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Das im Fränkischen eher unbekannte Gemüse, das eine Frostperiode durchstehen muss, lange gekocht wird und am besten zu deftiger Wurst schmeckt, fehlte dem Unternehmensberater, der 30 Jahre lang in Bremerhaven lebte. Dort, erzählt er, zieht man zwischen Februar und März gruppenweise mit kleinen Wägelchen zu einer Wirtschaft, um Grünkohl zu spachteln. Wer am meisten schafft, wird Grünkohlkönig mit Zepter und Krone. „Die fünfte Jahreszeit in Norddeutschland“ nennt der 67-Jährige diese Art des Kohlgenusses. Über 20 Freunde sind am Sonntagvormittag zur zehnten Grünkohlparty der Zimmerings gekommen — viele freuen sich schon das ganze Jahr darauf.
Der Bauer am Ort baut das Gemüse inzwischen auch an. Bei ihm wurden gleich 30 Kilo „Palme in Grün“ gekauft, klein gerupft, mit Zwiebeln, Gemüsebrühe und reichlich Fett angesetzt. Kenner sind überzeugt, dass der Kohl nur in einer großen Pfanne gelingt. Mett- und Grützwurst sind wichtig für den Geschmack; sie kommen von einem Schlachter aus Emden.
Die Zimmerings haben ihren Wintergarten ausgeräumt. Bierbankgarnituren stehen bereit, der Kohl blubbert im Topf. „Moin, Moin“ wird gegrüßt. Und damit die Grünkohlesser später auch tüchtig zulangen, gehts zuerst auf Tour. Ein kleiner Leiterwagen bricht fast zusammen unter seiner Last aus Glühwein, Brezen, Würsten und Spirituosen. Doch dieser mobile Verpflegungsstützpunkt muss mit, wenn es in Richtung Sportzentrum Kleeblatt und ins Waldstück dahinter geht.
Dort beginnt das „Boßeln“. Die Gummibälle dafür hat sich Zimmering auch extra aus dem Norden schicken lassen. Jede Gruppe muss ihren Ball mit möglichst wenigen Würfen so weit werfen wie es geht. Streng nach Schiedsrichterangaben geht es nicht zu. Man feuert sich an, klatscht und belacht Würfe. Unterwegs gibt es auch noch ein Teebeutel-Weitwerfen. Diese Spiele sorgen für gute Laune — und Hunger.
Am Ende sind alle froh, ins Warme zu kommen und endlich das besondere Essen zu genießen. Da in der Vergangenheit gerne mal gemogelt wurde, wird inzwischen nicht mehr gewogen, wer wie viel geschafft hat: Fürths Grünkohlkönig wird am Ende einfach ausgewürfelt.



