu stehen. "Bislang haben wir die Obdachlosen noch immer irgendwie untergebracht." Trotzdem sei es nun mal seine Aufgabe, auf das Problem der geringen Kapazitäten hinzuweisen.

Günstiger Wohnraum fehlt

Wie lange man diese Thematik noch vor sich her schieben könne, sei vollkommen offen. Sollte sich die Lage auf dem Wohnungs- und Arbeitsmarkt in absehbarer Zeit entspannen, seien auch weniger Zwangsräumungen zu erwarten.

"Letztlich ist es ein politisches und gesamtgesellschaftliches Problem", betont der Ordnungsamtschef. Die Konkurrenz auf dem "Billigwohnmarkt" sei in den vergangenen Jahren gestiegen. Hier müsste das Angebot enorm ausgeweitet werden. "Aber wer soll das machen?", so Rieß. Auch die Zirndorfer WBG sei ein wirtschaftlich orientiertes Unternehmen, das sich an den Marktpreisen orientiere. Den sozialen Wohnungsbau wieder voranzutreiben sei letztlich eine politische Entscheidung, die gewollt sein müsse. Solange das nicht der Fall sei, werde man in Zirndorf wie auch andernorts nur an den Symptomen herumdoktern können.

Ob die Obdachlosenunterkunft an der Cadolzburger Straße nun komplett neu gebaut werden sollte oder ob eine Containerlösung sinnvoller wäre, lässt Rieß offen. So weit habe man noch nicht geplant, sagt er. An dem Standort würde er aber gerne festhalten.

"Es gab dort noch nie Probleme mit der umliegenden Bevölkerung", sagt er. Eine solche Unterkunft mitten in die Stadt zu setzen oder auf die grüne Wiese, sei keine Option. Rieß hat mittlerweile auch Kontakt zur WBG aufgenommen, um über mögliche Gebäude zur Unterbringung zu reden. "Ob wir da zu Potte kommen werden, ist aber Lesen im Kaffeesatz."

Fest steht indes: Egal welche Lösung es letztlich wird, länger als fünf Monate sollte niemand in einer solchen Notbleibe verbringen müssen. Langzeitbewohner gibt es trotzdem. "Es gibt leider Personen, die sind aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht mehr in ein normales Wohnumfeld vermittelbar", erklärt Rieß. Dadurch sind einige Einheiten in der Unterkunft langfristig blockiert.

Was dem Ordnungsamtschef aber noch viel größere Sorgen macht, sind die Familien, die obdachlos werden. Denn: Die räumlichen und sanitären Bedingungen in der Unterkunft an der Cadolzburger Straße sind für Kinder wenig geeignet. "Durch die Kinder haben sich die Ansprüche an Obdachlosenunterkünfte geändert. Auch das müssen wir berücksichtigen."

Ausbau ist unumgänglich

Neu ist zudem, dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung ihre Familie nachholen können, und die dann möglicherweise untergebracht werden muss. Bislang ist das erst einmal vorgekommen. Doch was die Zukunft bringen werde, so Rieß, sei ungewiss. Auch deswegen hätte er sich eine Lösung für das laufende Jahr gewünscht. Nun will er die Zeit für weitere Gespräche nutzen. Und er will darauf hinwirken, dass vielleicht im nächsten Jahr die notwendigen Mittel für eine Lösung in den Haushalt eingestellt werden. "Irgendwann werden wir nicht mehr drum rum kommen." 

Nina Daebel

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