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Montag, 21.05.2018

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Zwergflusspferd Elsbeth bekommt einen Ehrenplatz

Die Skulptur des 1990 ausgebüxten Zirkustiers kehrt nach Fürth zurück - 01.02.2018 06:00 Uhr

Mal wieder alle auf die Kleinen: Nach sieben Tagen fand Elsbeths Flucht am 30. August 1990 ein jähes Ende. © dpa/Claus Felix


Elsbeth und Fürth – es war Liebe auf den ersten Blick. Die kurzbeinige Dame fühlte sich zwergflusspferdwohl in Pegnitz und Regnitz. Im Gegenzug bescherte sie der Kleeblattstadt eine bis dato kaum da gewesene Aufmerksamkeit in den überregionalen Medien. Sogar die Tagesthemen und das heute journal füllten 1990 das Sommerloch mit Berichten über die einwöchige Flucht des vier Zentner schweren Tieres.

Als der Zirkus Fliegenpilz an der Ludwigbrücke gastierte, hatte Elsbeth einen günstigen Moment genutzt, um in die Pegnitz zu gleiten. Auf der Flucht vor ihren Häschern schwamm sie flussabwärts in die Regnitz und weiter bis nach Stadeln. Hunderte Schaulustige säumten die Ufer, quittierten jedes Auftauchen mit Beifall und behinderten dabei die Fangversuche. Nach sieben Tagen ging Elsbeth doch ins Netz, als sie tagsüber ein Nickerchen am Ufer machen wollte.

An Elsbeths tolle Tage in Fürth erinnerte seit den 90er Jahren eine Bronzeskulptur der Künstlerin Gudrun Kunstmann. Über viele Jahre stand sie im Kellergeschoss des City-Centers. Aufregung herrschte kurz, als die Figur vor einem Jahr scheinbar verschwand. Der neue Eigentümer des maroden Konsumtempels, die Firma P & P, gab Entwarnung: Bei der Skulptur handelte es sich nur um eine Dauerleihgabe der Nürnberger Tiergartenfreunde, die in den 90ern Kunstmanns Nachlass geerbt hatten. Elsbeth sei wieder in Nürnberg.

Inzwischen hat sie den Weg zurück über die Stadtgrenze angetreten – der Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach sei Dank. Geschäftsführer Roland Breun hatte sich mit den Tiergartenfreunden in Kontakt gesetzt und offene Türen eingerannt: Die Elsbeth, so die einhellige Meinung, gehört nach Fürth. Zwar nicht geschenkt, aber als erneute Dauerleihgabe.

Für alle Passanten sichtbar

Die Wohnungsgenossenschaft hat den passenden Standort parat: Ihr gehört ein Gebäuderiegel "Im Talblick" am Pegnitzgrund, nicht weit von der Stelle also, wo Elsbeth ausgebüxt war. Dort, unmittelbar an einem viel genutzten Fuß- und Radweg, soll die Skulptur voraussichtlich ab Mai stehen. "Für alle Passanten sichtbar", freut sich Breun. Gegenwärtig bringt Restaurator André Jeschar Elsbeth in seiner Werkstatt auf Vordermann.

Die Bronzeskulptur wird derzeit von einem Restaurator generalüberholt. © Foto: Roland Fengler


Die Wohnungsgenossenschaft Fürth-Oberasbach hat sich in der Vergangenheit immer wieder für Kunst am Bau eingesetzt. Am Talblick steht bereits die Kunstmann-Skulptur "Schäfer mit Hund", in der Kriegerheimstraße das "Fischermädchen". Auch die Eichenskulptur "Mutter und Kind" von Walter Ibscher hat am Talblick eine Heimat gefunden, Elsbeth wird ihr bald Gesellschaft leisten. Dass sie ein ähnliches Schicksal erleidet wie das jüngst zerstörte Kunstmann-Aschenbrödel im Stadtpark, befürchtet Breun nicht. Zum einen hätten die Bewohner der Genossenschaftshäuser ein Auge auf die Figur, zum anderen ist Elsbeth nicht aus Ton, sondern aus Bronze – und damit viel robuster. 

Johannes Alles

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