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Zwischen Konflikten und Hoffnung

Babylon und Jüdisches Museum Franken präsentieren die dritten Jüdischen Filmtage - 07.11.2018 18:10 Uhr

Die Programmauswähler: Babylon-Chef Christian Ilg und Daniela Eisenstein, Leiterin des Jüdischen Museums Franken, mit dem Plakat der am Donnerstag startenden Filmtage. © Hans-Joachim Winckler


Muhi ist sechs Jahre alt. Der Junge, der im Gaza-Streifen als Sohn eines Hamas-Aktivisten zur Welt kam, leidet an einer seltenen Krankheit. Geholfen werden kann ihm nur in einem israelischen Krankenhaus, dort hat er, gemeinsam mit seinem Großvater, sein ganzes bisheriges Leben verbracht. Das ist die unglaubliche Geschichte, aus der unter der Regie von Rina Castelnuovo-Hollander und Tamir Eltermanhebr die feinfühlige Dokumentation Muhi entstand. 2017 wurde sie uraufgeführt, und mit ihr starten an diesem Donnerstag um 19 Uhr die Jüdischen Filmtage im Babylon.

Für Daniela Eisenstein, Direktorin des Jüdischen Museums Franken, ist dieser Film mehr als nur ein besonders einfühlsames Porträt: "Mit dem Blick auf diesen kleinen Jungen ist es gelungen, die Situation im Gaza-Streifen exemplarisch darzustellen." Die bewegende Situation von Muhi lasse sogar Hoffnung aufkommen. Denn im Film wird deutlich, dass Fronten an Bedeutung verlieren, wenn Menschen einander kennenlernen.

Für Eisenstein und Christian Ilg, Inhaber des Babylon, ist dieser Eröffnungsfilm auch deshalb erste Wahl, weil er ein Kernthema der 2018er- Auflage anspricht: "Es ging uns bei der Programmauswahl unter anderem um Konflikt und Hoffnung in Israel." Anders als in den Jahren zuvor — 2017 pausierte das Minifestival — gibt es diesmal zwar kein großes Oberthema, grundsätzlich setzen sich die neun Filme aber wieder mit der Vielfalt jüdischen Lebens heute ebenso wie mit der jüdischen Geschichte auseinander. Die warmherzige dokumentarische Komödie Menashe (Freitag, 19 Uhr, und Sonntag, 20.50 Uhr) erzählt zum Beispiel von einem jüdisch-orthodoxen Witwer, der darum kämpft, dass sein Sohn bei ihm leben kann. Regisseur Joshua Z. Weinstein konnte dafür ein Stück weit in die authentische Welt chassidischer Juden blicken.

Mit dem Thema Homosexualität, das 2015 im Zentrum der ersten Jüdischen Filmtage in Fürth stand, setzt sich auch Der Kuchenmacher (Freitag, 20.50 Uhr, und Samstag, 15.15 Uhr) auseinander. Von aktueller Brisanz ist Wir sind Juden aus Breslau (Samstag, 19 Uhr). Der preisgekrönte Dokumentarfilm — zu den Protagonisten zählen etwa Historiker Fritz Stern und Anita Lasker Wallfisch, die in diesem Jahr im Bundestag die Rede bei der Holocaust-Gedenkfeier hielt — will ein eindringliches Zeichen setzen gegen die stärker werdenden nationalistischen und antisemitischen Strömungen in Europa. Im Anschluss an die Vorführung wird die Bremer Produzentin und Regisseurin Karin Kaper im Babylon für ein Gespräch mit dem Publikum bereit stehen.

Wie aber gehen Nachgeborene mit der Erinnerung an die Schoa um? Das ist eine Frage, mit der sich Tali Tiller in My two polish Loves (Samstag, 17.15 Uhr) beschäftigt. Nachgedacht wird hier zum Beispiel darüber, ob sich künftige Generationen noch für die Geschichte des Holocaust interessieren, auch wenn es irgendwann keine direkten Zeugen mehr gibt.

Um den Faktor Zeit geht es ebenfalls in Lebenszeichen – Jüdischsein in Berlin (Freitag, 17 Uhr, und Sonntag, 19 Uhr). Regisseurin Alexa Krolinski zeigt, dass auch zwei Generationen nach dem Holocaust in kleinen, scheinbar banalen Momenten des täglichen Lebens die Erinnerungen daran noch ganz deutlich spürbar sind. Stich für Stich geht die Dokumentation Ink of Yam (Donnerstag, 20.50 Uhr, und Sonntag, 17 Uhr) den Zuschauern unter die Haut. Die Filmmacher haben ihre Kameras in einem von Jerusalems ältesten Tattoo-Studios aufgestellt. Hierher kommen Juden, Christen, Moslem, Atheisten. Während sie bezeichnet werden, öffnen sie sich und erzählen ihre ganz persönliche Geschichte.

The Oslo Diaries (Sonntag, 11 Uhr) heißt eine internationale Koproduktion, die dokumentiert, was tatsächlich Anfang der neunziger Jahre bei den geheimen israelisch-palästinensischen Friedensverhandlungen in Norwegen geschah. Der Film lässt von einem bekannten, weltweit mit großer Spannung verfolgten Ereignis ein neues Bild entstehen und zeugt zugleich von einer Menschlichkeit, die in diesem Kontext möglicherweise überraschend erscheint.

Mit feinem schwarzen Humor gehen die dritten Jüdischen Filmtage zu Ende: Am Ende ein Fest (Sonntag, 15.15 Uhr) packt das Thema Sterbehilfe an sowie den Umgang mit alten Menschen in der israelischen Gesellschaft.

Am Sonntag wird es außerdem von 10 bis 13 Uhr einen kosher-style Brunch geben mit modernen und traditionellen Gerichten aus Israel. Reservierungen sind dafür nicht möglich.

ZKarten gibt es direkt im Babylon-Kino, weitere Infos unter www.babylon-kino-fuerth.de  

Sabine Rempe

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