23°

Samstag, 23.07. - 21:22 Uhr

|

zum Thema

Gegen Pegida: 500 Nürnberger demonstrieren am Kornmarkt

Würzburg knipst das Licht aus - 20.000 Menschen in München auf der Straße - 13.01.2015 07:00 Uhr

Am Kornmarkt versammelten sich knapp 500 Menschen um gegen Pegida zu demonstrieren.

Am Kornmarkt versammelten sich knapp 500 Menschen um gegen Pegida zu demonstrieren. © Hippel


Es sind Hunderte, die sich am Montagabend vor der Straße der Menschenrechte versammeln. Mit Plakaten gegen Pegida, mit Flaggen, mit Transparenten. Die Organisierte Autonomie hat zu der Kundgebung aufgerufen. Gekommen sind auch Menschen, die man sonst nicht auf Autonomen-Demonstrationen vermuten würde. Weil es offenbar ein großes Bedürfnis gibt, sich zu artikulieren.

Erst recht nach den verstörenden Terrorakten von Paris. Walter Strobl hat sich einen Bleistift an die Jacke geheftet, er trägt ein „Je suis Charlie“-Schild in der Hand – das Symbol für die Solidarität mit den Opfern des Anschlags auf das Pariser Satiremagazin. "Ich fühle mich persönlich betroffen“, sagt der 57-Jährige. Er habe früher eine Zeitschrift herausgegeben. "Wir wurden damals von Neonazis bedroht:"

Bilderstrecke zum Thema

Anti-Pegida-Demo Anti-Pegida-Demo Anti-Pegida-Demo
500 Nürnberger demonstrieren am Kornmarkt gegen Pegida

Auch Nürnberg bekennt Flagge: Etwa 500 Menschen sind am Montagabend gegen Pegida auf die Straße gegangen. Sie demonstrierten am Kornmarkt gegen rassistische Hetze und Fremdenfeindlichkeit.


Paris ist präsent. Das ist deutlich zu spüren. Victor von Frantzky (19) und Helen Hetzel (19) wären zwar in jedem Fall zur Anti-Pegida-Kundgebung gekommen. „Aber Paris hat trotzdem eine Rolle gespielt. Der Terror führt dazu, dass Pegida mehr Zulauf bekommt“, befürchtet von Frantzky.

Auch die Veranstalter, die Autonomen, gehen in ihren Beiträgen auf die jüngsten Anschläge ein. "Wir sind schockiert und betroffen", sagt eine Sprecherin. Die Solidarität gelte den Opfern. "Aber wir wenden uns auch gegen die, die das instrumentalisieren."

"Mich erinnert das alles an die Nazis. Man sollte von Anfang an etwas dagegen tun", sagt Hertha Kretschmer (68). Deshalb ist es ihr ein Anliegen, auf die Straße zu gehen. Schon im Dezember waren in Nürnberg bereits 7000 Menschen gegen Pegida auf die Straße gegangen. Sie bildeten eine Lichterkette.

20.000 Menschen bei Anti-Pediga-Demo in München

Auch in der Landeshauptstadt München gingen die Menschen auf die Straße, gegen Rassismus, gegen den Ableger Bagida - insgesamt etwa 20.000. "Wir stehen hier, weil wir das Feld nicht denen überlassen wollen, die versuchen, unsere Gesellschaft zu spalten", sagte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) bei der Kundgebung. "Wir stehen auf gegen jede Form von Rassismus, Antisemitismus und rechter Gewalt."

Rund 800 Polizeibeamte waren rund um das Sendlinger Tor in der Innenstadt im Einsatz. Anschließend war eine Demonstration des bayerischen Ableger Bagida - geplant. Diese war für 300 Teilnehmer angemeldet. Auch hier spielte der Angriff auf "Charlie Hebdo" eine große Rolle: "Es waren auch Anschläge auf eine offene, vielfältige und demokratische Gesellschaft", sagte Oberbürgermeister Reiter.

Würzburg knipst das Licht aus

In Würzburg wurde es dunkel, aus Protest. 1200 Menschen haben dort gegen Fremdenfeindlichkeit demonstriert. "Ein starkes Zeichen", sagte auch Würzburgs Oberbürgermeister Christian Schuchardt (CDU). "Fremdenfeindlichkeit, in welchem Gewand sie auch daherkommt, wird in unserer Stadt nicht geduldet!"

In München gingen 20.000 Menschen auf die Straße um gegen Pegida zu demonstrieren.

In München gingen 20.000 Menschen auf die Straße um gegen Pegida zu demonstrieren. © dpa


Die Teilnehmer waren nach einer Schweigeminute für die Opfer der Anschläge auf die Satirezeitschrift "Charlie Hebdo" vom Bahnhof durch die Innenstadt zum Marktplatz gezogen. Viele hielten große Buntstifte in die Höhe, pusteten Seifenblasen in die Luft und trugen Schilder mit der Aufschrift "Je suis Charlie". Vor dem Dom hielten die Kirchen zudem eine gemeinsame Mahnwache ab.

Parallel dazu haben sich einige Hundert Gegendemonstranten eingefunden, sie bekundeten nach Polizeiangaben "lautstark ihren Unmut". Einige von ihnen hatten in der Peterstraße versucht, aus einem Gebäude heraus auf die Aufzugsstrecke zu gelangen. Polizeibeamte konnten sie zurückdrängen.

Bilderstrecke zum Thema

Protest gegen Attentat Protest gegen Attentat Protest gegen Attentat
Erlanger protestieren gegen Anschlag auf "Charlie Hebdo"

Rund 150 Menschen versammelten sich am Samstag auf dem Erlanger Hugenottenplatz, um gegen den Anschlag auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" in Paris zu protestieren. Alle Religionsgemeinschaften kamen zu Wort, dazu der Bund für Geistesfreiheit und städtische Vertreter.


Für den Abend hatte der Würzburger Ableger der islamfeindlichen Bewegung Pegida zu einer Demonstration aufgerufen. Zeitgleich wollte die Stadt die Beleuchtung der Festung Marienberg und des Rathauses abschalten, um der Demonstration keine Kulisse zu bieten. Die Neubaukirche, Endpunkt der Demo mit dem Motto "Ein Meer aus Fahnen bricht sich Bahnen", wurde bereits am frühen Abend verdunkelt.

30.000 Menschen in Leipzig bei Anti-Pegida-Demo

In mehreren großen Städten Deutschlands sind Zehntausende gegen die Anti-Islam-Bewegung auf die Straße gegangen. In Leipzig stellten sich am Montagabend rund 30.000 Menschen dem Aufmarsch des Pegida-Ablegers Legida entgegen. In München nahmen rund 20.000 Menschen an einer Demonstration unter dem Motto "München ist bunt "teil. Wie in anderen Großstädten gedachten sie auch der Opfer der Terrorattacken in Paris. Bei einer großen Gegendemonstration in Hannover zählten die Veranstalter 11 000 Teilnehmer.

In Dresden, wo die Pegida-Bewegung ihr Zentrum hat, folgten Tausende Anhänger der islamfeindlichen Bewegung einem von zahlreichen Politikern kritisierten Aufruf zu einem Trauermarsch. Die Polizei machte zunächst keine Angaben zur Teilnehmerzahl der mittlerweile zwölften Pegida-Kundgebung in Sachsens Landeshauptstadt.

Wenn Sie zu diesem Thema ihre Meinung äußern möchten, können Sie dies in dem extra dafür eingerichteten Leserforum tun. Eine direkte Kommentierung dieses Artikels ist nicht mehr möglich.  

Sabine Stoll/tl/dpa

31

31 Kommentare

Seite drucken

Seite versenden