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Zwischen Wellness und Unruhepol

Bei ihrem Jahreskonzert geizte die Musikschule Fürth nicht mit stilistischer Vielfalt - 27.07.2018 13:00 Uhr

Kennen wir uns vom Musikunterricht? Dass Singen gute Laune macht, bewiesen „Patchwork & Das bunte Chorprojekt“. © Foto: Hans-Joachim Winckler


Sogar vorm Saal ist was los, wie immer. Heitere Klassik, gespielt vom Querflötenensemble Querplay unter der Leitung von Gaby Athmann, begrüßte die Besucher im Foyer, und das Saxofonensemble Saxerei (Tobias Schöpker) gab mit der "Moonlight Serenade" Geleit zum Abschied – eine Tradition, die Atmosphäre schafft.

Ebenso traditionell macht drinnen beim Jahreskonzert der Musikschule das Orchester Kunterbunt den Einstieg. In diesem Jahr wählte es rockige Klänge in Arrangements der Fürther Musikgrößen Thilo Wolf und Christoph Müller, vom Bühnenrand aus ganz dezent geleitet von Schulleiter Robert Wagner. Diese inklusive pädagogische Arbeit am gemeinsamen Musizieren von wohl gut hundert Akteuren mit vier Solosängern und Backgroundsängerinnen, der Förderschule der Lebenshilfe und den Dambacher Werkstätten findet längst weit über die Stadtgrenze hinaus Anerkennung; ein gesellschaftspolitisches Engagement, das gar nicht hoch genug gelobt werden kann.

In dezenterer Lautstärke präsentierten sich "Patchwork & Das bunte Chorprojekt" aus Musikschule, Förderschule und Grundschule Frauenstraße mit einem unbekümmerten Samba-Auftritt und einem Sänger, der wunderbar unbefangen das Publikum fragte: "Wo ist denn mein Papa?"

Den Sprung in die Welt der Klassik machte das Trio Palpable, das schon bei der Musischen Woche eine starke Visitenkarte hinterließ; auch diesmal spielten die Stipendiaten der Sparkasse Fürth 2017 aus Antonin DvoÝáks "Dumky"-Klaviertrio. Das Kammermusikstipendium 2018 wiederum ging an das Saxofonensemble "Saxonauten" unter der Leitung von Uschi Dittus. Die jungen Künstler bewiesen mit Kostproben aus Renaissance und Barock sowie mit modernen Klängen, dass ihnen der Preis zu Recht zuerkannt wurde. Wagner nutzte die Feier-Gelegenheit, den beiden Lehrkräften Maria Schalk und Uli Winter sowie Hausmeister Andi Schuller mit Blumensträußen für ihr 20-jähriges Wirken zu danken.

Nach der Pause lieferten fünf stilistisch völlig unterschiedliche Ensembles den Nachweis für die Breitenarbeit der Schule im Südstadtpark. Wohlklang pur verströmte das erst 2017 gegründete Damen-Querflötenensemble "flöjtigen" (Daniela Holweg), das anspruchsvolle Klänge wundervoll homogen in den Saal zaubert. "Strom ist angesagt", warnte Wagner vor dem temperamentvollen Auftritt der Band "Unruhepol" mit Saxofon, Trompete, E-Gitarre, E-Bass, Keyboard und Schlagzeug. Der Wellness-Chor "The Strong Voices" mit Leiterin Christina Jung am Flügel widmete sich dynamisch feinfühlig der Bombast-Ballade "Strong" der englischen Indie-Band London Grammar.

Und dann ging noch einmal die Post ab. Das Rock-Projekt "Ruction" (Wolfgang Kohler) brachte die Stadthalle mit "Señor Mouse" von Chick Corea, von Schülern und Lehrern gemeinsam gewuppt, fast zum Beben, ehe "The B-Jam", die von Marc Kassel angeleiteten Stipendiaten 2015, mit der großartigen Sängerin Anna Dollinger abrockten. Riesenbeifall. 

Günter Greb

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