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Zirndorferin wird 101 - dank Obst und viel Mut

Zirndorf: Anna Weigel blickt auf ein bewegtes Leben zurück - 23.03.2018 06:00 Uhr

Immer optimistisch: Anna-Elisabeth Weigel kennt jeder gut gelaunt. © Foto: Scherer


Anna Weigel blickt auf ein bewegtes Leben zurück. Als das älteste von vier Kindern im hessischen Bad Hersfeld das Licht der Welt erblickte, reagierte in Berlin noch der Kaiser, in Russland hatte gerade Zar Nikolaus abdanken müssen. Das Mädchen war kaum drei Jahre alt, da starb ihr Vater viel zu früh; die Mutter konnte in den wirtschaftlich schweren 20er Jahren die Familie kaum ernähren. Traurige Folge für die kleine Anna: Sie landete nach einigen Zwischenstationen bei Adoptiveltern in Zirndorf.

Im neuen Elternhaus herrschten strenge Regeln, jeder musste mit anpacken. So ist es nicht verwunderlich, dass die Adoptiveltern kurz nach der Konfirmation in der evangelischen St.-Rochus-Kirche der Meinung waren, Anna müsse ab jetzt selbst für ihren Lebensunterhalt sorgen. Da sie ein sehr fleißiges Mädchen war und ihre Adoptivmutter alle Hebel in Bewegung setzte, bekam die 14-Jährige schnell im Haus von Kommerzienrat Zimmermann eine Stelle.

Von da an waren die Tage mit viel Arbeit, wenig Schlaf und noch weniger Freizeit gefüllt. Mindestens zwölf, manchmal deutlich mehr Stunden musste Anna Weigel vielfältige Aufgaben im Haushalt erledigen. Ihr bis heute zu spürender Optimismus half ihr durch die schwere Anfangszeit. Noch vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges lernte sie ihren Mann kennen. Ausflüge in der knappen Freizeit führten das Paar ins Zirndorfer Umland. "Wir waren immer zu Fuß in der Natur unterwegs", sagt das Geburtstagskind und strahlt.

Noch während des Krieges wurde Sohn Helmut geboren. Zwei Jahre danach folgte Tochter Christa. Obwohl die beiden Kinder viel Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch nahmen, ging die herzensgute Mutter weiter einer festen Arbeit nach. Schließlich sollte es der Familie gut gehen, man wollte sich in den aufstrebenden 50er Jahren wieder etwas gönnen. Viele glückliche Jahre im neu bezogenen Heim an der Weinleithe folgten, ehe 1970 plötzlich Anna Weigels geliebter Mann starb.

Unterkriegen ließ sich die Witwe davon nicht und fasste schon bald neuen Lebensmut. Noch heute kennt jeder die Jubilarin nur gut gelaunt. Angesprochen auf das Geheimnis ihres hohen Alters, sagt sie, sie habe niemals geraucht oder getrunken. Fleisch kam äußerst selten, manchmal über Wochen nicht auf den Teller. Auch heute sind ihr frisches Obst und Gemüse lieber. Dazu bewegte sich Anna Weigel mehr oder weniger gezwungenermaßen immer reichlich. In Zirndorf und Umgebung war sie bis ins hohe Alter entweder zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs.  

Thomas Scherer

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