|
Anmeldung
Diese Funktion steht nur registrierten Usern zur Verfügung.
Loggen Sie sich bitte hier ein oder registrieren Sie sich kostenlos! |
![]() |
Passwort vergessen
Wenn Sie Ihr Passwort vergessen haben können Sie hier ein neues Passwort anfordern. Geben Sie bitte hierzu Ihre E-Mail-Adresse ein!
|
Die Anliegen, die die ältere Bevölkerung meist direkt an Schuster heranträgt, kann die Runde kaum mehr stemmen, „es sind höchstens noch zehn Leute, die ich einsetzen kann“, sagt Schuster. Weshalb die Senioren-Helfer-Truppe dringend um Unterstützung in der Bevölkerung bittet. „Helfen kann jede und jeder“, meint stellvertretender Beiratsvorsitzender Dieter Sieber, dazu brauche es weder eine besondere Ausbildung noch spezielle Fähigkeiten.
Auf dem Wohnzimmertisch vor Schuster liegt eine Handvoll zusammengehefteter Zettel. Jeder von ihnen ist eng beschrieben. Namen, Telefonnummern und ganz verschiedene Anliegen hat er in seinen Notizen aufgelistet. Teils rufen Angehörige an, die sich um die hochbetagte Mutter sorgen, weil die viel zu viele Stunden allein verbringt und nur jemanden bräuchte, der sie regelmäßig zu einem Spaziergang aus der Wohnung holt, ihr vorliest, mit ihr plaudert, „nur damit die Zeit vergeht“, wie Schuster sagt. Von solchen Besuchen der Senioren-Helfer profitieren auch die drei Altenheime in der Bibertstadt.
Andere kommen mit einem Antragsformular fürs Amt oder die Krankenkasse nicht klar, „teils weil sie schlecht sehen oder einfach nicht durchblicken“, berichtet Schuster. Und wieder andere bräuchten jemanden, der sie zu einem Arzttermin fährt oder zum Einkauf. Selbst bei Menschen, die sich auf einen Betreuer verlassen müssen und mit dem über Kreuz geraten sind, hat Schuster schon vermittelt. Mitunter kommt es auch vor, dass aus der Stadtverwaltung jemand bei Schuster anruft, um ihn auf einen Menschen in einer schwierigen Situation aufmerksam zu machen.
So entstand zum Beispiel der Kontakt zu einem 91-Jährigen, den Schuster seit zehn Jahren jeden zweiten Tag besucht. Damals war dessen Frau verstorben, seitdem lebt er allein. Seine Nichte kauft für ihn ein, der wichtigste soziale Kontakt ist für den Mann Alois Schuster, der regelmäßig nach dem Rechten sieht, womit er seinem Schützling schon das Leben rettete. Vor ein paar Jahren war der Mann auf einer Außentreppe schwer gestürzt. Schuster fand ihn bewusstlos bei zehn Grad Minus in der Eiseskälte und alarmierte die Sanitäter.
Schuster ist bemerkenswert rüstig und gehört eindeutig zu der Spezies der Unruheständler. Wer ihn erreichen möchte, darf sich nicht scheuen, eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter zu hinterlassen. Der Rückruf kommt garantiert — sobald Schuster zwischen fixen Terminen wie Beirats-Sprechstunde oder Männergesprächskreis und diversen Einsätzen Zeit dazu findet. Doch Zeit ist rar. Speziell für Fahrdienste sind nur noch wenige der Truppe zu haben, Schuster ist einer von ihnen.
Die Initiative „Senioren helfen Senioren“ bringt Menschen, die sich sozial engagieren wollen, mit Menschen zusammen, die Hilfe brauchen. Schuster weiß, wie wertvoll es ist, funktioniert das Geben und Nehmen. Kurz vor seinem 80. Geburtstag musste er sich einer Operation unterziehen. Vier Tage nach der OP wurde er entlassen, kaum dass er sich auf den Beinen halten konnte. Doch er konnte sich in der Gewissheit wiegen, dass sich jemand finden würde, der ihn von der Klinik abholt und in den ersten Tagen zuhause nach ihm sehen würde.
„Auf meine Leute ist Verlass. Ich bin alleinstehend, wenn man da mal auf Hilfe angewiesen ist und das funktioniert, weiß man diese Sache umso mehr zu schätzen“, sagt Schuster. Deshalb sei er „so dahinter her, die Initiative am Laufen zu halten“.
Da war es für ihn ein „Lichtblick“, als vergangenen Sommer beim Weinfest der Lions unverhofft eine junge Frau an dem Tisch auftauchte, an dem er saß, und nach Herrn Schuster fragte. Heute spricht Schuster von „unserer Eva“ und charakterisiert sie als „ideal sozial eingestellt“.
Im August vergangenen Jahres hat Eva Wolf ihre Arbeitswoche von fünf auf vier Tage verkürzt. Seitdem verbringt die 38-Jährige ihre Freitage im Gustav-Adolf- oder im Helene-Schultheiß-Heim, um dort von Tür zu Tür zu gehen und mit den Senioren ins Gespräch zu kommen. Zu zwei Frauen, von denen eine bettlägerig ist und kaum mehr unter Menschen kommt, pflegt sie intensivere Kontakte, plaudert, hört zu und hält mitunter auch nur eine Hand.
Manchmal gesellt sie sich einfach mit zu einer Gruppe, die gerade zusammensitzt. Dabei sei ihre Person oft nebensächlich, die Hauptattraktion ist ihr ständiger Begleiter: Libbie, ein Mini-Yorkshire Terrier, quirlig, zutraulich, verschmust, kurz: „drei Pfund pure Liebe“, wie Eva Wolf sagt. Geht der von Hand zu Hand, gestreichelt und liebkost, kann sein Frauchen beobachten, wie das Hündchen Lächeln in die Gesichter der Menschen zeichnet. „So vielen Menschen eine Freude zu machen, das ist das Highlight meiner Woche. Jeden Cent, den ich jetzt nicht mehr mit nach Hause bringe, wiegt diese Tätigkeit hundertfach auf“, sagt Eva Wolf. Für Schuster ist sie „ein Glücksfall, solche Menschen würde er sich viele wünschen.
Wer sich engagieren möchte, kann sich in der Sprechstunde immer montags von 13.30 bis 15.30 Uhr im Nebengebäude zwischen Rathaus und Bauamt persönlich an die Seniorenbeiräte wenden. Telefonisch sind sie in dieser Zeit unter der Nummer (0911)9600153 zu erreichen. Näheres ist auch bei Alois Schuster unter Telefon (0911)-6003469 zu erfahren.




|